Übungen aus der Krankengymnastik

Einleitung

Alle Übungen richten sich in Akutsituationen nach der Freigabe und Vorgabe des Arztes. Die folgenden Übungen, welche auch in der Krankengymnastik Anwendung finden, dienen als Hilfe zum Erreichen einer schmerzfreien und physiologischen Bewegung des jeweiligen Gelenks.

Übungen: Knie/Knieschule

Quadricepsspannung (Kniestrecker) aktivieren:
Anwendbar nach Oberschenkel-Knie-Hüft-Operationen, zum Trainieren der Ansteuerung des Muskels, oder zum anfänglichen Wiedererlangen der Muskelkraft am Oberschenkel sowie zur Kniescheibenmobilisation, welche in die Sehne des Kniestreckers eingelassen ist.

  • Übung in Rückenlage oder im Sitz: Zuerst wird das gesunde Bein als Startbein und zum Vergleich beübt. Knie soll in die Unterlage gedrückt werden, das Knie wird also gestreckt. Dann das betroffene Bein beüben. Auf der Mitte des Oberschenkels sollte man deutliche Muskelanspannungen sehen.

In dem folgendem Artikel Vibrationstraining finden Sie noch weitere Übungen.

Kniebänkchen:
Diese Übung für das Knie/Knieschule dient der Kniestreckung. Die Kniestreckung ist nach Knie-Operationen häufig schwierig und sollte nach Arztrücksprache trainiert werden.

  • Der Patient liegt in Rückenlage oder befindet sich im Langsitz. Das Knie wird aktiv in Richtung Unterlage gedrückt. Als Hilfe, oder optische Unterstützung, kann man ein zusammengefaltetes Handtuch unter die Kniekehle legen. Übung im schmerzfreien Bereich durchführen.

Übung für Beinachse bei X-Bein (genu valgum):

  • Der Patient steht aufrecht und hüftbreit. Grundlage der Übung ist die Kniebeuge. Um die Knie wird ein Theraband geknotet, so dass um beide Beine eine Schlaufe liegt. Um das Band straff zu halten, müssen die Knie nach außen, in die korrekte gerade Achse des Beines gebracht werden. Dann werden Kniebeugen ausgeführt. Dabei werden die Knie gebeugt, so dass ein langsames Absinken des Gesäßes nach unten, hinten stattfindet, ohne das die Knie über die Fußspitze kommen.

Weitere Übungen zu diesem Thema finden sie bei uns unter dem Thema "Knieschule" oder "Krankengymnastik Übungen Knie"

Übungen: Hüfte

Pendel an der Treppe/Stufe:
Zur Entlastung der Hüfte/Hüftgelenke, zum Beispiel durch Arthrose betroffene Gelenke.

  • Seitliche Aufstellung am Treppenabsatz der hinabführenden Treppe. Mit dem betroffenen Bein zur Treppe hin. Bein bzw. Fuß hängt in der Luft über der nächsten Stufe. Lockeres vor- zurückpendeln an der Stufe.

Abduktorentraining:
Das trainieren der Muskeln, welche das Bein abspreizen, ist wichtig bei Hüftschwäche, bzw. bei dadurch begünstigtem Hinken und als Training nach Hüft- Operationen, wenn vom Arzt das Training freigegeben ist.

  • Übung/Variante 1.:Im Liegen ohne Schwerkraft: Gestrecktes Bein auf der Unterlage nach außen führen, dann wieder mittig. Wichtig: nicht die senkrechte Mittellinie des Körpers überschreiten, sondern nur bis zur Achse Hüfte /Fuß gehen.
  • Übung/Variante 2.: Im Stand seitlich festhalten und das gestreckte Bein abspreizen. Wichtig: nicht die senkrechte Mittellinie des Körpers überschreiten, sondern nur bis zur Achse Hüfte /Fuß gehen.
  • Übung/Variante 3.:Für Fortgeschrittene: Im Stand seitlich festhalten und um beide Beine eine Therabandschlaufe legen. Gegen den Widerstand des Therabandes das äußere Bein zur Seite führen.

