Physiotherapie bei einer kindlichen Hüftluxation

Einleitung

Die Physiotherapie bei einer kindlichen Hüftluxation ist besonders wichtig für eine kindgerechte Entwicklung und um den Heilungsprozess zu unterstützen. Als konservative Therapiemethode kann die Physiotherapie dabei von Beginn an dabei helfen, das Hüftgelenk so weit es geht zu mobilisieren und eine Verkürzung der Muskulatur und anderer Gewebe zu verhindern. Durch spezielle Therapieverfahren wie z.B. die Physiotherapie nach Vojta, können so automatisierte Reflexe aktiviert werden und den Heilungsprozess positiv unterstützen. Je nach Alter des Kindes und dem Schweregrad der Erkrankung wird die Physiotherapie immer individuell angepasst.

In den folgenden Artikeln erfahren Sie mehr zu diesem Thema:

Behandlung/Therapie

Wird eine Hüftluxation diagnostiziert ist es wichtig schnell eine Behandlung einzuleiten, da es gerade bei Kindern sonst zu Problemen bei der Entwicklung und späteren Folgeschäden wie z.B.Morbus Perthes kommen kann. Bei einer Hüftluxation bei Kindern wird in der Regel versucht zunächst konservativ zu behandeln. Je nach Ausprägung bedeutet das, dass bei leichten Fällen bestimmte Hilfsmittel eingesetzt werden, um den Hüftkopf tief in der Hüftgelenkspfanne zu fixieren. Dies geschieht zum Beispiel durch den Einsatz von Spreizhosen und Bandagen. Ist die Hüftluxation weiter ausgeprägt, muss das Hüftgelenk repositioniert werden.
Die Kinder werden dafür in der Regel kurz narkotisiert und der Arzt versucht dann manuell die Hüfte wieder in die richtige Position zu bringen. Ist dies nicht möglich, wenn zum Beispiel Sehnen oder Bänder das Einrenken verhindern, kann eine Operation notwendig werden. Nach der Repositionierung ist es wichtig das Hüftgelenk zu fixieren, dies geschieht entweder durch einen Gipsverband oder eine Schiene, die für mindestens 6 Wochen getragen werden muss.
Auch bei älteren Kindern ist eine gute Therapie essentiell für den Behandlungserfolg. Eine enge Zusammenarbeit von Physiotherapeuten und Ärzten muss gewährleistet sein. Durch gezielte Übungen und Maßnahmen im Rahmen der physiotherapeutischen Behandlung werden Muskulatur und Gewebe der Kinder trainiert, damit die Heilung optimal unterstützt wird und das Gelenk später nicht in seiner Beweglichkeit eingeschränkt ist. Die Therapie unterscheidet sich teilweise stark je nach Alter des Kindes, sodass ältere Kinder oftmals eigenständig die Übungen durchführen können während vor Allem Säuglinge auf ihre Eltern und die Therapeuten angewiesen sind. Generell wird von den Eltern viel mit Hilfe und Verantwortung benötigt, damit das Kind optimale Chancen auf vollständige Genesung haben kann. Generell erfordert eine Hüftluxation bei Kindern ein hohes Maß an Flexibilität, Kreativität und Einfühlungsvermögen von Seiten der behandelnden Ärzte und Physiotherapeuten.

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Übungen

Je nach Alter des Kindes gibt es im Rahmen der Therapie verschiedene Übungen, die durchgeführt werden, um das Hüftgelenk zu stabilisieren und zu mobilisieren, sodass eine normale Entwicklung unterstützt und der Heilungsprozess beschleunigt wird:

1) Fahrradfahren: Hierbei bewegen entweder die Eltern oder bei älteren Kindern die Kinder selbst in Rückenlage die Beine so in der Luft, als würden Sie Fahrrad fahren.

2) Stabilisierung: Das Kind steht einbeinig neben einem Stuhl an dem es sich festhalten kann. Das andere Bein wird langsam und kontrolliert in der Luft nach vorne und hinten geführt.

3) Mobilisation: In Rückenlage werden die beine des Kindes gebeugt in Richtung Brustkorb geführt und dann langsam wieder ausgestreckt.

