ITBS-Iliotibialband-Syndrom Symptome/Schmerzen

Das Iliotibialband-Syndrom (ITBS) wird auch als Läuferknie oder Tractussyndrom bezeichnet. Es tritt hauptsächlich bei Läufern auf und äußert sich durch Schmerzen am äußeren Kniegelenk. 
Die Ursache besteht meist in einer Überbeanspruchung durch zu häufiges oder zu langes Training. An der Außenseite des Oberschenkels befindet sich der Faserzug des Tractus iliotibialis. Er verläuft von der vorderen Darmbeinspitze (SIAS) über das Hüftgelenk und endet am äußeren Knöchel (tuberculum gerdy) des Schienbeins. Das ITBS entsteht durch Reibung des Tractus iliotibialis an dem äußeren Knochenvorsprung des Oberschenkelknochens oberhalb des Kniegelenks. Durch häufiges Beugen und Strecken im Kniegelenk kommt es somit zu Irritationen und zum Schmerz. 

Umfangreiche Informationen zum ITBS finden Sie in diesem Artikel: ITBS-Iliotibialband-Syndrom



Symptome

Die Symptome bei einem Iliotibialband-Syndroms sind:

  • zunächst leichten Schmerzen am äußeren Oberschenkel
  • sehr starken stechenden Schmerzen, die bis in den Unterschenkel ausstrahlen können.
  • Druckschmerz im betroffenen Areal
  • Geräusche die durch die Reibung des gereizten Gewebes beim Beugen und Strecken des Kniegelenks auftreten

Wird das ITBS nicht behandelt oder eine Trainingskarenz nicht eingehalten, so können die Schmerzen ein Lauftraining für Monate unmöglich machen. Auffällig ist die Tatsache, dass der Schmerz zunächst nur während des aktiven Laufens auftritt, später aber auch schon beim Gehen einsetzen kann. Da die Schmerzen auch in Richtung Kniegelenk und zum Schienbeinkopf ausstrahlen, entstehen oft Fehldiagnosen und damit Fehlbehandlungen. Fälschlicherweise kann beispielsweise ein Meniskusschaden diagnostiziert werden und es werden Teile der Menisken operativ entfernt. Weitere Symptome beim Iliotibialband-Syndrom sind ein Druckschmerz im betroffenen Areal sowie Geräusche die durch die Reibung des gereizten Gewebes beim Beugen und Strecken des Kniegelenks auftreten.

Weitere Artikel, in denen es um ähnliche Schmerzsymptomatiken geht, sind hier aufgelistet:

Wie erkenne ich ein Läuferknie?

Ein Läuferknie (runners knee) mit dem dazugehörigen liotibialband-Syndrom wird von einem Arzt oder Therapeuten in der Regel ohne ein Röntgenbild oder ein MRT erkannt.
Typisches Symptom ist ein Druckschmerz im Verlauf des tractus iliotibialis, der besonders stark im Bereich des äußeren Epicondylus des Oberschenkels auftritt. Um eine Differentialdiagnose zu erstellen werden verschiedene Bewegungen im Kniegelenk ausgeführt an denen der tractus iliotibialis nicht beteiligt ist. Treten keine Schmerzen auf, so ist der Befund relativ sicher. Zusätzlich können spezifische Meniskustests durchgeführt werden um einen Meniskusschaden auszuschließen. Besonders wichtig bei der Anamnese ist es, zu erfahren, welche Sportart in welcher Intensität und über welchen Zeitraum ausgeübt wurde.

Umfangreiche Informationen zu Meniskusschäden finden Sie in den Artikeln:

Darf trotz Schmerzen Sport gemacht werden?

Je nach Schmerzqualität muss im Einzelfall entschieden werden, ob weiterhin Sport betrieben werden kann.

  • Ein leichtes Ziehen oder ein Schmerz der erst nach längerem Training auftritt ist noch kein Grund für eine sportliche Abstinenz.
  • Hingegen sollte bei plötzlich eintretendem stechendem Schmerz oder bei Schmerzen, die nur mit medikamentöser Unterstützung zu ertragen sind, vom Training abgeraten werden.

In jedem Fall sollte die Ursache der Schmerzen durch einen Therapeuten oder Arzt abgeklärt werden, um eine weitere Schädigung der betroffenen Strukturen zu verhindern.

