Rotatorenmanschette gerissen

Da das Acromion recht klein ist, hat der Oberarm nur eine kleine Fläche in der er gehalten wird. Damit das Schultergelenk mehr Stabilität bekommt hilft die Rotatorenmanschette, bestehend aus M. teres minor, M. supraspinatus, M. infraspinatus, M. subscapularis und fixiert den Oberarmkopf in der Pfanne. Die Supraspinatussehne ist die Sehne, welche am häufigsten reißt entweder durch degenerative Veränderung oder durch ein akutes Trauma.



Therapie bei einem Rotatorenmanschettenriss

Entscheidend für die Therapie sind die Sehne und das Ausmaß des Einriss. Ebenso ist es wichtig mögliche Begleitverletzungen zu klären, falls die Sehne durch ein Unfall gerissen ist. Der Arzt beurteilt die Bewegungsfähigkeit des Arms und die Schmerzen im Alltag.

  • Liegen nur minimal Bewegungseinschränkungen vor und der Riss ist inkomplett, verordnet der Arzt meist eine konservative Therapie. Mit Hilfe von Krankengymnastik soll vorsichtig die Bewegung beübt werden und eine Kräftigung für das gesamte Schultergelenk erfolgen.
  • Kann der Patient sein Arm kaum noch heben (maximal bis 90°) und hat starke Schmerzen muss eine operative Refixation erfolgen. Die Operation erfolgt über eine Arthroskopie durchgeführt. Entweder wird die Naht mit einem Anker fixiert oder direkt genäht, falls die Fasern der abgerissenen Enden die Naht direkt zulassen.

Nach einer Operation wird der Arm meist für 6 Wochen in einem Abduktionkissen gelagert und darf in der Zeit nur bis 90° bewegt werden.

Die häufigste Sehne, die reißt, ist die Supraspinatussehne. Da die Sehne unter dem Acromion herläuft wird sie bei einer Einengung des Schultergelenks durch einen entzündeten Schleimbeutel, Kalkablagerungen oder ähnliche einengende Faktoren ständig gereizt und fasert auseinander. Meist werden Schmerzen und beginnende Bewegungseinschränkungen frühzeitig erkannt und kann es durch Physiotherapie eine Verschlimmerung vermieden werden.

  • In der Physiotherapie wird durch schonende Mobilisation im schmerzfreien Bereich die Durchblutung im Schultergelenk angeregt, sodass die Entzündung oder Ablagerungen im Laufe der Therapie abtransportiert werden und die Bewegung verbessert wird.
  • Ebenso wird durch Traktionsbehandlung der Gelenkspalt vergrößert, was auch die Durchblutung anregt.
  • Schmerzen im Verlauf der Muskulatur werden durch Weichteiltechniken, Querfriktionen, Massagen oder Dehnungen entsprechend der Beschwerden behandelt.

Lesen Sie mehr über die Therapie in dem Artikel: "Physiotherapie bei einer Rotatorenmanschettenruptur"​​​​​​​

Therapiedauer

Die Dauer der Therapie hängt von dem Ausmaß der Verletzung und der Versorgung ab. Nach einer arthroskopischen Refixation wird der Arm für 6 Wochen in einem Abduktionskissen gelagert und darf nur bis 90° mobilisiert werden. Dementsprechend dauert die Therapie mindestens 3 Monate, um ein komplettes Bewegungsausmaß und Beschwerdefreiheit zu erreichen.

Bei einer konservativen Therapie hängt die Dauer vom Heilungsverlauf ab. Die Erfolgschancen sind bei einer angerissenen Sehne sehr gut und können durch verschiedene Techniken in der Physiotherapie positiv unterstützt werden. Allerdings heilt die Sehne bei jedem Patienten unterschiedlich schnell, sodass die Dauer der Therapie nicht pauschal genannt werden kann.

Dauer der Heilung

Wie lange die Heilung einer Rotatorenmanschettenruptur dauert hängt von der Wundheilung Versorgung, Behandlung und Konsequenz des Patienten ab. Stellt der Arzt eine große Ruptur der Sehne fest wird diese operativ fixiert und der Patient muss sich konsequent an den Behandlungsplan des Arztes richten.

In den ersten 6 Wochen ist meist das Tragen eines Abduktionskissen notwendig und die Bewegung darf nur mit Hilfe eines Therapeuten erfolgen. Bewegt der Patient zu früh und alleine kann es zu einer Reruptur oder einer verzögerten Wundheilung kommen.

Bei jungen, gesunden Patienten wird eine normale, schnell verlaufende Wundheilung angenommen, sodass nach Stadium der Wundheilung behandelt werden darf.

  • Ab der Proliferationsphase (ab 5. Tag) werden die Kollagenfasern zu etwas Stärkeren umgebaut und spätestens ab der Konsolidierungsphase (ab 21. Tag) werden diese immer fester.

