Stress während der Schwangerschaft

Stress kennt jeder von uns. Ob eine bevorstehende Prüfung, Probleme in der Beziehung, eine Deadline im Büro oder viel Hektik im Alltag. Wenn der Körper durch all diese und mehr Situationen besonders Leistungsfähig sein muss, werden Stresshormone ausgeschüttet. Das sind körpereigene Stoffe wie Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin. Diese versetzen den Körper sozusagen in Alarmbereitschaft, dies ist noch ein Relikt aus der Steinzeit. Der Herzschlag beschleunigt sich, die Atmung wird flacher und wir sind leistungsbereit. In manchen Fällen und in gesundem Maße, kann dies förderlich sein um seine Ziele zu erreichen, nimmt der Stress aber überhand kann dies Folgen für den gesamten Organismus haben.

Stress in der Schwangerschaft ist unvermeidbar, da die Schwangere während der Schwangerschaft ja weiter am alltäglichen Leben und teilweise Berufsleben weiter teilnimmt. Wissenschaftler vermuten, dass leichter Stress sogar förderlich für die Entwicklung des Kindes sein kann. Wird der Stress allerdings zu viel, kann dies ernsthafte Folgen für das Ungeborene haben. Dazu zählen Entwicklungsstörungen, Frühgeburten, neurologische Störungen, ADHS und weitere Erkrankungen.

Die Ursachen für erhöhten Stress in der Schwangerschaft sind vielfältig. Viele werdende Mütter sorgen sich um das Wohlergehen des Kindes und machen sich Gedanken um die Zukunft. Die körperlichen Veränderungen machen der Mutter zu schaffen und ihre emotionale Stabilität ist manchmal angegriffen. Krankheiten wie Depressionen oder traumatische Erlebnisse wirken sich ebenfalls negativ auf das Stresslevel aus. Wenn Sie bei sich eine erhöhte innere Anspannung feststellen, zögern Sie nicht mit ihrem Arzt zu sprechen. Dieser hat eine Reihe von Möglichkeiten, um den Stress zu verringern.

Symptome

Stress in der Schwangerschaft kann viele Symptome mit sich bringen. Diese treten allerdings erst dann auf, wenn der Stress über längere Zeit bestehen bleibt. In der Anfangsphase ist der Körper noch extrem Leistungsfähig und entwickelt nach einiger Zeit sogar eine Art Resistenz gegen die stressauslösenden Faktoren (Widerstandsphase). Bleibt der Stress jedoch weiter bestehen so reagiert der Körper irgendwann mit extremer Erschöpfung, da der Körper quasi die ganze Zeit in Alarmbereitschaft war (Erschöpfungsphase). Gerade diese Phase kann starke körperliche und psychische Folgeschäden mit sich bringen.

Zu den Warnsignalen beziehungsweisen Symptomen gehören Gereiztheit, Schlaflosigkeit, Herz-Kreislaufbeschwerden wie z.B. Herzrasen oder erhöhter Blutdruck. Atembeschwerden oder ein Engegefühl in der Brust. Magen-Darm Probleme wie Magenschmerzen, Verstopfung, Sodbrennen oder Appetitlosigkeit, Verspannungen und Schmerzen wie Gelenkschmerzen, Nackenschmerzen und Kopfschmerzen sowie weitere unspezifische Symptome wie z.B. Schwindel. Oftmals bringen die Betroffenen die Symptome zunächst gar nicht in Verbindung mit dem erhöhten Stresslevel. Erst wenn die Symptome nicht verschwinden oder mehrere Symptome gleichzeitig auftreten führt viele der Gang zum Arzt.

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Physiotherapie bei Stress

Physiotherapie während der Schwangerschaft kann auch sehr gut dabei helfen, Stress abzubauen. Der Stress der auf der werdenden Mutter lastet, kann auch mit den körperlichen Veränderungen zusammenhängen. So haben die meisten Schwangeren aufgrund des wachsenden Bauches einen veränderten Bewegungsablauf oder eine veränderte Haltung. Der große Bauch, kann Rückenschmerzen, Nackenverspannungen und Kopfschmerzen verursachen.

Bei der Physiotherapie geht es darum, genau bei diesen Problemen zu helfen. Durch Haltungstraining und gezielte Übungen wird den Schwangeren beigebracht trotz Schwangerschaft eine für den Körper gute Haltung einzunehmen um der Entstehung von Problemen vorzubeugen. Auch das bekannte Beckenbodentraining ist eine gute Vorbereitung auf die bevorstehende Geburt.

