Knie­­scheiben­­schmerzen

Kniescheibenschmerzen, auch Chondropathia patellae genannt, sind häufig die Folge von Überbelastung, Fehlbelastung oder durch eine schlechte Gegebenheit der Muskeln, Sehnen und Bänder. In den meisten Fällen ist die Oberschenkelvorderseite (M. Quadrizeps) in einer muskulären Dysbalance zum Gegenspieler, der Oberschenkelrückseite (Ischiocrurale Muskulatur). Dabei kommt es zu einem vermehrten Anpressdruck der Kniescheibe ins Gelenk und einem Abrieb des Knorpels, welcher unter der Kniescheibe liegt. Besonders bei langer Belastung enstehen dadurch Kniescheibenschmerzen. In Verbindung mit Abweichungen im Kniegelenk werden die Kniescheibenschmerzen zusätzlich beeinflusst. 



Vorgehensweise in der Physiotherapie

In der Physiotherapie bei Kniescheibenschmerzen ist es vor allem wichtig die genaue Ursache zu finden. Dabei achtet der Physiotherapeut auf die allgemeine Statik beim Stehen und beim Gehen, um eine Muskeldysbalance und Fehlmuster zu erkennen und diese im weiteren Verlauf aufzutrainieren. Durch eine genaue Untersuchung und Palpation des Knies der umliegenden Strukturen zeigt sich eventuell eine Schwellung im Bereich der Kniescheibe, Schmerzpunkte oder Triggerpunkte im Bereich der Muskulatur, v.a. im M. Quadriceps femoris, da er über die Patellasehne am Schienbein ansetzt und somit direkten Kontakt zur Kniescheibe hat. Auch die Seitenbänder oder das Retinaculum (Halteband der Kniescheibe), welches über die gesamte Knieschiebe zieht können Schmerzpunkte aufweisen.

Der Artikel Patellaspitzensyndrom könnte Sie diesbezüglich auch interessieren.

In der akuten Schmerzphase ist die Entlastung des Knies vorrangig. Das geschieht in der Therapie durch eine Eisbehandlung zusammen mit schonender Traktion fürs Kniegelenk und eine leichte Kniescheibenmobilisation. Diese Techniken zusammen mit dem Eis regen den Stoffwechsel an und es kommt zu einem Abbau der schädlichen Substanzen. Je nach Ausmaß der vorhandenen Schwellung kann eine Lymphdrainage durchgeführt werden. Zudem wird der Patient angeleitet zu Hause das Bein ruhig zu lagern und mit Kältepackungen die Schwellung und Schmerzen einzudämpfen.

Sobald die akute Schwellung und der Schmerz nachlässt, kümmert sich der Physiotherapeut um die Knie umgebenden Strukturen. Der M. Quadriceps femoris zeigt vermutlich Triggerpunkte oder einen Hypertonus, welche der Therapeut mit bestimmter Triggerpunkttechnik oder Querdehnung des Oberschenkelmuskels verbessert. Schmerzpunkte in den Seitenbändern oder Patellasehne, welche aufgrund von Überbelastung entstanden sind, werden mit einer Querfriktion (als Ergänzung auch mit Eis) behandelt. Dabei wird der Finger quer zur Struktur angesetzt und gezogen, wodurch die Durchblutung und der Stoffwechsel angeregt wird. Um die Auflage der Kniescheibe zu verbessern wird die Kniescheibe in die Richtung mobilisiert, die nicht gut funktioniert, da dort wahrscheinlich eine zu große Spannung vorliegt.

Sobald die Schmerzen komplett weg sind, ist es wichtig bei Kniescheibenschmerzen die entsprechende Muskulatur zu kräftigen und zu dehnen. Ein spezielles Konditonstraining (Kraft, Ausdauer, Koordination und Beweglichkeit) sorgt für eine bessere Stabilität des Kniegelenks.