Ursachen für die Schmerzen

Die Ursache der Schmerzen bei einem Iliotibialband-Syndrom liegt in der Reibung des Tractus am Epikondylus des Oberschenkels. Die Folge sind Irritationen der Beinhaut und der Schleimbeutel. Besonders hohe Belastungen entstehen bei:

  • Bergläufen und Langstreckenläufen, insbesondere wenn der Untergrund asphaltiert ist. Häufig tritt das Iliotibialband-Syndrom nach längerem Bergablaufen auf - es ist aber ein Schmerzsyndrom, das vielen Langstreckenläufern schmerzlich bekannt ist. Dies kann vor allem Überlastungen und Reizzuständen der Beinhaut und des Schleimbeutels führen.
  • Auch Rennradfahrer klagen häufig über ein ITBS, da sie eine sehr hohe Beanspruchung der beteiligten Muskel-, Sehnen- und Knochenstrukturen haben. 
  • einer vorhandenen Beinachsenfehlstellung (O-Beine), da dadurch der tractus iliotibialis in eine physiologisch ungünstige Position gebracht wird.
  • Fußfehlstellungen durch eine Schwäche im Bandapparat der Füße
  • falsche Laufschuhe
  • Beckenschiefstand
  • einer ausgeprägte Beinlängendifferenz

 

Bewegungseinschränkung

Aufgrund von Schmerzen beim Iliotibialband-Syndrom kann es zu einer Schutzspannung der beteiligten Muskulatur kommen - eine natürliche Reaktion des menschlichen Körpers. Dies betrifft die Glutealmuskulatur am Po und den musculus tensor fasciae latae, welcher am seitlichen Oberschenkel verläuft. Die Folge dieser Schutzspannung ist eine verminderte Beweglichkeit in der Beugung und Streckung im Kniegelenk, aber auch Einschränkungen im Bewegungsausmaß des Hüftgelenks sind zu beobachten. Vor allem das Strecken des Beins nach hinten und zur Seite fällt den Betroffenen besonders schwer.

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Kraftverlust

Ein Kraftverlust der Glutealmuskulatur und des "tensor fasciae latae" ist die Folge der Bewegungseinschränkung. Durch eine Verkürzung der Muskulatur kann der Muskel nicht mehr aus seiner vollen Länge heraus verkürzt werden. Es entstehen ungünstige biomechanische Hebelverhältnisse, welche die Kraft des Muskels reduzieren. Auch stehende plötzlich einsetzende Schmerzen führen zu einem Kraftverlust, da die darauf folgende Muskelspannung eine Weiterbewegung verhindert.

Weitere Informationen finden Sie hier:

Schmerzen bei einfachen Kräftigungsübungen

Natürlich können auch schon bei einfachen Kräftigungsübungen Schmerzen im Verlauf des tractus iliotibhialis auftreten. Dies liegt meist daran, dass zu wenig Dehnübungen durchgeführt werden und das verkürzte Iliotibialband Reibung am Oberschenkelknochen erzeugt. Daher ist darauf zu achten, eine gesunde Balance zwischen Dehnübungen und Kräftigungsübungen zu schaffen. Auch der Einsatz von Faszienrollen sollte zum Trainingsprogramm gehören, da das Bindegewebe damit beweglicher wird . Bei Kräftigungsübungen sollte immer auf eine symmetrische Beinachsenarbeit geachtet werden um ein Muskelungleichgewicht zu vermeiden. Joggen, Wandern und Radfahren sollten nicht zur Kräftigung eingesetzt werden, da diese Sportarten leicht zu einer Überlastung des tractus iliotibialis führen können. Ideal zur Kräftigung ist Wassergymnastik, Aquajogging oder Übungen an einem Ellipsentrainer.