Daher sollte in den ersten Wochen strikt drauf geachtet werden nicht zu viel zu belasten, da das Gewebe nicht stark genug ist. Bei einer konservativen Behandlungsmethode ist es wichtig, dass der Patient die Belastungen für den Arm im Alltag ebenfalls reduziert, sodass die krankengymnastische Intervention Erfolge erzielen kann. Wichtig ist im schmerzfreien Bereich zu bewegen und mögliche gereizte Sehnen zu behandeln. Ebenso sollte der gesamte Scapula-Thorakale Übergang beachtet werden, da eine eingeschränkte Schulterblattbewegung die physiologische Bewegung der Schulter hemmt. Ein entsprechendes Übungsprogramm wird erstellt, in dem der Patient die entsprechende schwache Muskulatur trainieren kann.

Wie lange am Ende die komplette Heilung dauert lässt sich nicht pauschal sagen. Die komplette Belastungsfähigkeit ist aber frühestens nach einem halben Jahr angesetzt.

Die richtige Belastung

Das Schultergelenk setzt sich aus der Pfanne (Acromion), Schulterblatt, Schlüsselbein und Oberarm zusammen. Alle Gelenkpartner sind für die Bewegung des Arms zuständig und jeder einzelne Gelenkpartner kann bei einer Störung eine Bewegungseinschränkung oder Schmerzen auslösen. Je nachdem, ob eine operative Maßnahme oder eine konservative Behandlung erfolgt ist, richtet sich die Belastbarkeit.

  • Bei einer konservativen Behandlung werden neben Krankengymnastik, Kortisonspritzen gegeben um die Entzündung und die Schmerzen zu reduzieren. Die Behandlung zieht sich über mehrere Wochen und sollte vor allem eine Verbesserung der Bewegung und eine Linderung der Schmerzen bewirken. Da allerdings keine Bandage oder Schienenversorgung erfolgt, ist eine durchgehenden Belastung stetig vorhanden, weswegen der Therapieerfolg minimiert wird. Zu Beginn der Therapie wird passiv als auch aktiv die Schulter mobilisiert. Wenn dies annähernd schmerzfrei funktioniert, kann mit kleinen Gewichten gearbeitet werden. Mit zunehmender Kraft und Beweglichkeit wird der Bewegunbgsumfang und das Trainingsgewicht angepasst und progressiv gesteigert.
     
  • Nach einer operativen Versorgung bekommt der Patient ein Abduktionskissen, was eine Adduktion und eine weitere Bewegung über die Einstellung des Kissens verbietet. Die Bewegung darf nur mit Hilfe eines Physiotherapeuten erfolgen, da der Patient sofort eine Muskelanspannung hätte. Zu Beginn sind nur rein passive Maßnahmen erlaubt. Die Lagerung in dem Abduktionskissen dauert ca. 6 Wochen und der Operateur erstellt individuell einen Behandlungsverlauf, der auf die Verletzung zugeschnitten ist. An diesen Plan sollte sich der Therapeut aber auch der Patient unbedingt halten. Sobald das Abduktionskissen abgenommen werden darf, darf der Patient frei bewegen. Weiterhin sind das Tragen von Lasten und das Abstützen zu vermeiden. Eine volle Belastungsfähigkeit geben die Ärzte frühestens ab einem halben Jahr frei.

Lesen Sie dazu auch den Artikel: "Rotatorenmanschette trainieren"

Übungen für zuhause

Bei einer Rotatorenmanschettenruptur sind einige Übungen sehr effektiv und sollten regelmäßig zu Hause durchgeführt werden. Dabei wird vor allem die umgebende Muskulatur trainiert um die Belastung vom Schultergelenk abzunehmen.

  • Nackenmuskulatur: In Rückenlage den Kopf anheben und versuchen mehrere Sekunden zu halten. Die Halswirbelsäule ist dabei gestreckt. Langsam die Dauer steigern. Ebenso im Sitz die Hand an die Wange legen, den Kopf zu einer Seite rotieren, Spannung gegen die Hand aufbauen und einige Sekunden halten.
     
  • Oberer Rücken: Ebenso ist der obere Rücken enorm wichtig, da die Muskulatur in der BWS und zwischen den Schulterblättern stark genug sein sollte, um das Schultergelenk bestmögliches zu bewegen ohne ein Ausweichen vom Rücken zu bekommen. Vor allem die Rhomboideen sind wichtig. Übungen Rhomboideen: aufrechter Sitz, Bauch und Rückenspannung halten, Ellenbogen in 90° Winkel am Körper nach hinten ziehen und Schulterblätter zusammenziehen (Ruderbewegung). Alternativ kann die Übung auch in Bauchlage ausgeführt werden und mit einem Stab oder Theraband verstärkt werden. Dabei wird der Stab in den Nacken gezogen, der Blick ist dabei nach unten gerichtet. 
     
