Übungen bei einem Golferellenbogen

Ein Golferellenbogen bezeichnet eine Entzündung der Sehnenansätze der beugenden Muskeln (Flexoren) der Hand, welche sich am Ellenbogen befinden. Diese Sehnenansatzentzündungen, wie zum Beispiel die Bizepssehnenentzündung, entstehen durch langandauernde einseitige Tätigkeiten bei Beugung der Finger und Drehbewegungen im Unterarm (z.B. Schrauben drehen). Eine Verkürzung der Streckmuskeln (Extensoren) und eine Fehlstellung der Handwurzelknochen an der Hand bewirken eine erhöhte Spannung der Beugemuskeln. Wird der Tonus der beugenden Muskulatur nicht reduziert, kann die Durchblutung der Sehnenansätze längerfristig eingeschränkt sein und eine Entzündung dieser fördern.



Übungen und Dehnübungen

1) Bei einer chronischen Muskelansatzentzündung, sollte exzentrisches Muskeltraining durchgeführt werden. Dabei lagert der Patient seinen Arm in einer bequemen Position, die Hand wird in Überhang mit der Handfläche nach oben gehalten. Er bekommt eine leichte Hantel oder Wasserflasche in die Hand und zieht aktiv die Hand in die Beugung und lässt ganz langsam die Hand wieder in die Neutralposition zurück. Dabei ist vor allem das langsame Lockerlassen entscheidend für den Muskel, denn dabei werden langsam die Fasern auseinander gezogen und somit gedehnt.

2) Um den gesamten Arm zu mobilisieren bietet sich die widerlagernde Mobilisation aus der funktionellen Bewegungslehre an. Dabei führt der Patient seinen Ellenbogen am Körper vorbei nach hinten. Der Ellenbogen steht dabei nach hinten außen und die Handfläche wird nach oben gedreht. Dann streckt der Patient seinen Arm aus und dreht die Hand nach vorne und das Handgelenk wird gestreckt. Diesen Bewegungsablauf mehrmals wiederholen. Wichtig ist, dass die Schultern dabei unten gehalten werden.

3) Ebenso ist eine Mobilisation der Schultern wichtig. Da meist der Tonus der Schulter-Nackenmuskulatur erhöht ist und sich weiterlaufend auf den gesamten Arm zieht, sollte die Schulter gelockert werden. Das kann der Patient selbst durch Schulterkreisen erreichen.

4) Des Weiteren hilft die Dehnung des M. Trapezius durch runterdrücken der Hand und Seitneigung des Kopfes zur Gegenseite den Tonus zu minimieren.

5) Um die BWS zu mobilisieren bietet sich die Übung „Katze“ und „Hangebauchschwein“ an. Diese Stellungen finden aus dem Vierfüßlerstand statt. Dabei drückt der Patient die Wirbelsäule weit in einen Buckel und lässt sie danach extrem durchhängen. Diese Übung mehrere Male wiederholen.

6) Zur Dehnung der Extensorengruppe (Handstrecker) kann die Hand weit in die Flexion (Beugung) gehalten werden bei durchgestrecktem Ellenbogen. Alternativ bietet sich dafür auch die komplett Nervendehnung für den Unterarm an. Der Ellenbogen wird gestreckt, Arm leicht nach hinten gestreckt, Hand in Beugung und Ulnarduktion gezogen. Der Kopf wird in Seitneigung zur Gegenseite gezogen um die Dehnung zu verstärken.

7) Für den kompletten Plexus Brachialis (Nervengeflecht des pheripheren Nervensystems) steht der Patient mit ausgestreckten Armen und dreht eine Handfläche nach oben und die andere nach unten. Die Blickrichtung geht zu der Handfläche, die nach oben zeigt. Dann dreht der Patient den Kopf und gleichzeitig die Handflächen, sodass der Kopf immer in die Richtung der Handfläche, welche nach oben gedreht wird, zeigt.

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Therapie und Behandlung

In der Therapie ist es vor allem wichtig die Ursachen für den Golferellenbogen zu finden und diese spezifisch zu behandeln. Meist liegt eine Überbelastung der Unterarmmuskulatur vor, die durch einseitige Bewegungen ausgelöst worden ist. Der Bereich der Ansätze der Beugemuskulatur für die Hand ist dabei hauptsächlich betroffen. Dieser Sehnenbereich kann durch eine sogenannte Querfriktion bearbeitet werden. Dabei setzt der Therapeut den Finger quer zu verlaufenden Struktur an und zieht diese zu sich hin. Unterstützend kann er mit Kälte arbeiten (Eispack oder Eislolly). Die Querfriktion wird einige Male wiederholt und an unterschiedlichen Stellen angewendet. Zudem kann durch Massageriffe die gesamte Anspannung in Ober- und Unterarm minimiert werden. Die Muskelhäute (Fascien) im gesamten Unterarmbereich sollten gelöst werden, da sie meist verklebt sind. Diese werden durch den Therapeut durch Zug entlang der Fascien gelöst. Liegt eine Verkürzung der Streckmuskelgruppe an der Rückseite des Unterarms vor, sollte diese auf Länge gebracht werden (s. Übungen). Die übermäßige gebeugte Fehlstellung der Brustwirbelsäule (Kyphose) kann durch entsprechende Bewegung beeinflusst werden. Die dadurch angespannte Muskulatur im Rücken und Arm kann durch Weichteiltechniken, Fascientechniken und Massagen gelockert werden. Ebenso sollte das Schulterblatt einer Bewegungstherapie unterzogen werden, da dieses vor allem auf dem Brustwirbelsäulenbereich mit Fehlstellung schlechter gleiten kann und ein Ungleichgewicht auslöst. Einschränkungen der Halswirbelsäule sind ebenfalls wichtig zu behandeln. Manuelle Techniken und lockern der kurzen Nackenmuskulatur zeigen gute Behandlungserfolge.

