Übungen aus der Krankengymnastik für das Knie

Die Krankengymnastik für das Knie richtet sich individuell nach dem aktuellen Problem sowie den Zielen, welche Physiotherapeut und Patient gemeinsam in der Krankengymnastik erreichen möchten. Mögliche Ziele stellen hierbei die Mobilisation, Bewegungserweiterung, Kräftigung, Stabilisierung, Detonisierung von Muskulatur oder Schmerzreduktion dar.



Übungen

Die Übungen beziehen sich entweder auf das Gelenkspiel an sich, oder aber auf umliegende Strukturen wie Bänder und Muskulatur, bzw. die gesamte Muskelkette welche das Knie umgibt. Auch ein Einbezug der Wirbelsäule und der Haltung sind möglich, da viele Probleme im Knie aus der Region rühren, aus welcher es mit Nerven versorgt wird (Übergang Brust-Lendenwirbelsäule). Bestehen in dieser Region Probleme, senden die Nerven vermehrt Signale in ihr Versorgungsgebiet aus und können somit auch an entfernten Stellen Schmerzen verursachen. Andersherum kann das Problem bei den Füßen und dem Gangbild beginnen und über die Muskelkette fortgeleitet werden – ein weiterer Therapieansatz für die aktive Krankengymnastik.

  • Für die Eigenmobilisation des Knies ist das „Fahrradfahren“ in Rückenlage geeignet. Hüfte und Knie sind bis zu 90° gebeugt und werden im harmonisch fließenden Wechsel kreisend nach vorn gestreckt und wieder an den Körper geführt.
  • Ausgehend von derselben Position kann mit Hilfe eines Therabandes die Kniestreckung beübt werden. Wie eine Schlinge wird es einmal um die Fußsohle gewickelt und die Enden mit den Händen stramm gehalten. Gegend den geführten und selbst dosierten Widerstand kann das Knie nun langsam gestreckt und wieder gebeugt werden. Achtung vor Ausweichbewegungen wie dem Hohlkreuz in der Lendenwirbelsäule, welchem durch Bauchspannung entgegengewirkt wird.
  • Rückenlage: die Fersen sind aufgestellt und das Becken wird mit viel Körperspannung langsam gehoben und abgesenkt ohne es ganz abzulegen. Nach etwa 12 Wiederholungen wird das Becken oben gehalten, sodass sich Oberschenkel und Bauch in einer Diagonale befinden – wichtig ist Po und Bauch kräftig zusammenzuspannen. Die Schultern sollten dabei locker bleiben, der Atem weiter regelmäßig und tief erfolgen und die Knie in hüftbreit paralleler Position stehen. Eine Variation als Erschwerung stellt das Ausstrecken eines Beines dar. Die Oberschenkel befinden sich nach wie vor auf einer Höhe, das Becken wir nicht abgesenkt und ein Unterschenkel ist gerade nach vorn ausgetreckt.
  • Spezifische Kräftigungsübungen rund um das Knie befindlicher Muskulatur kann aus verschiedenen Positionen erfolgen. In Rückenlage kann das gestreckte Knie mit herangezogenen Zehenspitzen kräftig auf ein Kissen/ eine Rolle unter dem Knie gedrückt werden.
  • Die Außenseite, bzw. die Abduktoren werden im Stand gekräftigt. Im Einbeinstand mit leicht gebeugtem Knie und Halt an einer Stuhllehne wird das andere Bein nach außen hinten angehoben langsam nachlassend wieder an den Körper geführt ohne den Fuß abzusetzen. Auch hier wird im Kraft-Ausdauer-Bereich trainiert, beide Beine im Wechsel 3 Sätze á 12-15 Wiederholungen.

