Retropatellararthrose

Bei einer Retropatellararthrose handelt es sich um einen durch degenerative Prozesse verursachten Verschleiß des Knorpels im Gebiet des Patellarfemoralgelenkes. Dieses setzt sich aus der Hinterseite der Kniescheibe und der vorderen Seite des untersten Endes des Oberschenkels zusammen. Die Kontaktstellen dieser beiden Knochenanteile, liegen durch Knorpelflächen einander auf.



Physiotherapie und Übungen

In der Behandlung bei der Retropatellararthrose kann Physiotherapie effektiv in der konservativen Therapie angewendet werden. Diese setzt sich aus mehreren Maßnahmen zusammen, die verordnet werden können. Durch Massagen, kann die verspannte Muskulatur am Retropatellargelenk wieder gelockert werden. Dadurch wird die Muskulatur wieder besser durchblutet. Unterstützt kann die Physiotherapie durch Bandagen und Taping werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Manuelle Lymphdrainage, die auf die Entzündung im Gelenk wirkt. Sie fördert die Wundheilung und regt das Lymphsystem an, vermehrt die Schwellung am Gelenk abzutransportieren.

Mithilfe des Tapings, gewinnt das Retropatellargelenk an Stabilität. Jedenfalls können Kinesiotapes die Durchblutung fördern und eine entstauende Wirkung bewirken. Zwar kann die Wirkung des Tapings aus mangelnder Wissenschaft nicht bestätigt werden, berichten viele Sportler jedoch ein sicheres Gefühl am Gelenk durch das Anlegen des Tapes. Das Anlegen sollte durch geschultes Personal erfolgen.

Die Manuelle Therapie kann in der Physiotherapie ebenfalls angewandt werden. So wird das Gelenk bewegt und die Produktion von Gelenkflüssigkeit wird angeregt, die bei allen Arten von Arthrose verringert ist. Durch den mechanischen Reiz, entsteht auch hierbei eine schmerzlindernde Wirkung und auch die Durchblutung wird angeregt. Diese physikalischen Maßnahmen eignen sich nicht nur zur konservativen Therapie, sondern können auch vor und nach einer Operation erfolgen. Jedenfalls sollte die Muskulatur durch Übungen gekräftigt werden, damit diese leistungsfähig bleibt. Durch Schmerzen und Bewegungseinschränkung kann der Muskel atrophieren d. h. sich verkleinern. Gerade wenn die Retropatellararthrose durch eine Instabilität der Kniescheibe entstanden ist, sollte der Muskulus Quadrizeps femoris trainiert werden, um dem Gelenk eine Stabilität zu geben.
Führen Sie die Übungen 15-20 mal durch für 3-5 Serien. Hierbei wird sich auf den Muskulus Quatriceps femoris konzentriert, der für die Streckung des Kniegelenkes verantwortlich ist. Dieser zentriert auch die Kniescheibe im Gelenk. Der Muskel verläuft vom Becken, an der vorderen Seite des Oberschenkels entlang, geht über ein Band an der Kniescheibe vorbei und setzt am Unterschenkel unterhalb der Kniescheibe an. Dieser besteht aus vier Köpfen, die bei der Kniebewegung immer zusammen genutzt werden. Für die Übungen brauchen Sie nur eine Matte oder legen sich auf ihr Bett.

Die kräftigenden Übungen werden in der Rückenlage durchgeführt. Beine und Arme liegen ausgestreckt auf dem Boden:

1) Strecken Sie zuerst ein Bein nach oben aus und gehen soweit es ihnen möglich ist. Die Fußspitzen zeigen nach oben zur Decke. Gehen Sie langsam wieder mit ihrem ausgestreckten Bein nach unten, legen dieses allerdings nicht ab, sondern strecken es wieder nach oben aus. Wiederholen Sie die Übung und wechseln das Bein.

2) Für die nächste Übung drehen Sie ihr rechtes Bein nach rechts und strecken es nach oben aus. Die Fußspitzen zeigen nach rechts und Sie gehen wieder soweit es ihnen möglich ist. Beim Herablassen des Beines, legen Sie dieses wieder nicht ab, sondern strecken es wieder nach oben aus. Durch die Rechtsdrehung des Beines, wird der innere Kopf des Kniestreckers vermehrt beansprucht. Dennoch wird auch hierbei wieder der ganze Muskel trainiert.

3) Wiederholen Sie die Übung und drehen das rechte Bein allerdings in diesem Fall nach links. Auch diese Übung wird mit beiden Beinen ausgeführt.

4) Zur Steigerung kann ein Theraband hinzugezogen werden. Dieses wird kurz unterhalb des Knies befestigt. Legen Sie beide Beine zusammen und binden das Theraband herum. Die drei Übungen werden wieder mit dem Theraband ausgeführt.