Physiotherapeuten mit spezieller Weiterbildung können bei den Schwangeren auch spezielle Schwangerschaftsmassagen anwenden, um so zusätzlich für Entspannung zu sorgen. Auch Aquagymnastik, kann ein guter Ausgleich für den alltäglichen Stress sein. Wenn bei Schwangeren Probleme auftreten stellt der Arzt oft eine physiotherapeutische Verordnung aus. Die Schwangeren sind dann in der Regel 2-3 mal wöchentlich in physiotherapeutischer Behandlung.

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Auswirkung auf das Kind

Die Auswirkungen von Stress während der Schwangerschaft auf das Kind können sehr unterschiedlich sein. Ist das Stresslevel der werdenden Mutter erhöht und z.B. ihr Herzschlag beschleunigt, so überträgt sich das auch auf das ungeborene Kind, dessen Herzschlag dann ebenfalls beschleunigt ist. Man kann sich vorstellen, dass dies auf Dauer nicht gut für das Ungeborene ist. Die Folgen von Stress in der Schwangerschaft können zu körperlichen Entwicklungsproblemen des Kindes führen, es kann zu früh oder untergewichtig geboren werden. Die geistige Entwicklung kann eingeschränkt sein, sodass es im späteren Leben zu Problemen wie ADHS oder Lernschwierigkeiten kommt.

Kinder deren Mütter in der Schwangerschaft sehr viel Stress hatten haben teilweise ein erhöhtes Risiko an Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen zu leiden. Auch körperliche Probleme im weiteren Verlauf der Kindheit, wie Asthma oder Übergewicht können die Spätfolgen von Stress sein. Ein ständig erhöhter Stresslevel während der Schwangerschaft führt bei dem Ungeborenen dazu, dass Strukturen wie Lunge oder Gehirn zu schnell reifen, was auf Kosten des Wachstums und der Zellteilung geht. Deswegen besteht im weiteren Lebensverlauf ein erhöhtes Risiko an den oben genannten Problemen zu Erkranken.

Baby zu klein

Wenn die Mutter während der Schwangerschaft unter Dauerstress steht oder durch traumatische Ereignisse oder Zukunftsängste besonders belastet ist, kann das Folgen auf die Entwicklung des Kindes haben. Dadurch, dass der Körper der Mutter ständig auf Hochspannung ist, erfährt auch das Ungeborene den Stress. Dies führt dazu, dass viele Strukturen, die eigentlich längere Zeit brauchen viel schneller reifen, was dann auf Kosten von Zellteilung und Wachstum des Ungeborenen geht. Dadurch kann es dazu kommen, dass die Ungeborenen sehr klein sind und auch wenn sie als Baby auf die Welt kommen noch weniger entwickelt sind, als ein Kind das keinen großen Stress während der Schwangerschaft erfahren hat.

Schreibaby

Als Schreibabys bezeichnet man Säuglinge, die ständig und unstillbare Schreiattacken haben. Die Babys lassen sich in der Regel nicht beruhigen und sind auch im Allgemeinen von starker Unruhe betroffen. Ein Möglicher Auslöser, dass ein Säugling zu einem Schreibaby wird ist Stress während der Schwangerschaft. Die Probleme werden meist in den ersten 2-3 Tagen nach der Geburt bemerkt. In der Regel klingen die Symptome, also das Schreien, nach ca. drei Monaten ab. Da die Ursache der Entstehung von Schreibabys nicht ganz klar ist und viele auch davon ausgehen, dass Koliken der Grund für das unstillbare Schreien sind wird das Symptom auch oft als Dreimonatskolik beschrieben.

Bauchschmerzen

Bauchschmerzen in der Schwangerschaft werden von vielen werdenden Müttern als sehr bedrohlich empfunden. Sie sorgen sich, dass etwas mit dem ungeborenen Kind nicht in Ordnung ist. In vielen Fällen sind die Sorgen unbegründet und die Bauchschmerzen sind harmlos. Auslöser ist in vielen Fällen erhöhter Stress in der Schwangerschaft. Wie oben beschrieben kann dieser zu vielen Symptomen führen, die vor Allem den Magen-Darm Trakt betreffen. So können Verdauungsprobleme, Sodbrennen und Magenschmerzen auftreten, welche dann allgemein als Bauchschmerzen empfunden werden. In der Regel verschwinden die Bauchschmerzen von alleine, spätestens dann, wenn die Schwangere weniger Stress hat oder abgelenkt ist.

