Krankengymnastik bei einem LWS Syndrom

Es gilt die Ursache des LWS Syndroms in der aktiven Krankengymnastik zu therapieren. In den meisten Fällen besteht die Lösung in der Bewegung. Bewegung sorgt für die Ernährung der Bandscheiben und für eine bessere Durchblutung der verspannten Muskulatur. Einige einfache Übungen zu Hause, die auch bei akutem Schmerz angewandt werden können, werden im Folgenden vorgestellt.

Übungen - für Zuhause

  • Zunächst geht es in den Vierfüßlerstand. Ober-Unterschenkel befinden sich im rechten Winkel, die Knie sind unter den Hüften platziert, die Hände unter den Schultergelenken. Zunächst wird versucht, Steißbein und Kopf weit voneinander wegzuschieben, also einen langen geraden Rücken machen um Platz in der Wirbelsäule zu schaffen. Dies sorgt für ein gutes Körpergefühl, kräftigt die Haltemuskulatur und Entlastet die Bandscheiben. Im Vierfüßlerstand immer darauf achtgeben, dass die Handgelenke leicht gebeugt sind, das Gewicht nicht nur auf den Gelenken lastet, sondern auf die ganze Hand bis in die Fingerspitzen verteilt ist. Die Ellbogen sind leicht nach innen gedreht. Weitere Fallen sind hochgezogenen Schultern, abstehende Schulterblätter und ein durchhängender Bauch. Lassen Sie sich hin und wieder von einer zweiten Person beobachten und korrigieren.
     
  • Im Anschluss wird die Wirbelsäule nach und nach langsam eingerollt: von Becken bis Kopf wird ein kräftiger Buckel geformt, das Kinn am Ende zieht zur Brust, die komplette hintere Kette wird verlängert. Nach kurzem verharren in dieser Position und einem tiefen Atemzug, welcher die hinteren Rippen und den Brustkorb noch weiter werden lässt, wird nun wieder von Becken Richtung Kopf die Wirbelsäule kontrolliert abgerollt: das Becken kippt nach vorne bis ein Hohlkreuz entsteht, das Brustbein richtet sich nach vorn oben, der vordere Brustkorb öffnet sich und der Kopf wird leicht in den Nacken gelegt. Diese zwei Bewegungen werden im harmonischen Wechsel 10-15 Mal durchgeführt und bei Bedarf in 2-3 Sätzen wiederholt. Oft ist bereits nach dieser harmonischen Mobilisierungsübung eine Schmerzlinderung festzustellen.
  • Um die Lendenwirbelsäule im speziellen zu mobilisieren und gleichzeitig die wichtige Bauchmuskulatur mehr zu fordern, wird sich mit aufgestellten Beinen in Rückenlage gelegt. Mit viel Spannung wird das Becken nun im Wechsel vor und zurück gekippt, wobei die Lendenwirbelsäule kräftig auf den Untergrund gedrückt wird. Gut kombinierbar mit einer ruhigen tiefen Bauchatmung.
     
  • Eine Eigentraktion wirkt entlastend auf die Strukturen und ist einfach in einem Bett durchführbar. Hierfür wird sich in Bauchlage gelegt, die Füße hängen am Fußende im Überhang, sodass die Fußrücken gerade das Bettende berühren. Nun werden die Fußspitzen kräftig gegen das Bett herangezogen, der Po kräftig zusammengespannt und Richtung Fersen rausgeschoben und der Bauchnabel weit zur Wirbelsäule gedrückt. Einige tiefe Atemzüge in diese gehalten Verlängerung durchführen und mit jeder Ausatmung die Spannung verstärkt. Etwa 8 mal wiederholen, locker lassen und Spannung wieder Schritt für Schritt aufbauen. Legen Sie sich zur Hilfe ein flaches Kissen unter den Bauch.

Auf Langzeit ist es sinnvoll, eine kräftige Rumpfmuskulatur aufzubauen, welche den Alltagsbelastungen standhalten kann. Stabilisierende Übungen wie der Unterarmstütz, Liegestütze und gängige Bauchmuskelübungen wie Crunches, der Käfer oder Fahrradfahren in Rückenlage eignen sich hierfür. Ansonsten ist tägliche Bewegung das A und O für einen gesunden Rücken.

Weitere Übungen finden Sie in den Artikeln:

Möglichkeiten/ Inhalte einer Therapie bei einem LWS Syndrom

Als weitere passive Unterstützung in der Physiotherapie/Krankengymnastik um die Schmerzen bei einem LWS Syndrom loszuwerden, sind Maßnahmen wie klassische Massagen, Triggerpunkttherapie, warme Fangopackungen, Entlastung durch den Schlingentisch und Manuelle Traktion oder Muskelentspannung durch Elektrotherapie angebracht. Im Endeffekt muss bei jedem Patienten individuell entschieden werden, welche Maßnahmen helfen.

