Therapie bei einem Ermüdungsbruch

Ein Ermüdungsbruch, auch Stressfraktur genannt, betrifft häufig Sportler, Kinder in der Wachstumsphase zwischen acht und sechzehn Jahren und Personen ab dem vierzigsten Lebensjahr. Er entsteht dann, wenn der Knochen über einen langen Zeitraum sehr stark belastet wurde und kündigt sich meistens vorher schon durch Schmerzen an.

Die gute Nachricht ist, dass in den meisten Fällen keine Operation nötig ist, da sich die Fraktur nicht wie bei traumatischen Verletzungen verschiebt. Es kann aber je nach Lage des Ermüdungsbruches nötig sein, dass betroffene Körperteil für mehrere Wochen mit einem Gips oder einer Schiene ruhigzustellen, damit der Knochen ausheilen kann. In vielen Fällen können die Betroffenen sich aber auch noch selbstständig weiterbewegen, solange auf Sport und Belastung des Knochens verzichtet wird.

Ermüdungsbruch am Fuß

Die Füße sind mit die am meisten belasteten Körperteile, daher tritt ein Ermüdungsbruch am Fuß häufiger auf. Beim Ermüdungsbruch am Fuß wird zwischen zwei verschiedenen Formen unterschieden. Es gibt den Ermüdungsbruch in der Ferse, bei dem der Fersenknochen vom Bruch betroffen ist, und den Ermüdungsbruch im Mittelfuß, welcher ein oder mehrere Mittelfußknochen betreffen kann. In beiden Fällen entsteht der Ermüdungsbruch über einen längeren Zeitraum der Über- oder Fehlbelastung hinweg. Dies ist insbesondere bei Sportarten wie Joggen oder Tennis sowie bei Ungewohnten Gangarten z. B. das Marschieren beim Militär der Fall.

Zunächst kommt es zu mehreren Miniaturfrakturen, bis der Knochen letztendlich nachgibt und bricht. Weitere Ursachen für einen Ermüdungsbruch im Fuß können auch Mangelernährung, angeborene Fußfehlstellungen oder eine bereits bestehende Erkrankungen der Knochen wie z. B. Osteoporose sein. Die Feststellung eines Ermüdungsbruches liegt meist nicht direkt auf der Hand, da die Symptome sich langsam schleichend äußern und nicht durch, wie für einen normalen Bruch übliches, Trauma ausgelöst werden.

Ist die Diagnose jedoch gesichert, gilt es für die Betroffenen, den Fuß zunächst zu schonen und komplett auf Sport zu verzichten, damit der Knochen heilen kann. Unter Umständen kann es nötig werden, den Fuß zu Schienen oder einen Gips anzulegen, um ihn komplett ruhig zu stellen. Nach Abheilen des Bruches kann dann in der Physiotherapie mit einfachen Übungen begonnen werden, um den Fuß wieder an die Vollbelastung heranzuführen.

Übungen

1. Mobilisation und Kräftigung der Muskulatur
Stellen Sie sich für diese Übung auf das lädierte Bein und winkeln das andere in der Luft an. Drücken Sie sich nun in die Zehenspitzen hoch und halten die Balance für 15 Sekunden. Wiederholen Sie das Ganze dreimal, wobei Sie zwischen den einzelnen Durchgängen kurz pausieren.

2. Kräftigung der Muskulatur
Stellen Sie sich gerade hin. Die Beine sind leicht gebeugt. Rollen Sie nun langsam die Füße nach vorne und hinten ab, indem Sie leicht vor und zurück wippen. Führen Sie dir Übung etwa 30 Sekunden lang durch.

3. Kräftigung der Muskulatur
Legen Sie sich rücklings auf eine gerade Unterlage. Die Beine sind angewinkelt. Drücken Sie nun ihre Gesäß und die Hüfte in Richtung Zimmerdecke. Sie bilden nun also mit ihrem Körper eine Art Brücke. Stellen Sie sich nun in dieser Position auf ihre Zehenspitzen und setzen diese langsam wieder ab, bevor Sie sich erneut hochdrücken. 15 Wiederholungen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel: "Physiotherapie bei einem Mittelfußbruch"

Ermüdungsbruch am Knie

Da das Knie selbst ein Gelenk ist, kann es nicht direkt im Knie zu einem Ermüdungsbruch kommen, sondern entweder an der Kniescheibe oder am oberen Schienbeinkopf. Auch hier ist die Ursache des Ermüdungsbruches eine lang anhaltende Überbelastung des Knochens. Besonders gefährdet sind Sportler, hier sind vor allem Kontaktsportarten wie Basketball oder Fußball zu nennen, aber auch Sportarten, bei denen viele Drehbewegungen des Knies gefordert sind, z.B. beim Tanzen oder Eiskunstlaufen. Im Gegensatz zu einem Bruch, der durch einen Unfall verursacht wird, äußern sich die Symptome bei einem Ermüdungsbruch im Knie eher schleichend, beispielsweise durch Bewegungseinschränkungen oder Schmerzen unter Belastung.