Wenn sich die Betroffene trotzdem noch große Sorgen macht ist es sehr hilfreich das Gespräch mit der Hebamme oder dem Gynäkologen zu suchen, da diese die Schwangere meist beruhigen können. Die Art der Bauchschmerzen kann hierbei sehr unterschiedlich sein, so berichten einige von pochenden, stechenden Schmerzen und andere von dumpfen oder krampfartigen Schmerzen. Im Verlauf der Schwangerschaft, kann es aufgrund des wachsenden Bauchumfanges auch immer häufiger zum auftreten von Bauchschmerzen kommen.

Bauchschmerzen können also stressbedingt während einer Schwangerschaft auftreten, es können aber auch andere Ursachen der Grund für die Schmerzen sein. Gerade, wenn Sie das erste Mal Schwanger sind und unsicher über die auftretenden Symptome, sollten Sie offen mit ihrem Arzt darüber sprechen. Auch im Internet gibt es viele nützliche informative Seiten über die Veränderungen des Körpers während der Schwangerschaft und die Symptome die dadurch auftreten können.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema: Physiotherapie bei Bauchschmerzen in der Schwangerschaft

Stress vermeiden

Der wichtigste Punkt zur Vermeidung von Stress in der Schwangerschaft ist es natürlich die stressauslösenden Faktoren abzuschalten. Da dies nicht immer Möglich ist, sollten betroffene werdende Mütter zu alternativen Verfahren greifen um den Stress abzubauen. Dazu gehören speziell entwickelte Schwangerschaftsmassagen die mit besonderen ölen durchgeführt werden, um nochmal zusätzliche für körperliche und geistige Entspannung zu sorgen, Schwangerschaftsyoga oder andere Entspannungstechniken sind sehr gut geeignet den Alltagsstress zu vergessen und sich voll und ganz auf sich selbst und das ungeborene Kind zu konzentrieren. Viele finden Ruhe in der Meditation oder Aromatherapie.

Da viele werdende Mütter sich auch Gedanken um das Wohl ihres Kindes machen und Zukunftsängste haben, kann es auch sehr sinnvoll sein zusammen mit dem Partner Geburtsvorbereitende Kurse zu besuchen, die viele Ängste nehmen können und so zur Entspannung beitragen. In der Schwangerschaft ist es besonders wichtig, dass Sie auf sich und die Signale ihre Körpers hören und auch mal einen Gang zurückschalten. Nichts ist wichtiger als ihre Gesundheit und die ihres ungeborenen Kindes. Kleine Auszeiten und Unternehmungen können eine gute Alternative zum hektischen Alltag sein, sodass Sie als Schwangere eine gute Balance finden und der Stress größtenteils vermieden wird.

Weitere sinnvolle Informationen entnehmen Sie bitte dem Artikel Stress-Sind auch Sie davon betroffen?

Krankschreibung

Unter Umständen ist es möglich, dass man sich bei Stress in der Schwangerschaft krankschreiben lassen kann. Dies ist vor Allem dann angebracht, wenn begründete Sorgen bestehen, dass der große Stress dem ungeborenen Kind schaden kann. Wie bereits gesagt sollten werdende Mütter ihr eigenes und das kindliche Wohlergehen an erste Stelle setzen, insbesondere wenn es sich um einen sehr hektischen Beruf handelt. Gerade dann kann eine Krankschreibung helfen den Stress abzubauen, da der Druck und Trubel im Beruf für viele Schwangere ein großer Stressfaktor ist. Wie lange der Arzt die Krankschreibung ausstellt ist dann individuell verschieden. In extremen Fällen kann es auch sein, dass ein Berufsbeschäftigungsverbot ausgestellt wird.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die werdende Mutter versuchen sollte während der Schwangerschaft so gut es geht übermäßigen Stress zu vermeiden. Ist dies aus unterschiedlichsten Gründen nicht möglich, sollte nicht gezögert werden sich professionelle Hilfe zu holen. Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, den betroffenen wieder zur Entspannung und einem schönen Verlauf der Schwangerschaft zu verhelfen. Auch wenn sich erhöhter Stress in vielen Fällen ungünstig auf das Ungeborene auswirken kann, so gibt es aber auch Kinder, die während der Schwangerschaft Stress erfahren haben, bei denen es zu keinen funktionellen Abweichungen kam im Vergleich mit Kindern aus einer unproblematischen Schwangerschaft.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 05.04.2017 - Letzte Änderung: 10.11.2021