Weiterführende Informationen finden Sie in den hier aufgelisteten Artikeln:

Schmerzmittel

Typischerweise wird in der Anfangsphase bei einem akuten Iliotibialband-Syndrom mit Schmerzmitteln wie Ibuprufen oder Diclofenac behandelt. Diese Medikamente haben gleichzeitig eine entzündungshemmende Funktion. Eine lokale Anwendung mittels einer Salbe sollte bevorzugt werden, da so keine negativen Nebenwirkungen auf innere Organe (Niere, Leber, Herz) entstehen können. Eine Kombination aus Ultraschall und Salbenanwendung kommt auch häufig zum Einsatz. Dabei wird die Salbe auf den Ultraschallkopf aufgetragen und während der Behandlung einmassiert. Weiterhin können Kortison Injektionen die Schmerzen und die Entzündung bei einem Iliotibialband-Syndrom  hemmen. Allerdings zerstört Kortison bei längeren Anwendungen Bindegewebe und sollte daher nur lokal eingesetzt werden, wenn andere Optionen nicht möglich sind.   

OP

Wenn alle konservativen Therapiemaßnahmen keine Besserung herbeiführen, kann ein operativer Eingriff Linderung der Beschwerden verschaffen. Das Ziel der Operation ist es den tractus iliotibialis zu verlängern, um somit die ständige Überreizung zu beheben. Während der Operation wird eine z-förmige Inzision (Einschnitt) am Tractus vorgenommen.

Wenn eine Beinachsenfehlstellung (O-Beine) vorliegt, kann diese ebenfalls operativ korrigiert werden.

Schmerzen nach der OP

In einigen Fällen sind nach einem operativem Eingriff am tractus iliotibialis weiterhin auftretende Schmerzen zu beobachten. Hierfür kommen unterschiedliche Ursachen in Frage:

  • Die Glutealmuskulatur kann sich auch nach Verlängerung des Tractus weiter verkürzen. In diesem Fall sollten tägliche Dehnübungen für die Glutealmuskulatur angewendet werden.
  • Ein weiterer Grund für Schmerzen nach der Operation liegt in der Anpassungsphase aller beteiligten Strukturen am Gelenkspiel im Kniegelenk. Muskeln, Sehnen, Bänder und Menisken müssen sich erst einmal anpassen um wieder schmerzfrei zu funktionieren. Daher sollte sofort nach dem Eingriff mit einer unterstützenden Physiotherapie oder Rehabilitation begonnen werden.
  • Schmerzen können auch durch eine erneute Entzündung im Bereich des Operationsgebietes entstehen. Je nach Auslöser muss dann mit Cortison, NSAR oder mit Antibiotika nachbehandelt werden bis die Entzündung abgeklungen ist.
  • Auch können Schmerzen durch die Operationsnarbe entstehen, da Narbengewebe nicht so beweglich ist wie normales Hautgewebe. Deshalb sollte so früh wie möglich mit der Narbenmoblisation begonnen werden um eine maximale Beweglichkeit des Narbengewebes zu gewährleisten.

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Prognose

Bei einem Läuferknie (Tractus-iliotibialis-Syndrom, Iliotibialband-Syndrom), welches durch Überlastung entstanden ist und noch nicht chronisch auftritt, hilft oft schon eine Schonung von ein bis zwei Wochen, um die Beschwerden loszuwerden. Wird trotz Schmerzen weiter trainiert, besteht die Gefahr einer irreparablen Schädigung von Knorpelanteilen im Kniegelenk sowie das Auftreten entzündlicher Prozesse im Sehnenansatzbereich des tractus iliotibialis. Sofern noch keine Chronifizierung vorliegt, ist die Prognose allerdings gut, da durch Anpassung der Trainingsgewohnheiten eine zukünftige Überlastung vermieden werden kann.

In dem Artikel "Übungen bei einem Knorpelschaden" finden Sie Informationen zu den hgier angesprochenen Themen.

Krankschreibung

Je nach Einzelfall entscheidet der Arzt, ob und wie lange eine Krankschreibung aufgrund eines Iliotibialband-Syndrom notwendig ist. Dies hängt stark davon ab wie hoch die körperliche Belastung im Berufsleben des Betroffenen tatsächlich ist. Beispielsweise wird ein Verkäufer, welcher den ganzen Tag steht und sich bewegt, eher krankgeschrieben werden als ein Programmierer, der einer ausschließlich sitzenden Tätigkeit nachgeht. Außerdem muss geklärt werden, ob die Beschwerden durch berufliche Überlastung oder durch zu hohe Trainingsintensität im Privatleben verursacht wurden. Ist Letzteres der Fall, kann eine Krankschreibung vermieden werden.