Übungen bei einer Knie-TEP

Bei einer Totalendoprothese, im Volksmund auch künstliches Knie genannt ist eine gute Vor- und Nachsorge unerlässlich für einen komplikationslosen und zügigen Rehabilitationsverlauf. Das Beweglichkeits-, Koordinations- und Krafttraining spielen eine zentrale Rolle dabei.  Ein Team von Ärzten und Therapeuten wird den Betroffenen vor, während und nach dem Eingriff begleiten und professionell anleiten. Eine Vielzahl verschiedener Übungen mit und ohne Hilfsmittel werden patientenindividuell aufeinander abgestimmt, damit das operierte Knie schnellstmöglich wieder voll belastbar ist und die Betroffenen ihren Alltag wieder uneingeschränkt meistern können.

In diesem Artikel finden Sie generelle Informationen um das Thema Knie-TEP.



Einfache Übungen zum Nachmachen

Bei den nachfolgenden Übungen handelt es sich um eine gemischte Auswahl verschiedener Übungen aus unterschiedlichen Phasen der Rehabilitation. Welche der Übungen für ihre Situation am Besten geeignet sind, besprechen Sie am besten mit ihrem behandelnden Physiotherapeuten. Warum Übungen wichtig sind nach einer Knie-TEP OP erfahren Sie in diesem Artikel.

1) Beweglichkeit

Diese Übung ist sehr gut im Anfangsstadium nach der OP geeignet, um das Knie ausreichend zu bewegen. Setzen Sie sich hierfür auf einen Stuhl, der in einem Raum ohne Teppich steht. Legen Sie sich ein Handtuch unter den Fuß des operierten Beines. Nun wischen Sie das Handtuch vorsichtig mit dem Fuß über den Boden. Die Bewegungsrichtung sollte sich dabei nur auf vor und zurück beschränken. Führen Sie die Übung ruhig mehrmals täglich durch.

2) Kräftigung der Muskulatur

Setzen Sie sich auch für diese Übung auf einen Stuhl. Heben Sie nun das operierte Bein an und strecken es gerade nach vorne, sodass Ober- und Unterschenkel eine möglichst gerade Linie bilden. Senken Sie das Bein dann wieder hinab.
Berühren Sie aber nicht den Boden sondern wiederholen die Übung 15 mal.

3) Kräftigung der Muskulatur

Lehnen Sie sich mit dem Rücken gegen eine Wand und senken sich dann langsam in eine leichte Hocke hinab. Die Knie sollten dabei jedoch nicht über 40° gebeugt werden. Drücken Sie sich dann wieder hoch. Wiederholen Sie diesen Bewegungsablauf 15 mal.

4) Koordination und Kräftigung der Muskulatur

Legen Sie sich gerade auf den Rücken. Die Beine sind ausgestreckt und die Arme liegen locker neben dem Körper. Heben Sie nun das operierte Bein leicht vom Boden an. Führen Sie das Bein in der Luft so weit es geht nach außen, dabei zeigen auch ihre Zehenspitzen nach außen. Nun führen Sie es nach innen über das andere Bein hinweg. Die Zehenspitzen zeigen dabei nach innen.
Wiederholen Sie die Übung 10 mal.

5) Kräftigung der Muskulatur und Stabilität

Legen Sie sich auf den Bauch und legen ein leicht zusammengerolltes Handtuch unter ihre Knie. Nun winkeln Sie die Beine 90° in der Luft an. Überkreuzen Sie nun in der Luft die Beine, sodass der Fuß ihres gesunden Beines über der Wade des operierten Beines liegt. Drücken Sie nun das operierte Bein gegen den Widerstand des gesunden Beines in Richtung Gesäß.
Halten Sie die Spannung 15-20 Sekunden. Wiederholen Sie die Übung 3 mal mit kurzen Pausen.

6) Dehnung

Setzen Sie sich gerade und aufrecht auf einen Stuhl. Das gesunde Bein ist normal angewinkelt, das operierte Bein gerade nach vorne gestreckt, sodass nur die Ferse auf dem Boden steht. Rücken Sie nun ganz an die Stuhlvorderkante heran und beugen den Oberkörper nach vorne. Achten Sie darauf, dass ihr Rücken und Kopf gerade bleiben. Sie sollten nun eine Dehnung an der Rückseite ihres Beines und am Schienbein spüren.
Halten Sie die Dehnung etwa 20 Sekunden. Nach einer kurzen Pause machen Sie noch 2 weitere Durchgänge.