In dem folgendem Artikel Vibrationstraining finden Sie noch weitere Übungen.

Dehnung des M.Iliopsas, des Hüftbeugers:
Nach Hüft-Operationen entsteht häufig eine Oberkörpervorlage, aufgrund der durch Schonhaltung verkürzten Hüftbeugemuskukatur.

  • In Rückenlage auf Behandlungsbank. Das Bein, welches beübt werden soll befindet sich im Überhang, allerdings sollte der Oberschenkel zur Stabilisation unbedingt noch aufliegen. Dann lockeres Pendeln des Unterschenkels welcher herabhängt.

Kräftigung Großen Gesäßmuskel:
Der M. gluteus maximus ist wichtig für den aufrechten Stand und stabilisiert den hinteren Hüftbereich.

  • Der Patient kniet auf einer Matte im Vierfüßler Stand. Mit den Unterarmen wird sich am Boden abgestützt. Ein Bein wird nun angewinkelt nach oben Richtung Decke und wieder zurück nach unten geschoben. Das andere Bein und die Hüfte sollten dabei gerade gehalten werden und sich nicht nach oben aufdrehen. Wiederholungen richten sich nach dem Patienten. Für den Anfang sind 20 Wiederholungen auf jeder Seite wünschenswert. Durchführung auch auf der anderen Seite.

Übungen: Nacken

Muskelkräftigung:
Übung für den oberen Anteil des Kapuzenmuskels (M.trapezius) und den Schulterblattheber.

  • Ausgangslage ist der Stand mit hüftbreit auseinander gestellten Beinen. Die Arme hängen seitlich neben dem Körper. Schultern hoch Richtung Ohren ziehen, dann langsames Absenken der Arme, dabei Schultern nach hinten bringen und die Schulterblätter zusammenziehen. Dann wieder in Ausgangslage zurück und wiederholen. Steigerungen mit Kurzhanteln möglich.

Entspannung/ Dehnung:
Für Dehnung des Anteiles des rechten oberen Anteiles des Kapuzenmuskels.

  • Neigen des Kopfes nach links mit leichter Kopfbeugung und Drehung nach rechts. Leichtes „nach unten ziehen“ der Schulter aus dem Schultergelenk.( Wenn man die Hand aktiv noch nach unten streckt, bekommt man den Nerven mit in die Dehnung, nicht Ziel dieser Übung.) Das gleiche auf der linken Seite: Neigen des Kopfes nach rechts mit leichter Kopfbeugung und Drehung nach links. Dann wieder die Schulter nach hinten unten ziehen. Die Dehnung sollte mindestens 15 Sekunden gehalten werden.

Weitere Übungen für den Schulter-Nackenbereich finden unter dem Thema "Krankengymnastik Übungen HWS" und "HWS Syndrom Übungen".

Übungen: Sprunggelenk

Das Sprunggelenk besteht aus dem oberen und unteren Sprunggelenk. Diese beiden Gelenke lassen unterschiedliche Bewegungen zu und beanspruchen damit unterschiedliche Muskeln bzw. Muskelgruppen. Um eine umfassende Stabilität im gesamten Sprunggelenk zu erlangen, sollte man möglichst alle Bewegungsrichtungen trainieren.
Oberes Sprunggelenk:
Hier finden die Bewegungen des Fußwegstreckens (Plantarfexion) und Fußanziehens (Dorsalextension) statt.

  • Plantarflexion:Handtuchübung: Im Sitz, Füße haben Bodenkontakt. Unter dem zu trainierenden Fuß ein Handtuch. Handtuch nach vorne wegschieben, so dass Zehen auf dem Handtuch zum Stehen kommen. Zurückziehen. Wiederholen.
  • Plantarflexion: Theraband: Setzen Sie sich im Langsitz auf den Boden ( Mit einer Matte/ Handtuch) untergelegt. Wickeln Sie das Theraband um den Vorfuß. Beide Bandenden mit den Händen festhalten. Band auf Spannung bringen. Bringen Sie nun den Fuß in Streckung. Das Bein bleibt liegen.
  • Dorsalextension, Fersenstand: Im Fersenstand durch das Zimmer laufen.
  • Dorsalextension, Theraband: Im Langsitz: Theraband an einem festen Gegenstand fest machen und um Ihren Vorfuß wickeln. Band soll unter Spannung gebracht werden Nun den Fuß heranziehen.