Bei der Therapie des Ermüdungsbruches sollte auch immer der Auslöser für die Verletzung mit in Betracht gezogen werden, damit ein erneutes Auftreten des Bruches verhindert werden kann. Wird vom Arzt ein Ermüdungsbruch am Knie festgestellt, ist zunächst die Ruhigstellung das A und O. Schmerz hemmende Medikamente und Lymphdrainagen zum Abtransport überschüssiger Flüssigkeit im Knie sind gute Mittel, um die Heilung des Knies voranzutreiben. Im Regelfall heilt ein Ermüdungsbruch im Knie ohne Probleme von alleine ab, solange sich die Betroffenen an die verordnete Ruhigstellung halten. Dies ist besonders beim Knie wichtig, da durch mögliche Folgeschäden die Bewegung stark eingeschränkt sein kann.

Übungen

1. Stärkung der Muskulatur
Setzen Sie sich gerade und aufrecht auf einen Stuhl. Klemmen Sie sich nun ein großes Buch zwischen die Fußgelenke. Heben Sie dann mit den Füßen das Buch an und strecken die Beine gerade nach vorne und dann langsam wieder hinab. 15 Wiederholungen.

2. Stabilität
Stellen Sie sich auf das lädierte Bein. Achten Sie darauf, das Hüfte, Knie und Fuß eine gerade Linie bilden. Schließen Sie die Augen und halten Sie die Balance solange es geht.

3. Stärkung der Muskulatur
Legen Sie sich rücklings vor eine Wand und winkeln die Knie 90° in der Luft an. Die Fußsohlen berühren dabei die Wand. Nun drücken Sie 20 Sekunden gegen die Wand und halten die Spannungen, dann 30 Sekunden pausieren und insgesamt 3 mal wiederholen.

Weitere gute Übungen finden Sie unter Krankengymnastik Übungen Knie und Übungen gegen Knieschmerzen

Ermüdungsbruch an der Hand

Ein Ermüdungsbruch der Hand ist weitaus seltener, da die Hand in der Regel nicht so starken Belastungen ausgesetzt ist. Trotzdem kann es auch hier bei Überbelastung zu Ermüdungsbrüchen kommen, diese sind meistens in der Region um das Handgelenk lokalisiert. So tritt zum Beispiel bei Tennisspielern häufig ein Ermüdungsbruch im Kahnbein auf. Auch Turner sind durch die starke Belastung ihrer Handgelenke sehr gefährdet. Weitere Ursachen sind auch hier wieder Mangelernährung oder bereits vorliegende Knochenerkrankungen.

Ein Ermüdungsbruch an der Hand äußert sich meist durch langsam zunehmende Schmerzen im betroffenen Bereich. Wird die Diagnose gestellt, ist es auch beim Ermüdungsbruch an der Hand wichtig, diesen ruhig zu stellen, damit der Knochen Zeit hat, um komplett zu heilen. Für die Betroffenen erfordert dies eine Menge Disziplin, da Sie die Hand in dieser Zeit nicht benutzen dürfen. Im Anschluss an die Ruhigstellungsphase geht es darum, wieder eine volle Belastbarkeit zu erreichen. Dies erreicht man durch einige einfach Übungen, die meist in der physiotherapeutischen Behandlung erlernt werden.

Übungen

1. Mobilisation
Strecken Sie ihren Arm vor dem Körper aus. Die Finger sind maximal gespreizt und gestreckt. Nun ballen Sie die Hand zur Faust und halten die Spannung etwa 10 Sekunden. Danach wieder komplett die Hand spreizen. Wiederholen Sie das Ganze 5 mal.

2. Dehnung des Handgelenks
Strecken Sie ihren Arm gerade nach vorne aus und beugen das Handgelenk nach unten, so dass die Fingerspitzen in Richtung Boden zeigen. Nun drücken Sie sanft mit der anderen Hand gegen den Handrücken, bis Sie eine Dehnung spüren. Halten Sie diese für 20 Sekunden.