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Symptome

Ein Schmerz im Bereich des vorderen Kniegelenkes, der sich hinter der Kniescheibe befindet, ist das Leitsymptom der Retropatellararthrose. Diese treten bei Aktivitäten auf, in denen es zur großen Beanspruchung des Kniegelenkes kommt. Gerade bei der Kniebeugung ist dies gegeben. So tauchen die Schmerzen oft beim Aufstehen nach dem Sitzen auf. Der Fersensitz kann je nach Schweregrad nicht mehr ausgeführt werden und das Treppensteigen kann jedenfalls die Symptome auslösen. Auch kann die Person nicht mehr in die Knie gehen. So kann in schwerwiegenden Fällen auch das Gehen erschwert werden. Neben den Schmerzen, kann sich auch die Beweglichkeit des Kniegelenkes verringern. Es kann zu einem Steifheitsgefühl im Gelenk kommen und ein knackendes Geräusch kann begleitend auftreten.
Durch die Schädigung des Knorpels, kommt es zu einer Entzündungsreaktion und das Retropatellargelenk kann anschwellen und eine Überwärmung kann spürbar werden. Sportliche Tätigkeiten wie das Joggen, können durch die Stoßkräfte nicht mehr ausgeführt werden. Die am Knie angesetzte Muskulatur verspannt und fördert die Schmerzsymptomatik. So kann es zu einem veränderten Gangbild der Person kommen, der zur Schonung der betroffenen Seite dient. Folglich kann durch die vermehrte Nutzung der anderen Seite, auch dortig Schmerzen auftreten. Zwar findet sich die Retropatellararthrose in einigen Fällen an beiden Kniegelenken vor, muss aber nicht immer gegeben sein. So haben Betroffene häufig Bedenken, dass an der auch bisher gesunden Seite eine Arthrose vorliegt. Begleitend durch das veränderte Gangbild können auch Rückenschmerzen hinzukommen.
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Ursachen

Durch starke Beanspruchung des Patellarfemoralgelenkes, kommt es zu einer über längere Zeit andauernden, Abnutzung der Knorpelflächen am Gelenk. Gründe für eine erhöhte Belastung, die sich auf das Gebiet des Patellarfemoralgelenkes bezieht, können durch Fehlstellungen oder Instabilität der Kniescheibe entstehen, sowie belastenden Aktivitäten auf das Knie. Durch gezielten Druck von Außen auf das Patellarfemoralgelenk, wird der Druck nicht mehr gleichmäßig auf der Knorpelfläche verteilt. Mit der Zeit und bei chronischer Überlastung des Knorpels, kommt es zu einem Knorpelschaden in diesem Gebiet. Fehlstellungen der Kniescheibe können durch mangelnde Stabilität des Bandapparates bedingt sein. Aber auch eine Schwäche des vorderen Oberschenkelmuskels, der Muskulus Quadrizeps femoris genannt wird, kann zu diesem Krankheitsbild führen. Der Muskulus Quadrizeps femoris hat die Aufgabe, die Kniescheibe im Gelenk zu zentrieren. Wenn zu den genannten Ursachen noch für das Knie belastende Arbeiten wie Kniebeugen oder Treppen laufen hinzukommen, kann der Druck auf dem Knorpel des Patellarfemoralgelenkes verstärkt werden.
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Diagnose

In der Anamnese wird sich ein Gesamtüberblick verschafft. So können schon erste Rückschlüsse gezogen werden, da es immer für das Krankheitsbild typische Symptome gibt. Jedenfalls wird das Gelenk abgetastet, um nach Entzündungszeichen zu schauen. Bildgebende Verfahren wie das Röntgen können eine die aufschlussreiche Diagnose geben. Hierbei sind der Knorpelschaden am Retropatellargelenk und die dadurch bedingten Veränderungen gut ersichtlich.

Behandlung

Indem es zur Entzündung im Retropatellargelenk kommt, können zur konservativen Therapie entzündungshemmende Medikamente verabreicht werden. Zusätzlich kann zur Schmerzlinderung auch Physiotherapie verordnet werden. Hilfsmittel wie Taping oder Bandagen können dem Retropatellargelenk, eine Stabilität bei Bewegung geben. Neben der konservativen Behandlung, kann eine Operation durchgeführt werden. Es gibt unterschiedliche Verfahren, deren Auswahl sich vorwiegend auf die Ursache der Retropatellararthrose richtet. Findet sich eine Fehlstellung der Kniescheibe vor, wird diese durch eine Gelenkosteotomie wieder operativ gerichtet.
Durch eine Arthroskopie können die Knorpelflächen des Retropatellargelenkes wieder geglättet werden, da Stücke des geschädigten Knorpels im Gelenk zusätzlich die Schmerzsituation beeinflussen können. Zudem kann durch eine Arthroskopie sich das Gelenk von Innen angeschaut werden und so Aufschluß über das nächste Vorgehen gemacht werden. Auch kann eine Knorpeltransplantation zu einer Verbesserung der Schmerzen führen. So werden körpereigene Knorpelzellen an einem anderen Gelenk entnommen und in das geschädigte Gebiet eingefügt. Hierdurch kann das eingefügte Gewebe sich in den umliegenden Knorpel einwachsen und so den Defekt ausgleichen. In schwerwiegenden Fällen, kann als letzte Lösung eine Knieprothese eingesetzt werden, bei der auch nur das Patellarfemoralgelenk ausgetauscht werden kann.
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Bandagen