4) Kräftigung: Das Kind legt sich auf den Rücken und stellt die Beine an. Nun wird das Gesäß in Richtung Decke gedrückt, sodass eine Art Brücke entsteht.

5) Mobilisation und Kräftigung: Das Kind setzt sich gerade auf einen Stuhl. Nun wird ein Bein angewinkelt angehoben, 2 Sekunden gehalten und wieder abgesetzt. Dann die Seite wechseln. 5 Wiederholungen pro Seite.

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Hat eine Zerebralparese Auswirkungen auf die Hüfte

Bei Kindern mit Zerebralparese (cerebral palsy) liegt eine nicht fortschreitende Hirnschädigung mit Auswirkungen auf die muskuläre und neurologische Entwicklung vor. Die Kinder haben Probleme bei Koordination und Bewegungsabläufen und die Muskelspannung ist im Vergleich zu gesunden Kindern erhöht. CP ist nicht heilbar aber durch geeignete Therapiemaßnahme modifizierbar. Durch die Erkrankungen entwickeln viele CP-Kinder Hüftgelenkprobleme, die nicht selten auch zu einer Hüftluxation führen können. Wie schnell und stark diese Entwicklung stattfindet ist abhängig von dem Schweregrad der Zerebralparese und der mit ihr einhergehenden Spastik und Entwicklungsretardierung. Da CP an sich nicht heilbar ist, ist es besonders wichtig die Kinder während ihrer Entwicklung genau zu beobachten und regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchführen zu lassen, um eine richtige Entwicklung des Hüftgelenks zu gewährleisten. Die Therapie muss dabei an den individuellen Zustand des Kindes angepasst werden da die CP Verläufe sich zum Teil stark voneinander unterscheiden. Die Physiotherapie ist bei CP Kindern die Therapie der Wahl und begleitet sie meist ein Leben lang. Erst wenn die konservativen Maßnahmen ausgeschöpft sind oder sich die Situation des Kindes stark verschlechtert, wird zur Behandlung eine Operation in Erwägung gezogen.

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Operation

In einigen Fällen kann es sein, dass sich eine Hüftgelenksluxation nicht von außen repositionieren lässt, sodass eine Operation nötig wird. Auch wenn die Kinder bereits älter sind und sich Schäden am Hüftgelenk entwickelt haben ist eine Operation oft unumgänglich.
Die Operation erfolgt unter Vollnarkose in einem offenen Operationsverfahren. Ziel der Operation ist es, den Hüftgelenkskopf in die richtige Position in der Hüftgelenkspfanne zu bringen. Um dieses Ziel zu erreichen wird der Operateur zunächst die Operationsfläche durch einen Schnitt eröffnen. Der Schnitt ist in Leistengegend, sodass das Hüftgelenk dargestellt wird. Nach dem Eröffnen der Gelenkkapsel wird das störende Gewebe entfernt und eventuell geschädigte Strukturen und überschüssiger Knorpel abgetragen und geglättet. Im Anschluss lässt sich der Hüftkopf gut in die Gelenkpfanne reponieren. Zuletzt wird die Gelenkkapsel wieder vernäht und auch die Hautwunde mit selbstauflösenden Fäden verschlossen. Im Anschluss an die Operation muss das Hüftgelenk mindestens 4 Wochen lang durch einen Becken-Bein Gips  und danach in einer Spezialschiene ruhiggestellt werden, damit die Verletzung richtig ausheilen kann.

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Zusammenfassung

Insgesamt ist die Physiotherapie bei der kindlichen Hüftluxation ein wesentlicher Bestandteil sowohl bei der konservativen Therapie als auch in der Nachbehandlung bei einer vorangegangenen Operation. Der individuelle Behandlungsplan unterscheidet sich dabei von Fall zu Fall und wird immer von Physiotherapeuten und Ärzten entwickelt. Gerade bei Kindern werden die Eltern stark in die Therapie mit einbezogen, um selbst zuhause Übungen durchzuführen oder die Kinder anzuleiten und auf richtige Bewegungsausführungen und Schonung zu achten. Aufgrund der vielfältigen Therapiemaßnahmen bietet die Physiotherapie eine flexible Behandlung die genau an die Bedürfnisse der kleinen Patienten angepasst werden kann.