3. Kräftigung der Muskulatur
Stellen Sie sich gerade und aufrecht hin. Legen Sie ihre Handflächen auf Höhe des Brustbeins aneinander. Im nächsten Schritt drücken Sie ihre Hände etwa 5 Sekunden lang stark gegeneinander. Danach locker lassen und kurz pausieren. 10 Wiederholungen.

Weitere gute Übungen finden Sie unter: Physiotherapie bei einem Handwurzelbruch

Ermüdungsbruch an der Hüfte

Von einem Ermüdungsbruch an der Hüfte sind meist Marathon-Läufer oder andere Hochleistungssportler betroffen, die durch jahrelange hohe Belastung oder Fehlhaltung das Hüftgelenk strapazieren. Da das Hüftgelenk ein Gelenk ist, sind bei einem Ermüdungsbruch meist der Oberschenkelhalsknochen, der Hüftkopf oder die Gelenkpfanne betroffen. Auch wenn ein Ermüdungsbruch an der Hüfte eher seltener vorkommt, ist es besonders hier wichtig, dass er früh erkannt und behandelt wird, da viele wichtige Blutgefäße in näherer Umgebung sind und durch eine unbehandelte Fraktur Schaden nehmen können.

In den meisten Fällen wird der Ermüdungsbruch durch einen Belastungsschmerz bemerkt. Wird ein Ermüdungsbruch an der Hüfte festgestellt, muss auch dieser ruhiggestellt werden. Das Ziel bei der Ruhigstellung unterhalb der Schmerzgrenze zu bleiben. Dies kann auch in schlimmeren Fällen das Benutzen von Gehhilfen einschließen. Wird vom Arzt vermutet, dass die Fraktur sich verschiebt, kann eine Operation nötig werden. Wenn der Bruch letztendlich ausgeheilt ist, werden in der Physiotherapie einfache Übungen angewandt, um das Hüftgelenk zu mobilisieren und wieder belastbar zu machen.

Übungen

1. Mobilisation
Legen Sie sich rücklings auf eine bequeme Unterlage. Heben Sie nun das erkrankte Bein etwa 10 cm vom Boden ab. Spreizen Sie das Bein nun so weit wie möglich seitlich vom Körper ab. Kehren Sie dann in die Ausgangsposition zurück und wiederholen die Übung 10 mal.

2. Kräftigung und Mobilisation
Legen Sie sich auf ihre gesunde Seite. Stellen Sie den Ellenbogen auf und stützen ihren Kopf auf der Hand ab. Nun heben Sie das obenliegende Bein maximal an. Senken Sie es dann wieder hinab aber nur so weit, dass es etwa 10 cm vom anderen Bein entfernt bleibt. Heben Sie es nun insgesamt 15 mal hoch und wieder herunter.

3. Dehnung der Hüfte
Legen Sie sich rücklings auf eine bequeme Unterlage. Umfassen Sie mit ihren Händen den Unterschenkel des verletzten Beines unterhalb des Knies und ziehen das Bein zu sich heran, bis Sie eine Dehnung spüren. Halten Sie diese für ungefähr 30 Sekunden.

Weitere gute Übungen finden Sie unter Mobilisationsübungen für die Hüfte und Übungen aus der Krankengymnastik für die Hüfte

Zusammenfassung

Ein Ermüdungsbruch kann also zusammenfassend an diesen und vielen weiteren Stellen des Körpers auftreten. Die Ursache für die Entstehung ist in den allermeisten Fällen eine Über- oder Fehlbelastung des Knochens. Durch die Tatsache, dass ein Ermüdungsbruch langsam über einen längeren Zeitraum hinweg entsteht, ist es zum Teil schwierig, ihn früh zu erkennen.

Die Therapie besteht bei allen Formen des Ermüdungsbruches zunächst aus einer Ruhephase und einer darauffolgenden Therapie zur Wiederherstellung der Belastbarkeit. Wenn sich die Betroffenen an die verordnete Ruhe und den Rehabilitationsplan halten, ist in der Regel eine unkomplizierte Abheilung des Ermüdungsbruches zu erwarten. Wenn andere Ursachen wie Mangelernährung oder eine Knochenerkrankung wie Osteoporose vorliegen, ist es wichtig, diese mitzubehandeln, damit es nicht zu einem erneuten Ermüdungsbruch kommt.

Diesbezüglich könnte Sie auch der Artikel: Krankengymnastik bei Osteoporose interessieren.