Übungen bei bestehender Spondylolisthesis

Eine Spondylolisthesis wird nach "Meyerding" in 5 verschiedene Stadien eingeteilt. Dabei wird der Grad je nach Position der Hinterkante des abgeglittenen Wirbels auf dem darunterliegenden Wirbel eingeteilt. In schweren Fällen einer Spondylolisthesis ist ein operativer Eingriff notwendig. Bei einer leichteren Spondylolisthesis sind die Therapiemöglichkeiten sehr gut.



Übungen für die Halswirbelsäule

1. statisches Anspannen der Strecker
Diese Übung stärkt die Streckmuskulatur des Halses ohne die Bandscheiben zu belasten. Im Liegen verschränken sie die Hände hinter dem Kopf. Nun drücken sie den Kopf in die Unterlage und halten die Anspannung für 10 Sekunden. Atmen Sie dabei ganz normal weiter. Vermeiden Sie Pressatmung oder das typische Luftanhalten. Entspannen Sie für 10 Sekunden. Nun spannen sie wieder für 10 Sekunden an. Wiederholen Sie die Übung etwa 5-10 mal.

2. statisches Anspannen der Beuger
Diese Übung stärkt die Beugemuskulatur des Halses ohne die Bandscheiben zu belasten. Im Liegen beugen sie den Kopf so weit wie möglich. Die Schultern sollten dabei leicht abheben und sie spüren die Spannung auch in der Brustmuskulatur. Halten Sie die Anspannung für 10 Sekunden. Atmen Sie dabei ganz normal weiter. Vermeiden Sie Pressatmung oder das typische Luftanhalten. Entspannen Sie für 10 Sekunden. Nun spannen sie wieder für 10 Sekunden an. Wiederholen Sie die Übung etwa 5-10 mal.

3. Stirnwand
Bei dieser Übung werden dynamisch auch die kleinen Halsmuskeln (Multifidi ) trainiert. Stellen sie sich etwa 1 Fuß entfernt vor eine Wand. Verschränken sie die Arme hinter dem Rücken. Der ganze Körper ist gerade aufgerichtet und sie kippen nun langsam nach vorne bis sie nur mit der Stirn Kontakt zur Wand haben. Drehen sie nun den ganzen Körper leicht nach rechts und links während sie die Spannung in der Halsmuskulatur halten. Entspannen Sie für 10 Sekunden. Nun wiederholen sie wieder für etwa 20 Sekunden. Wiederholen Sie die Übung etwa 5-10 mal.

Weitere Übungen für die HWS, welche auch bei einer Spondylolisthesis angewendet werden, können finden sie in den Artikeln:

Übungen für die Brustwirbelsäule

1. Trockenschwimmen
Diese Übung stärkt die Streckmuskulatur des Rückens ohne die Bandscheiben zu belasten. In Bauchlage heben sie den Oberkörper leicht an und strecken die Arme nach vorne. Nun machen sie die typische Bewegung mit den Armen wie beim Brustschwimmen. Wiederholen Sie die Übung je nach Kondition und Kraft. Achten Sie vor allem auf ihre Atmung. Vermeiden Sie Pressatmung.

2. Katzenbuckel und Pferderücken
Ein Training der Bauch und Rückenmuskulatur kann mit dieser Übung sehr gut erreicht werden. Begeben Sie sich in den Vierfüßlerstand. Die Hände sind etwa schulterbreit auseinander. Nun machen sie abwechselnd einen Katzenbuckel und ein Hohlkreuz. Wenn sie unter einem Sprungschanzenphänomen oder allgemeiner Hohlkreuz-Haltung leiden, sollten sie lediglich den Katzenbuckel ausführen. Halten Sie die jeweilige Position für etwa 10 Sekunden.

3. Achtern
Ein Training für die Bauch- und tiefe Rückenmuskulatur kann mit dieser Übung effektiv umgesetzt werden. Im Stand sind die Füße etwa schulterbreit auseinander. Die Knie sind leicht angebeugt. Die Arme werden nach vorne ausgestreckt und die Hände wie beim Beten verschränkt. Nun zeichnen sie eine 8 mit ihren Händen. Starten Sie mit langsamen großen Bewegungen und enden sie mit kleinen schnellen Bewegungen. Wiederholen Sie je nach Kondition und Kraft die Übung. Eine Steigerung der Übung erfolgt im Einbeinstand.