Zusätzliche Informationen zu diesem Thema entnehmen sie den Artikeln "Krankengymnastik Übungen Sprunggelenk" und Vibrationstraining.

Unteres Sprunggelenk:
Hier finden die Bewegungen des Fußaußenkanten-Hebens (Pronation) und des Fußinnenkanten-Hebens (Supination) statt.

  • Supination, Theraband: Setzen Sie sich im Langsitz auf den Boden. Wickeln Sie das Theraband um den Vorfuß. Beide Bandenden mit den Händen festhalten. Band auf Spannung bringen. Bringen Sie nun den Fuß in Streckung und ziehen die Fußinnenkante dabei hoch. Das Bein bleibt liegen.

  • Pronation, Theraband: Im Langsitz: Theraband an einem festen Gegenstand fest machen und um Ihren Vorfuß wickeln. Band soll unter Spannung gebracht werden. Nun den Fuß heranziehen und dabei die Fußaußenkante nach oben ziehen.

Übungen: Ischias

Schmerzen in den Beinen oder in der Hüfte im Bereich des Iliosakralgelenkes können durch mehrere Ursachen auftreten. Es können Einklemmungen vorkommen, die Durchblutung und /oder Ernährung kann gestört sein oder eine verringerte Gleitfähigkeit durch verklebte Nervenhüllstrukturen vorliegen. Mit speziellen Mobilisations- und Dehnungstechniken kann Einfluss auf die Schmerzen, welche durch den sogenannten Ischias oder auch Ischiasnerv kommen, genommen werden.

  • Dehnung des Ischias: Patient sitzt mit Fuß- Bodenkontakt auf einem Stuhl oder an der Behandlungsbank. Das Bein der betroffenen Seite wird zur Nervendehnung im Kniegelenk gestreckt, während der Kopf gebeugt, das heißt, Richtung Brust eingerollt wird.
  • Mobilisation des Ischias: Zur Nervenmobilisation wird das Knie angebeugt und der Kopf eingerollt und dann das Knie gestreckt während der Kopf in den Nacken zurück geht. Wechsel der beiden Positionen.

Weitere Dehnübungen finden sie unter dem Link.

Übungen: LWS

  • Beckenkippung: Die Bewegung des Beckens führt zur leichten Mobilisation und damit zur Entlastung der Lendenwirbelsäule (LWS). In der Rückenlage werden die Beine nacheinander im 90 Grad Winkel aufgestellt. Nun findet ein Wechsel zweier Positionen statt. Einmal wird der Bauch angespannt, Bauchnabel zur Wirbelsäule gezogen, damit kommt die Lendenwirbelsäule (LWS) auf der Unterlage zum Liegen, das Becken richtet sich auf, kippt nach hinten. Dann wird ein leichtes Hohlkreuz gemacht, Bauch wird lang gemacht Becken kippt nach vorne. Eine andere Variante ist diese Übung in der Seitenlage. Beispielsweise wenn eine Seite entlastet werden muss.
  • Grundspannung und Variationen: Rumpfspannung im Allgemeinen dient der Aktivierung der wirbelsäulenstabilisierenden Muskulatur. Ausgangslage ist die Rückenlage. Beine im 90 Grad Winkel aufgestellt und Arme neben den Körper abgelegt mit den Handinnenflächen nach oben zur Decke.
  • Variante/Übung 1: Auftrag: Füße anziehen und in die Unterlage drücken, Gesäß anspannen, Lendenwirbelsäule (LWS) in die Unterlage drücken, Kopf bleibt liegen, Kinn allerdings Richtung Brust, Arme in die Unterlage drücke. Die Spannung soll ca. 10 Sekunden gehalten werden dann rückläufig der Reihenfolge des Anspannens lösen. Also wird mit dem Lösen der Hände begonnen.
  • Variante/Übung 2: Ein Bein wird abgehoben, dann die Anspannung erfolgen lassen.
  • Variante/Übung 3 Eine Hand kommt auf dem gegenüberliegenden Knie zum Liegen, dann Spannung aufbauen.