Weitere Informationen zu Übungen und auch weitere Übungsvarianten finden Sie in diesen Artikel: 

Übungen mit dem Theraband

1) Kräftigung

Für diese Übung wird das Theraband auf Hüfthöhe befestigt (zum Beispiel an einer Türklinke). Stellen Sie sich seitlich neben die Tür und befestigen das andere Ende des Therabandes am äußeren Fuß. Stellen Sie sich gerade und aufrecht hin, die Beine sind schulterbreit nebeneinander. Führen Sie nun das äußere Bein seitlich, gegen die Spannung des Therabandes nach oben und dann langsam wieder zurück. 2 mal 10 Wiederholungen, dann die Seiten wechseln.

2) Kräftigung

Bei der nächsten Übung ist der Übungsaufbau gleich, dieses mal stellen Sie sich jedoch mit dem Rücken zur Tür. Beginnen Sie indem Sie das Theraband um einen beliebigen Fuß wickeln und führen das Bein entgegen der Spannung des Therabandes vorne nach oben und langsam wieder zurück. Hier ebenfalls 2 mal 10 Durchgänge bevor die Seiten gewechselt werden.

3) Kräftigung

Für die dritte Übung wird das Theraband etwas oberhalb des Kniegelenkes um beide Oberschenkel gebunden. Stellen Sie sich gerade und aufrecht hin, die Beine sind schulterbreit auseinander, so das eine leichte Spannung des Therabandes besteht. Führen Sie nun langsam Kniebeugen durch, wobei Sie die Spannung des Therabandes aufrechterhalten. 3 mal 10 Wiederholungen.

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Vollbelastung

Ab wann und in welchem Umfang die Vollbelastung nach einer TEP am Knie erlaubt ist, hängt zum einen von der Prothese ab (bei zementierten Prothesen ist nach 1 Woche Vollbelastung erlaubt, bei nicht zementierten Prothesen nach ca. 3 Wochen). Das bedeutet allerdings nicht, dass der Patient dann schon wieder voll einsatzfähig ist und Sport betreiben darf.
Auch auf die Gehhilfen sollte zumindest noch nicht komplett verzichtet werden, damit Verletzungen vermieden und das frisch operierte Knie geschützt werden können. Dies ist vor Allem darin begründet, dass sich die Muskelmasse extrem zurückgebildet hat und das Knie sehr instabil und verletzungsanfällig ist. An die Vollbelastung im Alltag wird das künstliche Knie erst nach und nach in der Rehabilitation wieder herangeführt.
Durch gezielte Übungen werden die geschwächten Strukturen wieder gekräftigt und Koordination und Beweglichkeit verbessert. Dieser Prozess nimmt trotz aller Disziplin und Ausdauer Zeit in Anspruch, sodass die meisten Patienten bei einem komplikationslosen Heilungsverlauf nach ungefähr 4-6 Wochen eine volle Belastbarkeit im Alltag erreichen. Lange Gehstrecken oder Ausdauersport ist nach ca. 8-12 Wochen problemlos möglich. Trotz voller Belastbarkeit sollten die Betroffenen jedoch zukünftig auf Kontaktsportarten und Sportarten die viele Stopp- und Drehbewegungen erfordern verzichten, um das Verletzungsrisiko zu minimieren.

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Komplikationen nach einer OP

Komplikationen nach einer Knie TEP äußern sich für die Betroffenen in den meisten Fällen durch Schmerzen oder einen verzögerten Rehabilitationsprozess. Eine Operation ist immer ein großer Eingriff und auch die Ursachen die zum Nötigwerden einer TEP geführt haben, sowie ein schlechter Allgemeinzustand des Kniegelenkes sind Risikofaktoren für anschließende Komplikationen.
Zu den Komplikationen bei einem künstlichen Kniegelenk gehören:

  • die typischen Risiken einer Operation
  • die Lockerung der Prothese
  • Infektionen
  • Instabilitäten
  • Osteolysen (Knochenabrieb)
  • Arthrofibrose (entzündliche Erkrankung des Bindegewebes)

In manchen Fällen ist der Grund für die Schmerzen auch gar nicht auf das operierte Knie zurückzuführen sondern strahlt von einer anderen Problemregion (z.B. der Hüfte) aus. In jedem Fall sollten postoperative Schmerzen, die nicht den normalen Wundschmerzen entsprechen oder extrem stark und penetrant sind, immer mit dem Arzt besprochen werden, damit dieser gegebenenfalls diagnostische Maßnahmen einleiten kann, um der Ursache der Probleme auf den Grund zu gehen. Je früher man die Probleme erkennt, desto größer ist die Chance, dass es zu keinen schwerwiegenden Komplikationen kommt, sodass der Heilungsprozess möglichst nicht lange verzögert wird.