4. statischer Unterarmliegestütz
Hierbei wird die Bauch- und Rückenmuskulatur trainiert. Begeben Sie sich in die Liegestützposition. Die Unterarme liegen am Boden auf. Die Hände sind etwa schulterbreit auseinander. Achten Sie darauf, dass der Rücken nicht durchhängt. Halten Sie die Position für etwa 5-10 Sekunden. Die Übung kann gesteigert werden indem sie ein Bein gestreckt in der Luft halten.

Weitere Übungen für die Stabilität der  BWS finden Sie in den Artikeln: 

Übungen für die Lendenwirbelsäule

1. isometrisches Anspannen
Dieses Training fördert vor allem die Rumpfstabilität. Begeben Sie sich in die Rückenlage. Die Beine sind angestellt und die Arme liegen seitlich neben dem Körper. Drücken Sie nun die Fersen in die Unterlage, ziehen sie die Füße Richtung Decke hoch, spannen sie den Bauch an und drücken sie mit den Armen in die Unterlage. Halten Sie die Spannung für 10 Sekunden. Wiederholen Sie die Übung 5-10 mal.

2. isometrisches Anspannen mit Brustmuskulatur
Auch dieses Training fördert vor allem die Rumpfstabilität. Begeben Sie sich in die Rückenlage. Die Beine sind angestellt, die Arme vor dem Körper, die Ellenbogen zeigen zur Seite und die Hände sind ineinander verhakt. Drücken Sie nun die Fersen in die Unterlage, ziehen sie die Füße Richtung Decke hoch, spannen sie den Bauch an und ziehen sie gegen den Widerstand ihrer Hände die Arme auseinander. Halten Sie die Spannung für 10 Sekunden. Wiederholen Sie die Übung 5-10 mal.

3. isometrisches Anspannen mit Bauchmuskulatur
Wie auch Übung 1 und 2 fördert dieses Training vor allem die Rumpfstabilität. Begeben Sie sich in die Rückenlage. Die Beine sind angestellt, die Hände liegen auf den Oberschenkeln. Drücken Sie nun die Fersen in die Unterlage, ziehen sie die Füße Richtung Decke hoch, spannen sie den Bauch an und drücken sie mit den Händen gegen ihre Oberschenkel. Halten Sie die Spannung für 10 Sekunden. Wiederholen Sie die Übung 5-10 mal.

4. Bauchmuskeln gezielt trainieren
Begeben sie sich in die Rückenlage. Die Beine sind angestellt, die Arme vor dem Körper verschränkt und die Hände liegen auf den Schultern auf. Spannen Sie nun die Bauchmuskeln an und heben den Oberkörper leicht von der Unterlage ab. Wiederholen Sie die Übung 5-10 mal. Achten Sie auf eine gleichmäßige Atmung und rhythmische Ausführung der Übung. Wenn sie auch die schräge Bauchmuskulatur trainieren wollen, drehen sie den Oberkörper dabei jeweils nach rechts und links ein.

Weitere gute Übungen für die LWS bei einer bestehenden Spondylolisthesis finden Sie in den Artikeln:

Was kann eine Spondylolisthesis auslösen?

Bei einer Spondylolisthesis (Wirbelgleiten, Spondylolisthese, Gleitwirbel) liegt ein Abgleiten von Wirbeln nach ventral (vorne) vor. Die Wirbelgelenke sind instabil. Typisch ist das Auftreten vor allem im Lendenwirbelbereich. Dies führt zu Bewegungseinschränkungen und Schmerzen im Bereich der lumbalen Wirbelsäule (LWS). Ausgelöst wird eine Spondylolisthesis durch eine vorangegangene Spondylolyse, welche eine Überbeweglichkeit im betroffenen Wirbelsäulensegment verursacht. Bestimmte Sportarten wie Turnen, Delphinschwimmen ,Trampolinspringen oder Speerwerfen können bei entsprechender Trainingsbelastung eine Spondylolisthesis auslösen, da eine hohe Belastung bei gleichzeitiger Überstreckung (Hyperlordosierung) der Wirbelsäule auf diese einwirkt. Durch die Überbeweglichkeit des Wirbelsäulensegments entstehen unterschiedliche Druckverhältnisse an den Wirbelgrundplatten und Wirbeldeckplatten. Dies wiederum führt zu einem ungleichen Wachstum des Wirbelkörpers. Es entsteht als Folge daraus eine Spondylolisthesis. Im Kindes- und Jugendalter ist das Risiko am höchsten, da die Wirbel schließlich noch in der Wachstumsphase sind.