  • Oberer Rücken: Der Latissimus setzt an der Schulter an und zieht den kompletten seitlichen bis mittigen Rücken entlang und sorgt für ein herunterziehen der Schulter. Bei einer zu schwachen Muskulatur kann der positive Aspekt des herunterziehen aufgehoben sein und sollte dementsprechend trainiert werden. Bei einer schmerzhaften Schulter kann der Arm bei ca. 80° Beugung im Ellenbogengelenk auf einer Tischkante abgelegt werden. Dieser übt dann einen Druck auf die Tischplatte aus. Bei einer schmerlosen Bewegungsfreiheit kann der Muskel anders trainiert werden: aufrechter Sitz, Bauch und Rückenspannung halten, Arme nach oben ausstrecken und in 90° Winkel Ellenbogen an den Seiten nach unten ziehen, dabei Schulterblätter zusammenziehen (Latzug).
     
  • In der akuten Phase zeigt sich die Pendelübung als sehr angenehme Entlastungsübung, vorausgesetzt der Arm soll nicht in einem Abduktionskissen fixiert bleiben. Den Arm einfach neben dem Körper hängen lassen und pendeln.
     
  • Zur Lockerung des gesamten Schulter- Nacken Bereichs zwischendurch, die Schultern kreisen oder den Trapezius aufdehnen, indem ein Arm nach unten ausgestreckt wird und der Kopf zur Gegenseite bewegt wird.

Weitere Übungen finden Sie in den Artikeln: "Rotatorenmanschettenruptur - Übungen zum Nachmachen" und "Übungen für die Rotatorenmanschette"

OP Indikationen

Eine Operation ist dann notwendig, wenn:

  • die Fasern der Sehne soweit abgerissen sind, dass ein selbstständiges zusammen wachsen nicht mehr absehbar ist.
  • Ebenfalls ist eine Operationsindikation ein junges Alter mit einer körperlichen Arbeit, bei der es jederzeit zu einem kompletten Abriss der Sehne führen kann.
  • Liegt eine Schleimbeutelentzündung vor und ein zu steiles Schulterdach, welches ständig Reiz auf die Sehne ausübt weswegen die Fasern weiterhin dünner werden, wird eine arthroskopische Operation durchgeführt. Die Sehne wird nicht bearbeitet, sondern der Schleimbeutel entfernt und das Schulterdach abgefräst, sodass die Sehne mehr Platz hat.

Wie genau die Operationstechnik durchgeführt wird, hängt vom Ausmaß des Risses ab und von dem Operateur selbst. In den meisten Fällen wird eine Operation vermieden, sofern die Fasern noch komplett sind.

Lesen Sie mehr dazu in dem Artikel: "Rotatorenmanschettenruptur"

Wie lange bin ich krankgeschrieben?

Wie lange die Krankschreibung dauert, hängt von der Behandlung, den Symptomen und der Art der Arbeit ab.

  • Ist die Tätigkeit rein körperlich mit viel Armeinsatz, wird man unmittelbar nach einem Riss der Rotatorenmanschette für 2-3 Wochen krankgeschrieben, da eine Belastung des Arms nur unter Schmerzen möglich ist. In der Zeit wird über Untersuchungen das Ausmaß der Verletzung geklärt.
  • Muss operiert werden, wird die Dauer der Krankschreibung vermutlich 6 Wochen überschreiten.
  • Reicht eine konservative Therapiemethode aus, kann nach Abklingen der akuten Schmerzen und Verbesserung der Beweglichkeit die Arbeit fortgesetzt werden. Allerdings sollte bei einer Verschlimmerung der Beschwerden sofort ein Arzt aufgesucht werden.
  • Bei weniger armbelastenden Tätigkeiten hängt die Krankschreibung ebenso von den Schmerzen ab. Jedoch wird diese aber deutlich schneller wieder aufgehoben.
  • Bei extremen körperlichen Arbeiten oder Leistungssport ist die Dauer der Krankschreibung nicht abzusehen und richtet sich nach dem Heilungsverlauf. Im schlimmsten Fall bliebe die Krankschreibung bis zu einem halben Jahr, da die Belastungsfähigkeit dann erst wieder hergestellt ist.

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Was passiert wenn die RM zum zweiten Mal gerissen ist?

Ist die Rotatorenmanschette zum 2. Mal gerissen, bleibt die Belastungsfähigkeit und die Beweglichkeit der Schulter deutlich reduziert. Wurde nach dem ersten Riss die Sehne operativ fixiert, kann ein kompletter Abriss des Nagels am Arm die Folge sein, was eine erneute Operationsindikation bedeutet. Der Heilungsverlauf wird aufgrund des vorgeschädigten Gewebes langsamer und das Risiko für Spätfolgen steigt. Bestehende Bewegungseinschränkungen können sich chronifizieren und die Schmerzen im Laufe der Zeit verstärken.

Ist die Rotatorenmanschette aufgrund von Sport oder extremen Bewegungen gerissen, sollte darauf langfristig verzichtet werden. Ebenso ist es enorm wichtig die Schulter über Kräftigungsübungen und Stabilisationsübungen zu trainieren, sodass eine weitere Verletzung vermieden werden kann. Generell wird die Regeneration länger dauern als bei der ersten Verletzung.