Weitere Übungen aus der Krankengymnastik

  • Im Sitz auf einer erhöhten Ebene mit frei hängenden Beinen werden die Unterschenkel einige Minuten ruhig und ohne großen Kraftaufwand hin und her gependelt. Besonders nach Operationen und längerer Immobilisation, älteren Menschen oder Arthrose-Erkrankten hilft diese entspannende Übung gegen Schmerzen und Steifheitsgefühl im Knie.
  • Um die Beinachsen und die Tiefensensibilität im Stand zu trainieren eignen sich unebene Untergründe. Bei Übungen für das Knie werden in der Krankengymnastik Wackelkissen oder Therapiekreisel verwendet, zuhause eignet sich auch einfach eine zusammengerollte Decke. Zunächst wird sich mit beiden Füßen draufgestellt, die Knie sind minimal angebeugt, der restliche Körper in stabiler grader Position. Mit Blick nach vorn wird zunächst versucht, das Gleichgewicht zu finden. Anschließend kann leicht nach vorn und hinten gewippt werden mit einem gleichmäßigen Abrollen der Fußsohlen.
  • Gehen auf der Stelle mit verschlossenen Augen, Kniebeugen und der Einbeinstand. Werden alle Variationen gut beherrscht, kann zusätzlich eine Ablenkung über die Arme erfolgen, wie das Werfen eines Balls. Auch im Stand auf dem Kissen kann der Physiotherapeut von außen Widerstände an verschiedenen Stellen am Körper setzen, welche die Körperspannung fördern indem der Patient versucht, seine Position zu halten und sich nicht wegdrücken zu lassen.
  • Im Sitz mit hängendem und leicht nach außen gedrehtem Unterschenkel und ebenfalls herangezogenen Zehenspitzen wird das Bein von der Hüfte aus angebhoben und langsam wieder abgesenkt – 12 bis 15 Wiederholungen und 3 Sätze. Dies stärkt die sich auf der Innenseite der Oberschenkel befindenden Adduktoren.
  • In Bauchlage wird das Knie gegen den Hand-Wiederstand des Physiotherapeuten langsam und kräftig gebeugt und ebenso gegen Widerstand wieder nachgelassen.
  • Für eine Kräftigung der Waden werden im Stand die Fersen kräftig aneinander gedrückt und sich ohne diesen Kontakt zu lösen langsam hoch in den Zehenspitzenstand gedrückt und wieder abgesenkt.
  • Zur Dehnung der Waden wird unter einen Vorfuß ein Tennisball oder eine kleine Rolle platziert. Der andere Fuß geht in Schrittstellung und befindet sich leicht vor dem anderen Fuß. Durch Vorschub des Beckens wird eine Dehnung der Beinrückseite erreicht.
  • Für die Dehnung der vorderen Muskelkette wird im Stand ein Bein soweit gebeugt, dass der Fuß bzw. das Sprunggelenk über die Hände nah dem Gesäß fixiert werden kann. Auch hier kann die Dehnung durch einen Beckenvorschub verstärkt werden. Dehnungen werden etwa 30 Sekunden gehalten, bevor sie langsam gelöst werden.

Weitere Übungen für das Kniegelenk finden sie in den Artikeln 

Weitere Maßnahmen

Neben der aktiven Krankengymnastik für das Knie bestehen weitere Maßnahmen, das Knie unterstützend passiv zu behandeln. Zur Entlastung, Bewegungserweiterung und Verteilung der Gelenkschmiere kann die Manuelle Therapie zum Einsatz kommen. Besonders über die Traktion ist eine angenehme Entlastung zu erreichen – die Gelenkpartner werden durch sanften Zug voneinander entfernt, um passiv Platz und Entlastung zu schaffen. Durch wechselnde Traktion und Kompression wird die Produktion der wichtigen Gelenkschmiere unterstützt, durch zusätzliche Bewegung wird diese im Kniegelenk verteilt. Durch Massagen kann umliegende verspannte Muskulatur gelockert werden, ebenso durch Elektrotherapie und Wärmeanwendungen wie der Heißen Rolle. Im Falle einer Schwellung durch Entzündung im Knie ist eine kühlende Eisandwendung angebracht, welche der Patient auch zuhause anwenden kann.

Ist eine Arthrose zu weit fortgeschritten, kann es mittels Operation zum teilweisen oder vollständigen Gelenkersatz kommen – der Endoprothese des Knies. Gerissene Bänder können durch Minimalinvasive Verfahren, also sehr kleine Eingriffe, wieder fixiert werden oder durch andere Sehnen im Körper ersetzt werden. Generell ist es zu empfehlen Übergewicht zu vermeiden, einem gesunden Lebensstil zu folgen, sich ausreichend zu bewegen und gelenkschonenden Sport zu treiben. Fahrradfahren ohne zu viel Belastung, Schwimmen und Walken sind nahezu jedem Patienten – ob mit gesundem oder erkranktem Knie - ans Herz zu legen.

Kniegelenksstabilität

Die aktive Stabilität wird durch die umliegende Muskulatur gewährleistet. Je nach Verlauf und Lokalisation der Muskeln haben sie unterschiedliche Funktionen auf das Knie und seine Bewegung:

  • Die vordere Oberschenkelmuskulatur streckt das Knie, die hintere Oberschenkelmuskulatur beugt das Knie und führt leichte Drehbewegungen durch.
  • Die über das Kniegelenk ziehende Wadenmuskulatur wirkt ebenfalls beugend.

Die Bewegung werden entweder durch knöcherne Formen und passive Strukturen begrenzt oder Muskel- und Weichteilhemmung. Wird eine Bewegung zu schnell, zu oft und zu weit ausgeführt, kann es zu Verletzungen der Strukturen kommen. Muskeln und Bänder können überdehnen, zerren, reißen, Menisken und Gelenkkapsel können einreißen, Schleimbeutel können entzünden. Bestehen Überlastungen wie durch eine X- oder O-Beinstellung oder einfaches Übergewicht, zu hohe Sportbelastungen (vor allem schnelle Start-Stop-Bewegungen, Sprünge oder zu starke Beugung unter viel Gewicht), Ungleichgewicht in der Muskelkraft oder eine veränderte Gelenkbelastung durch vorangegangene Verletzungen von anderen Strukturen, kann es zu einer Verletzung des Gelenkknorpels (Arthrose) und sogar zu einem Ermüdungsbruch kommen.