Durch das Anlegen von Bandagen kann dem Knie von außen hin, ein Schutz gegeben werden und das Knie wird stabilisiert. Besonders indiziert sind Bandagen bei körperlichen Arbeiten oder sportlicher Aktivität. Gerade in Fällen von Fehlstellungen bzw. Instabilität der Kniescheibe am Oberschenkel, kann die Bandage die Kniescheibe vor dem Abweichen schützen.
Alternativ können Sie sich auch informieren über: Kinesiotape

Wann brauche Ich eine Operation?

In der Regel werden zuerst die konservativen Methoden ausgeschöpft, bevor ein operativer Eingriff erfolgt. Ist die Knorpelschädigung stark ausgeprägt, wird eine Operation schneller in Erwägung gezogen. Jedoch ist eine Operation immer mit Risiken verbunden. Es kommt zu einer neuen Verletzung des Gewebes und eine neue Wundheilung beginnt. So kommen Schmerzen und Schwellung hinzu, die am Anfang nicht zur Verbesserung der Beschwerden führt. Auch sind Komplikationen als Risiko in einer Operation gegeben.
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Grad der Behinderung

Der Grad der Behinderung (GdB) kann vom Versorgungsamt festgelegt werden. So werden sich die Beeinträchtigungen aus allen Bereichen des Lebens angeschaut. Der Begriff ist im Sozialgesetzbuch IX aufgelistet und rechtlich festgelegt. Die Beeinträchtigung der Person in allen Lebensbereichen wird anhand eines Punktesystems bewertet. Um so höher der Wert, desto höher ist die Beeinträchtigung der Person in diesem Bereich. Da die Retropatellararthrose zu den chronischen Erkrankungen mit Schmerzsymptomatik gehört, sind auch hierbei Einschränkungen der Person zu erwarten und können vom Ausführen des Berufes, bis hin zur Mobilität reichen. In diesem Fall kann ein Antrag auf Anerkennung der hieraus resultierenden Beeinträchtigung gestellt werden.

Kann ich mit einer Retropatellararthrose Joggen gehen?

Laufende Sportarten sind häufig durch die schmerzende Symptomatik nur noch schwer ausführbar oder nicht mehr möglich. Beim Joggen wirken große Stoß- und Bremskräfte, die eine große Arbeit vom Knie und gerade vom Retropatellargelenk abverlangen. Die Kniescheibe ist dafür zuständig, diese Kräfte weiterzuleiten. Dafür muss die Lage der Kniescheibe optimal sein. Beim Joggen wirkt eine hohe Belastung auf dem Gelenk. Daher ist diese Sportart nicht ideal für das Krankheitsbild. Jedoch gibt es keine Regel und es kann immer abgewogen werden. Je nach Schweregrad der Erkrankung, kann auch der Laufsport abgewandelt werden. Achten Sie auf geeignetes Schuhwerk zum Laufen und vermeiden Sie harten Boden wie in der Halle. Förderlicher hierbei ist weicherer Boden wie in einem Park. Statt zu Sprinten, könnten Sie auch mit Stöcken Walken. Dies ist viel entlastender für das Retropatellargelenk. Beim Laufen können Bandagen unterstützend wirken. Bei zu starken Schmerzen, sollte der Laufsport allerdings weggelassen werden und gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen können in Erwägung gezogen werden.
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Dauer der Erkrankung

Die Dauer einer Retropatellararthrose lässt sich schwer beurteilen. Immer noch gilt die Arthrose als nicht heilbar und findet sich unter den chronischen Erkrankungen wieder. Bei einer geringen Ausprägung, die durch einen operativen Eingriff gut behandelbar ist, kann es zu einer vollständigen Wiederherstellung der Kniefunktion und Beendigung der Behandlung kommen. Jedoch schreitet die Erkrankung in vielen Fällen auch weiter fort und fordert nach einiger Zeit eine Operation. So richtet sich die Dauer, nach dem Zeitraum der Behandlung.
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