Weitere Übungen für die LWS finden sie unter Physiotherapie bei Rückenschmerzen und Vibrationstraining.

Übungen: HWS

  • Lockerung der kleinen Nackenmuskel:
    Rückenlage, Beine aufgestellt. Tennisball wird unter dem Kopf an der Übergangsstelle Schädel und Halswirbelsäule (HWS) platziert.
  • Variante/Übung 1:Ganz kleine Nickbewegungen auf dem Tennisball machen.
  • Variante/Übung 2: Nasenspitze vollführt ganz kleine Bewegungen von rechts nach links und zurück während Kopf auf dem Tennisball ruht.
  • Dehnung der kleinen Nackenmuskeln:
    Sitz mit Stuhllehne, Füße haben Bodenkontakt.
  • Variante/Übung 1: Kopf wird nach vorne gebeugt und das Kinn vollführt minimalistische Bewegungen nach rechts und links. Es sollte ein Dehngefühl oben am Schädelübergang zu spüren sein.
  • Variante/Übung 2. Kopf wird so weit es geht nach rechts gedreht, ohne eine Neigung zu machen. Dann am Bewegungsende kleine Nickbewegungen. Das Gleiche auf der anderen Seite.

Weitere Übungen für die HWS finden Sie unter Krankengymnastik Übungen HWS

Übungen: BWS

  • Für die Mobilisation der Brustwirbelsäule (BWS):
    Mattenübung 1.
    Der Patient kniet sich im Vierfüßler Stand auf eine Matte. Den rechten Arm mit der Hand unter dem Körper, auf die linke Seite, Richtung Knie schieben, so dass man mit der rechten Schulter Richtung Boden kommt, bzw. auf dem Boden zu liegen kommt. Dann wieder zur Ausgangslage zurück. Das Gleiche mit dem linken Arm.
  • Mattenübung 2. Patient liegt in Rückenlage auf der Matte. Die aufgestellten Beine werden auf eine Seite abgelegt. Der gestreckte Arm wird auf der Seite, in der die Beine nicht abgelegt sind, diagonal nach oben geführt. Der andere Arm bleibt gestreckt am Körper. Der ganze Brustkorb folgt jetzt der Bewegung und der Drehung. Schultern sollten auf dem Boden liegen bleiben.
  • Übung auf dem Stuhl: Der Patient sitzt aufrecht mit Bodenkontakt auf einem Stuhl. Hände seitlich an die Ohren, so dass die Arme seitlich auf der Höhe der Schultern sind. Dann dreht man sich so weit es geht zu einer Seite. Dann am Bewegungsende zu der Seite neigen, in die man sich auch gedreht hat. Wieder aus der Neigung lösen, dabei die Drehung beibehalten. Jetzt sollte man sich ein Stück weiter drehen können. Drei Mal wiederholen. Dabei die Luft nicht anhalten. Das Gleiche auf der anderen Seite.
  • Im Stand 1.Der Patient steht aufrecht und hüftbreit. Die Arme werden seitlich auf Schulterhöhe nach rechts und links gestreckt. Dann kleine Bewegungen aus dem oberen Teil der Wirbelsäule nach rechts und links holen, so dass die Arme horizontal leicht nach links und rechts wandern.
  • Im Stand 2. Patient steht aufrecht und hüftbreit. Abwechselnd werden die Hände nach oben rechts und links geschoben. Wie beim Äpfel pflücken. Dann nach rechts und links, als ob man im Supermarkt ein einer Regalreihe steht, und rechts und links etwas herausholen möchte. Oben/ unten und rechts/links mehrmals im Wechsel durchführen.

Die Artikel:

beschreiben weitere Übungen aus der Krankengymnastik zur Stabilisierung.