Das Problem beim Gelenkknorpel ist, dass er nicht durchblutet wird. Der einzige Ernährungsweg erfolgt über die Gelenkschmiere (Synovia/ Synovial Flüssigkeit). Diese wird durch Bewegung produziert und verteilt. Es ist also wichtig das Knie/Gelenke regelmäßig ohne viel Belastung in Bewegung zu halten. Die Arthrose im Knie wird in der Fachsprache als Gonarthrose bezeichnet. Sie ist mit eine der am häufigsten auftretende Artrhroseform im Körper. Auch Muskeln müssen gleichmäßig trainiert werden, um Alltags- oder im Speziellen Sportbelastungen Stand zu halten. Auf der anderen Seite sind ebenso Entlastung und Regenerationszeiten zu beachten, um einer Überlastung vorzubeugen. Schmerzen sollten nie ignoriert, sondern als körpereigenes Alarmzeichen gesehen werden, welches den Körper schützt und darauf hinweist, dass etwas nicht so läuft, wie es soll.

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Anatomie des Kniegelenks

Das größte Gelenk des Körpers – das Knie – stellt die Verbindung zwischen Unter- und Oberschenkel dar. Es ist zusammengesetzt aus dem unteren Ende des Femurs (Oberschenkelknochen), dem oberen Ende der Tibia (Schienbeinknochen) und der Patella (Kniescheibe). Es handelt sich also um ein Zusammenspiel mehrerer Teilgelenke. Da die Knochenstrukturen von ihrer Form her nicht genau ineinander passen, existieren einige Hilfsvorrichtungen: z.B. das flach geformte Tibiaplateau (obere Ende des Schienbeins). Darauf bewegen sich in einer Roll-gleit-Bewegung die rund geformten Kondylen des Oberschenkelknochens.

  • Um die beiden Formen für eine optimale Bewegung anzupassen und Belastungen gleichmäßig auf das gesamte Gelenk zu verteilen, befinden sich im Kniegelenk zwei Menisken.
  • Um die Stabilität zu sichern verlaufen durch die Mitte des Knies das vordere und hintere Kreuzband, dessen Namen zu Stande kommen, da sie sich von vorn betrachten in der Mitte des Knies kreuzen. Sie halten die beiden artikulierenden Knochen zusammen und verhindern ein verrutschen nach vorn oder hinten.
  • Von den Seiten wird das Knie von den Kollateralbändern (Seitenbändern) zusammengehalten, welche je rechts und links einmal über den Gelenkspalt ziehen.
  • Das größte und kräftigste Band (Oberschenkelsehne und Patellasehne) verläuft vorn flächig über die Kniescheibe. Kommend von der kräftigen vierköpfigen vorderen Oberschenkelmuskulatur (dem Musculus Quadriceps femoris) fixiert es durch seinen Verlauf die Kniescheibe am vorderen Kniegelenk, drückt es gegen Ober-Unterschenkel und setzt dann unterhalb des Kniegelenks am Schienbein an.

Ein häufig auftretendes Syndrom bei Läufern, welches genau diese Strukturen betrifft, ist das Patellaspitzensyndrom oder auch jumpers-knee genannt. Auf der Rückseite des Knies, in der Kniekehle verlaufen von oben kommend die Sehnen der hinteren Oberschenkelmuskulatur, die sogenannten Ischiokruralen Muskeln oder auch Hamstrings und von unten kommend die Ansätze der Wadenmuskulatur. Um großen Reibungen zwischen Knochen und Sehnen vorzubeugen, sind diesen Strukturen verschiedene Schleimbeutel zwischengelagert. Bänder und Gelenkkapsel sind für die sogenannte passive Stabilität im Kniegelenk zuständig.

Zusammenfassung

Das Kniegelenk ist ein komplexes Bewegungssystem aus zusammengesetzten Teilgelenken und verschiedenen passiven und aktiven Strukturen. Anfällig für Verletzungen sind besonders die Kreuzbänder und der Gelenkknorpel. Durch den zweibeinigen Gang lastet ein Leben lang viel Gewicht auf dem Knie, was auch ohne Verletzung im Laufe des Lebens durch physiologische Um- und Abbauprozesse zur Arthrose führen kann. Durch einen aktiven und gesunden Lebensstil, Vermeidung von Überlastungen, dem Durchführen von gelenkschonenden Sports und spezifischen Übungen, welche in der Krankengymnastik gelehrt werden, wird ein gesundes Knie unterstützt, Verletzungen vorgebeugt bzw. in ihrer Heilung gefördert, Krankheitsverschlechterungen verhindert und herausgezögert. Aufklärung des Patienten und eine aktive Mitarbeit sind ausschlaggebend für den Erfolg der Therapie/Krankengymnastik.