Kontraindikationen

  • Vermeiden sie Übungen, welche die Überbeweglichkeit noch zusätzlich fördern könnten sowie übertriebene abrupte Bewegungen oder Dehnübungen, welche die Symptomatik verschlimmern könnten. 
  • Sprünge oder hohe Belastungen der Wirbelsäule durch Gewichte (Hanteltraining) sind kontraproduktiv.

Wenn sie an einer Hyperlordose, Sprungschanzenphänomen oder einem Hohlkreuz leiden, sollten sie speziell die Bauchmuskulatur trainieren und Dehnübungen für die Rückenmuskulatur und ischiocrurale Muskulatur in Betracht ziehen. Bei Morbus Bechterew oder Rundrücken-Symptomatik ist es empfehlenswert die Rückenmuskulatur (insbesondere die tiefen Muskeln) zu beüben und Dehnübungen für Brust und Bauchmuskeln in das Trainingsprogramm zu integrieren. Sollten sie zusätzlich an einer Osteoporose leiden oder bereits ein fortgeschrittenes Stadium der Spondylolisthesis (mit drohender Stenose) erreicht haben, kontaktieren sie ihrem Arzt oder Therapeuten um ihre Belastungsfähigkeit zu erörtern. Eventuell wird in härteren Fällen sogar zur operativen Spondylodese oder Dekompression (z.B. Versteifung von Wirbeln oder Beseitigung von Spinalkanalstenosen) geraten.

Weitere therapeutische Maßnahmen

Bei einer Spondylolisthesis kann auch Massagetherapie eingesetzt werden um verspannte Muskelgruppen zu lösen. Zur Schmerztherapie hat sich die Anwendung von Elektrotherapie oder auch Ultraschallanwendungen bewährt. Das Tragen von Korsetts um die Wirbelsäule zu entlasten kann in besonderen Fällen eingesetzt werden um Läsionen zu vermeiden. Effektiv ist auch die Wassergymnastik, da die Wirbelsäule dabei entlastet wird und Muskelgruppen sehr umfangreich trainiert werden können.

Der Einsatz von arbeitsergonomischen Tischen, Stehpulten und Bürostühlen sollte bei entsprechenden Bürotätigkeiten berücksichtigt werden. Wichtige Tipps dazu erhalten Sie in dem Artikel Haltungsverbesserung am Arbeitsplatz 

Atemtherapie kann und sollte in Kombination mit stabilisierenden Übungen angewandt werden um auch die Intercostalmuskulatur und Atemhilfsmuskeln in eine Therapie mit einzubeziehen. Auch das Beckenbodentraining (insbesondere bei einer Hyperlordosierung) ist als Maßnahme zu empfehlen, da der Beckenboden und die damit verbundenen Strukturen durch eine Fehlhaltung geschädigt werden können oder bereits betroffen sind. Bei leichteren Formen der Spondylolisthesis ist eine Schlingentisch-Behandlung eine weitere Therapiemöglichkeit um die Bandscheiben zu entlasten und Blockaden zu lösen.

Zusammenfassung

Das Krankheitsbild der Spondylolisthesis kann ein degenerativer Prozess sein, bei dem durch Abnutzung Wirbel gegeneinander verschoben sind. Häufig anzutreffen ist sie allerdings im Kindes- und Jugendalter bei Turnern, Delphinschwimmern, Trampolinturnern und ähnlichen Sportarten, bei denen enorme Belastungen auf Wirbel einwirken, die noch in der Wachstumsphase sind. Daher sollte eine genaue Analyse erfolgen um zunächst die beitragenden Faktoren zu beseitigen und dann im zweiten Schritt eine adaptierte Therapie zu entwickeln. Da meist eine muskuläre Instabilität verbunden mit abrupten Bewegungen und Überdehnungen über einen längeren Zeitraum der Auslöser ist, sind statische Übungen zur Kräftigung des Halteapparats angebracht. Je früher die Krankheit erkannt wird und der Wachstumsprozess der Wirbel noch nicht abgeschlossen ist, desto besser sind die Therapiemöglichkeiten, da durch gezielte Übungen und Haltungskorrekturen eingegriffen werden kann. Allgemein kann festgestellt werden, dass einseitige Überlastungen vermieden werden sollten und ein ständiges Training des Stützapparates der Rumpfmuskulatur und auch der tiefen Rückenmuskeln (Multifidi) vorbeugend wirken. Es gibt zahlreiche Varianten und Anleitungen zu isometrischen und dynamischen Übungen die je nach Grad der Krankheit in den Alltag integriert werden können.