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Übungen nach einer OP

1) Kräftigung

Stellen Sie einen Fuß auf eine Stufe, während der andere Fuß am Boden bleibt. Verlagern Sie nun ihr Gewicht auf den vorderen Fuß, der auf der Stufe ist, sodass sich das hintere Bein vom Boden hebt.
Halten Sie die Position 2 Sekunden und kehren dann in die Ausgangsstellung zurück. 15 Wiederholungen, dann die Seiten wechseln.

2) Dehnung

Legen Sie sich auf den Rücken. Arme und Beine sind locker ausgestreckt. Heben Sie nun ein Bein so gerade wie möglich nach oben, sodass Bein und Hüfte im 90° Winkel zueinander sind und die Fußsohle zur Decke zeigt.
Halten Sie die Dehnung 20-30 Sekunden und wechseln dann die Seiten.

3) Kräftigung und Stabilisierung

Legen Sie sich auf den Rücken und stellen die Füße auf. Die Arme liegen locker an den Seiten. Drücken Sie nun ihr Gesäß vom Boden in Richtung Decke, sodass Oberschenkel und Rücken eine gerade Linie bilden.
Halten Sie die Position 20 Sekunden und senken das Gesäß dann wieder zum Boden ab. Nach einer kurzen Pause nochmal wiederholen. Zur Erschwerung kann die Übung im weiteren Verlauf der Rehabilitation auch einbeinig im Wechsel durchgeführt werden.

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Physiotherapie/ Nachbehandlung

Ziele während der Nachbehandlung bei einer Totalendoprothese des Knies sind es in erster Linie den Patienten schmerzfrei zu bekommen und die Beweglichkeit und Belastbarkeit des Knies wieder herzustellen. Eine zentral Rolle spielt hierbei die Physiotherapie.
Zu Beginn wird hier mit passiven Übungen das Bein sanft ohne mithilfe des Patienten durch den Therapeuten bewegt und Gangtraining an den Gehhilfen gemacht. Zusätzlich können leichte Massagen und Lymphdrainage dafür sorgen, dass der Lymphfluss angeregt und somit einer starken Schwellung vorgebeugt wird. Unterstützendes Kühlen kann helfen Schwellung und Schmerzen im Zaum zu halten.
Ist die Wunde geschlossen ist auch Wassergymnastik eine gute Möglichkeit mit der Therapie zu beginnen, da der Wasserdruck einen positiven Einfluss auf den Lymphfluss hat und Bewegungen im Wasser leichter ausgeführt werden können. Allgemein wird ein patientenindividueller Rehabilitationsplan entwickelt, bei dem der Betroffene stufenweise wieder an die volle Belastung herangeführt werden soll. Ein erfahrener Therapeut wird den Betroffenen durch die einzelnen Phasen der Rehabilitation begleiten und je nach Fortschritt angemessene Übungen durchführen, die das Kniegelenk stärken, stabilisieren und mobilisieren sollen. Auch die ersten sportlichen Aktivitäten, wie Laufen am Laufband oder auf dem Cross Trainer können vom Physiotherapeuten überwacht werden, um Fehlern im Bewegungsablauf direkt vorzugreifen. Insgesamt beginnt die Nachbehandlung einer TEP direkt am Operationstag und dauert zwischen 8-12 Wochen.

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Zusammenfassung

Zusammenfassend sind Dehn-, Kräftigungs-, Mobilisations-, Stabilitäts- und Koordinationsübungen ein essentieller und großer Bestandteil der Rehabilitation nach einer Totalendoprothese am Knie. Sie sorgen nicht nur dafür, dass der Patient nach dem Eingriff wieder möglichst schnell auf die Beine kommt, sondern sorgen auch in Vorbereitung auf die Operation für eine gute Grundlage and den anschließenden Heilungsprozess. Patienten wird geraten auch nach Abschluss der Reha- Maßnahmen die erlernten Übungen in Eigenregie weiter durchzuführen, damit das Knie auch langfristig mobil und beweglich bleibt und die Prothese bestmöglich stabilisiert wird. Dies ermöglicht den Patienten einen nahezu uneingeschränkten Alltag.