Übungen bei Kniescheibenschmerzen

Koordinationsübungen

Einbeinstand einüben (wichtig: Knie leicht gebeugt halten)

  • mit dem anderen Bein in sämtliche Richtungen bewegen (8en schreiben)
  • Therapeut gibt Widerstände an Becken, Knie oder Fuß
  • Ball zu werfen, damit die Konzentration nicht mehr auf dem Knie liegt

Laufen auf einer Matte, Trampolin, Wackelbrett

  • normales Gehen um sich an den Untergrund zu gewöhnen
  • aus dem Gehen auf Kommando stehen bleiben und Position halten
  • schnelleres Laufen (Steigerung → aus der Bewegung heraus stehen bleiben)
  • Einbeinstand einüben (Steigerung s.o.)

Sportartspezifische Übungen:

  • Sprung auf Trampolin oder Matte und auf einem Bein landen → Position halten
  • Sprint auf einer großen Matte
  • Ausfallschritte auf Airex- oder großen Matte
  • sämtliche Variationen oder Steigerungen möglich (Übergeben von Bällen unter dem Bein, länger in der Position verharren, Ball zu werfen, Übungen für die Arme verbinden..etc.)

Weitere Übungen finden Sie in dem Artikel Übungen bei bestehendem Läuferknie

Kräftigungsübungen

Bei allen Übungen gilt, wie generell beim Krafttraining eine ordentliche Ausführung, d.h. 

  • Knie niemals über die Fußspitzen rausschieben 
  • Gesäß nach hinten rausschieben bei einer Kniebeuge, Oberkörper bleibt gerade 
  • Bauch und Rückenspannung wird gehalten

M. Quadriceps femoris:

  • Rückenlage oder Sitz: Kniekehle des gestreckten Beins durchdrücken, sodass der M. Quadriceps anspannt (Steigerung: gestrecktes Bein in durchgedrückter Position anheben)

M. Quadriceps femoris:

  • Kniebeuge (Variationen: in der gebeugten Position verharren oder einfach nur der Wandsitzen, breite oder enge Grätsche oder auch seitliche Kniebeuge)

M. Quadriceps femoris:

  • Ausfallschritte

Weitere Übungen sind in dem Artikel "Übungen gegen Knieschmerzen" aufgelistet.

 

 

Ischiocruale Muskulatur:

  • s.o. Kniebeuge und Ausfallschritte
  • 4-Füßler-Stand: Bein gebeugt oder gestreckt nach oben strecken

Ischiocruale Muskulatur:

  • Bridging (Rückenlage, Füße aufgestellt, Becken anheben)

Ischiocruale Muskulatur:

  • Variation: Beine im Wechsle anheben, Becken hoch und runterdrücken, mit gestrecktem Bein Zahlen schreiben

Weitere Kräftigungsübungen finden Sie in dem Artikel Retropatellararthrose

Übungen an Geräten im Fitnessstudio

  • Beinpresse
  • Beinstrecker
  • Beinbeuger

Weitere Übungen für dem M. Quadriceps entnehmen Sie bitte dem Artikel "Krankengymnastik am Gerät"

Dehnübungen

Vor allem der M. Quadriceps femoris ist verhäuft bei Kniescheibenproblemen verkürzt, dieser zieht über die Kniescheibe und endet in der Patellasehne an der Tuberositas Tibia der Tibia. Eine weitere effektive Methode ist das Faszientraining. Dabei werden die verklebten Faszien vom Muskel ausgestrichen. Lesen Sie mehr dazu in dem Artikel Faszientraining.

M. Quadriceps femoris:

  • Stand; Fuß an das Gesäß ziehen

Ischiocruale Muskulatur:

  • Gestrecktes Bein so weit es geht nach oben strecken und gestreckte Bein zum Körper anziehen
  • Langsitz: mit den Händen die Ziehen berühren die Knie gestreckt lassen
  • Stand: mit den Händen den Fußboden berühren die Knie gestreckt lassen

Weitere Dehnübungen entnehmen Sie bitte dem Artikel Dehnübungen

Weitere Therapeutische Verfahren

Neben der reinen physiotherapeutischen Behandlung bei Patienten mit Kniescheibenschmerzen bieten sich Zusatztechniken an, wie Eisbehandlung, Elektrotherapie, Ultraschall vor allem an den umliegenden Strukturen (Bänder, Sehnen), um die Reizung und Schmerzen zu lindern. Ebenso kann ein angelegtes Tape die Stabilität unterstützen. In der akuten Phase werden entzündungshemmende Schmerzmittel verschrieben. Liegt die Kniescheibe nicht ordentlich auf der Tibia und Femur auf und es zu einem vermehrten Abrieb kommt, wir unter Umständen eine operative Lösung des äußeren Retinakulums am Knie durchgeführt, damit die Kniescheibe wieder an der richtigen Position sitzt. Die wird Ihr behandelnder Arzt mit Ihnen zum gegeben Zeitpunkt besprechen.