LWS Syndrom - was steckt genau hinter dem Begriff?

Im Allgemeinen wird bei Beschwerden der unteren Wirbelsäule vom Lendenwirbelsäulen Syndrom gesprochen – kurz LWS Syndrom. Den unteren Rücken, die sogenannte Lendenwirbelsäule, betrifft ein Großteil der Rückenleiden und Krankheitsbilder der Wirbelsäule. In den meisten Fällen, ist der Rückenschmerz unspezifisch – das heißt, ohne erkennbare Ursache. Treten die Schmerzen plötzlich nach einer (falschen) Bewegung auf, wird im Volksmunde von einem Hexenschuss gesprochen. Oft kommen zu den Schmerzen bei einem LWS Syndrom noch ein Instabilitätsgefühl, eine herabgesetzte Belastbarkeit oder eine verminderte Beweglichkeit, hinzu. Die unterschiedlichen Symptome ergeben sich aus den unterschiedlichen Ursachen des LWS Syndroms.

Zusammenhang zwischen Wirbelsäule und LWS Syndrom

Um die Problematik verständlich zu machen, wird zunächst der anatomische Aufbau der Wirbelsäule, dem starken Mast des Rückens, erläutert. Die Wirbelsäule ist von der Seite betrachtet, geformt wie ein S und besteht aus 24 Wirbelkörpern – 5 in der Lendenwirbelsäule, 12 in der Brustwirbelsäule und 7 in der Halswirbelsäule – und ihren als Puffer und Lastverteiler zwischengelagerten Bandscheiben. Zwischen den einzelnen Wirbeln sowie über die ganze Länge zieht sich von Kopf bis Becken ein stabilisierender Bandapparat. Es handelt sich um die sogenannte passive Stabilität. Die Halswirbelsäule ist nach vorne gewölbt. Diese Vorwölbung nennt sich Lordose. Im Anschluss folgt die Brustwirbelsäule, welche nach hinten gewölbt ist – eine sogenannte Kyphose. Zu guter Letzt folgt die Lendenwirbelsäule – wieder eine Lordose. Bei einer übermäßig ausgeprägten Lendenlordose, meist aufgrund einer zu schwachen Bauchmuskulatur, entsteht das typische Hohlkreuz. Nach der Lendenwirbelsäule folgen das Kreuz- und Steißbein, beide wieder im Sinne einer Kyphose nach hinten gewölbt.

Des Weiteren existiert die aktive Stabilität, welche von der kräftigen Rumpfmuskulatur gebildet wird. Rücken- und Bauchmuskulatur bilden im harmonischen Zusammenspiel ein Muskelkorsett, welches das passive System schützt, stützt und bewegt. Je nach Aufbau und Verlauf haben einige Muskeln in erster Linie eine Haltefunktion und andere übernehmen die Bewegungsfunktion.

Eine weitere wichtige Struktur im Bereich der Wirbelsäule sind die Nerven. Diese entspringen im Wirbelkanal und ziehen als Spinalnerven durch kleine Löchlein zwischen den Wirbeln. Von dort ziehen sie zu verschiedenen Körperregionen, um diese mit Aufträgen des Zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark) zu versorgen. Die verschiedenen Körperregionen leiten genauso Informationen ans Zentrale Nervensystem.

Ist ein Teil dieses komplexen Wirbelsäulen-Systems betroffen, kommt es zu den typischen Symptomen, welche das LWS Syndrom bezeichnet. Durch instabile Bänder, zu schwache Muskulatur, falsche Haltung und/ oder Überlastung der Bandscheiben sowie der Einengung der Nerven (Spinalkanalstenose) in ihren Austrittslöchern, kommt es oft zu bewegungsabhängigen Schmerzen.

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Zusammenfassung

Das unangenehme und oft mit langanhaltenden Schmerzen verbundene LWS Syndrom ist in unserer sitzenden Gesellschaft keine Seltenheit. Einige passive und aktive Maßnahmen helfen, dem akuten Schmerz entgegen zu wirken. Auf Langzeit muss allerdings die Ursache herausgefiltert werden, um diese gezielt zu behandeln, ein geeignetes Alltags-Handling zu finden und vor allem aktiv eine kräftige Muskulatur aufzubauen, die das passive System schützen und stützen kann. Regelmäßige Bewegung und ein gesunder Lebensstil sind ausschlaggebend für anhaltenden Schmerzfreiheit.