Behandlungsmethoden:

  1. Tapen
  2. Bandage
  3. Operation 

1. Tapen

Ein sogenanntes Kinesiotape kann unterstützend zur Therapie angelegt werden. Dabei wird das Tape vom Muskelansatz bis zur Hand geklebt. Die Hand sollte beim Kleben des Tapes in Streckung gehalten werden, da in Vordehnung geklebt wird. Unterstützend kann ein Sternförmiges Tape an die schmerzhafteste Stelle geklebt werden um den Reiz zu erhöhen. Ebenso kann der Ellenbogen mit 2 Zügeln über die seitlichen Knochenvorsprünge des Unterarmes (Epicondylen)  und mit mehreren Querstreifen, stabiler getaped werden um die Belastung zu reduzieren. Zudem kann ein Tape im Verlauf des N. Ulnaris  (Ellennerv) geklebt werden, welches dann von der Achsel ausgehend im Verlauf an der Innenseite des Ellenbogens vorbeizieht und  entlang der Innsenseite des Unterarmes bis zur Hand läuft. Da der Nerv aber tiefer im Gewebe liegt, ist die Wirkungsweise fraglich. Im Allgemeinen gibt das Tape einen mechanischen Reiz, weswegen eine Verbesserung der Durchblutung erzielt werden soll. Ob die Wirkung wirklich groß ist, ist nicht bewiesen, jedoch bewirkt das Vorhandensein des Tapes einen positiven Einfluss auf die Psyche des Patienten.

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2. Bandage

Die Bandagentherapie für den Golferellenbogen zeigt sich als sehr ähnlich zu dem des Tennisarmes. Umfasst sie das gesamte Ellenbogengelenk, sorgt sie über einen Druck für eine verbesserte Durchblutung und somit für eine bessere Versorgung des Gelenks, was zu einer geringeren Belastung führt . Alternativ gibt es eine Ellenbogenspange, die ebenfalls den Druck abnimmt. Die Bandagen können zur Unterstützung bei der ursächlichen Tätigkeit getragen werden, es sollte aber zwingend eine adäquate Therapie durchgeführt werden.

3. Operation

Schlägt die konservative Therapie nicht an und die Beschwerden werden nicht besser, wird häufig eine Operation durchgeführt. Dabei löst der Arzt die verklebten Sehnen und nimmt meist einen entzündeten Schleimbeutel mit aus dem Gewebe. Nach der OP sollte die Beweglichkeit schnell wieder erarbeitet werden und die übermäßige Spannung in der Muskulatur reduziert werden um eine wiederholte Verklebung der Sehnen zu vermeiden. Aufgrund der üblichen Risiken einer OP werden zunächst die konservativenTherapiemöglichkeiten über längere Zeit bevorzugt.

Die Dauer der Behandlung

Die Dauer der Heilung eines Golferellenbogens hängt von der Therapie und vom Schweregrad der Erkrankung ab. Sind die Ursachen eindeutig geklärt, kann dementsprechend therapiert werden. Liegt eine Überbelastung vor, sollte diese minimiert werden. Zudem kann die verspannte Muskulatur durch Weichteiltechniken und Techniken der Muskelhaut (Fascientechniken) gelöst werden. Muskuläre Ungleichgewichte werden mit entsprechenden Übungen auftrainiert. Werden die Beschwerden durch die konservative Therapie nicht besser kann ein entzündungshemmendes Medikament gespritzt oder in Tablettenform verschrieben werden. Wie lange die Entzündung andauert kann nicht genau bestimmt werden. Wird aber bei den ersten Beschwerden direkt gehandelt, verkürzt sich die Heilungsphase enorm. Je länger gewartet wird, desto eher entwickelt sich die Entzündung chronisch (langanhaltend).

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Symptome

Die Symptome eines Golferellenbogens sind unterschiedlich. Schmerzen am Sehnenansatz bei Bewegung im Unterarm oder bei Beugung der Finger sind die ersten Anzeichen. Treten die Schmerzen in Ruhe auf, befindet sich der Ellenbogen gerade in der akuten Entzündungsphase. Im Bereich des Unterarms zeigt sich eine deutliche Tonuserhöhung im Flexorenbereich mit vorhandenen Triggerpunkten.
Da der Verlauf des Ellennerves (Nervus ulnaris) direkt neben dem Ansatzpunkt der Sehnen im Bereich der Beugergruppe verläuft, kann dieser zusätzlich gereizt sein. Dadurch spürt der Patient ein vermehrtes Kribbeln im Bereich des Ring- und Zeigefingers.

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Zusammenfassung

Ein Golferellenbogen entsteht durch langandauernde, einseitige Tätigkeiten. Muskelungleichgewichte und Fehlstellungen können ebenfalls Ursache für einen Golferellenbogen sein. Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Muskelhartspannungen sind klassische Symptome. Durch spezielle Übungen zur Kräftigung und Bewegung des gesamten Schulter-Arm- Komplexes können die Beschwerden verbessert werden. Zudem sollte eine spezielle Physiotherapie an den Beugemuskeln der Unterarmvorderseite erfolgen. Dabei gehören Weichteiltechniken, Fascientechniken und Massagen zu den Therapiemethoden. Unterstützendes Tape und Bandagen verringern die Beschwerden im Alltag. Schlagen alle konservative Maßnahmen nicht an kann eine Operation durchgeführt werden, um die Sehnenansätze zu lösen.