Lesen hierzu die Artikel "Retropatellararthrose" und "Physiotherapie bei einer Patellaluxation".

Mögliche Ursachen für Kniescheibenschmerzen

Eine genaue Ursache für die Kniescheibenschmerzen gibt es nicht, da unterschiedliche Einwirkungen einen negativen Einfluss auf die Kniescheibe haben können. Leistungssportler oder Personen, die viel in der Kniebeuge arbeiten müssen (Fliesenleger) sind besonders häufig betroffen, da es zu einer Reizung des Kniescheibenknorpels kommen kann. Besonders wenn aufgrund einer schlechten Statik die Patella nicht richtig zwischen den Kondyllen (Rollhügeln) des Oberschenkels aufliegt. Häufig hat diese dann eine Tendenz zur Seite auszuweichen (Luxation/Lateralisation). Aufgrund dieser Dauerreizung verliert der Knorpel die Schutzfunktion und es kommt schneller zum Abrieb der Knochen (Kniearthrose). Es entstehen Schmerzen unter der Kniescheibe, Knirschgeräusche bei Bewegung und es kann sich eine Schwellung entwickeln. Die Schmerzen nehmen beim Treppen auf und abgehen sowie bei langen Sitzen mit gebeugten Beinen zu.

Bei Kniescheibenschmerzen kann nicht nur die Reizung des Gelenkknorpels die Beschwerden auslösen sondern auch eine Überlastung der umliegenden Strukturen (Bänder, Muskulatur, Sehnen). Dieser Schmerz kann leicht durch Palpation (Ertasten-Druck) ausgelöst werden um die betroffene Struktur zu differenzieren. Eine weitere Ursache können Muskeldysbalancen sein, wodurch entweder das Kniegelenk falsch oder zu viel belastet wird oder die Kniescheibe vermehrt in eine Richtung gezogen wird. Sind die Schmerzen unterhalb der Kniescheiben an der Patellasehne spricht man nicht von Kniescheibenschmerzen (Chondropathia patellae), sondern vom Patellaspitzensyndrom (Jumpers knee). Die Gefahr von Kniescheibenschmerzen ist die Entstehung einer Kniegelenksarthrose. Informationen dazu finden Sie in dem Artikel Krankengymnastik bei Kniearthrose.

Finden Sie die Ursache für ihre Knieschmerzen ganz einfach mit einer "Laufbandanalyse".

Zusammenfassung

Die genaue Ursache für Kniescheibenschmerzen gibt es nicht, es wird aber eine Überbelastung oder falsche Belastung bei vor allem Leistungssportlern oder Personen, die viel im Knien arbeiten müssen vermutet. Dabei kommt es zu einem vermehrten Abrieb des Knorpels, was im weiteren Verlauf zur Kniearthrose führen kann. Um die Beschwerden zu verringern wird in der Physiotherapie die Kniescheibe mobilisiert, um eine bessere Auflage zu bekommen, umliegende Strukturen (Bänder, Sehnen, Muskulatur) mit Triggerpunkttechnik, Querfriktion oder zusätzliche Behandlungsmethoden, wie Eisbehandlung, Ultraschall, Elektrotherapie behandelt. Wichtig ist die vorhandenen Muskeldysbalance aufzutrainieren, was vor allem die vordere und hintere Muskelkette betrifft und ebenso eine verringerte Dehnfähigkeit durch eigenständige Dehnübungen zu verbessern. Zusätzlich sollte ein intensives Konditionstraining durchgeführt werden um die Reaktionsfähigkeit der Knie umfassenden Muskulatur und Bändern zu verbessern und somit die Stabilität zu gewährleisten.