Schleudertrauma

Bei einem Schleudertrauma handelt es sich um eine traumatisch bedingte Muskelverletzung der Nackenmuskulatur. Aufrgund von heftigen Bewegungen der Halswirbelsäule kommt es zur Zerrung der Nackenmuskulatur und daraus resultierenden Verletzungen. Die Symptome eines Scheudertraumas sind vielfältig und können unmittelbar nach dem Unfall oder einige Tage danach auftauchen.

Ursachen

Die Ursachen eines Schleudertraumas sind traumatisch bedingt. Infolge von hohen Schleuderkräften auf die Halswirbelsäule kommt es zu einer heftigen Bewegung dieser nach vorne und/oder hinten. Nicht nur die Halswirbelsäule, sondern auch die Muskulatur in diesem Bereich ist den Scherkräften ausgesetzt. Um die Knochen und Bandscheiben vor Verletzungen zu schützen, verspannt die Muskulatur und überdehnt sich. Durch diese Überdehnung entstehen Verletzungen im Muskel. Häufig entstehen solche heftigen Schleuderkräfte bei einem Auffahrunfall. Aber auch Kampfsport oder das Reiten bieten Risiken, ein Schleudertrauma zu erleiden. So müssen es beim Erwachsenen größere Kräfte sein, die zu einer Überdehnung der Halswirbelsäulenmuskulatur führen.

Symptome

Häufige Symptome eines Schleudertraumas sind Einschränkungen in der Beweglichkeit der Halswirbelsäule. Hinzu kommen können Schmerzen im Nacken- und Kopfbereich. Neben diesen Symptomen können bei einem Schleudertrauma durch Irritation des Rückenmarks auch Schwindel oder Übelkeit auftreten sowie Störungen des Seh- oder Hörsinns. Zudem kann es bei Unfällen zu einem Anstoßen des Kopfes an einen umliegenden Gegenstand kommen. In diesem Fall können sich auch Symptome am Kopf bemerkbar machen, die häufig in Kombination mit einem Schleudertrauma auftreten. Auch die Psyche kann sich durch einen Unfall auf struktureller oder seelischer Ebene verändern.

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Eine genaue Inspektion des Kopfbereiches und des gesamten Körpers ist unumgänglich, da bei einem Unfall mehrere Körperbereiche verletzt werden können. Die Symptomatik eines Schleudertraumas ist vielfältig und kann vereinzelt oder in Kombination auftreten. Die Symptome können sich direkt nach dem Unfall oder erst nach Tagen bemerkbar machen. Der Schweregrad der Schädigung kann von leichten Verspannungen der Nackenmuskulatur bis hin zu schweren Schädigungen lebenswichtiger Gefäße oder Nerven reichen.

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Übelkeit nach einem Schleudertrauma

Wenn sich Übelkeit in Zusammenhang mit einem Schleudertrauma zeigt, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Übelkeit und Erbrechen können auf eine Schädigung des Hirnstammes bzw. erhöhten Hirndruck hinweisen. Ursachen hierfür können Schädigungen der peripheren Nerven sein, die im Bereich der Halswirbelsäule austreten oder direkte Schädigungen des Gehirns, falls der Kopf ebenfalls ein Trauma erlitten hat. Nicht immer muss Übelkeit auf eine direkte Nervenschädigungen hinweisen. Ebenso kann eine einfache Irritation der Rezeptoren im Bereich der Halswirbelsäule zugrunde liegen, welche in der Regel gut behandelbar ist. Dennoch sollten schwere Schädigungen oder Folgeerscheinungen durch den Arzt ausgeschlossen werden

Schwindel nach einem Schleudertrauma

Neben Übelkeit kann auch Schwindel ein Zeichen für Schädigungen lebenswichtiger Organe oder Nerven sein. Beim Erscheinen von Schwindel direkt nach dem Schleudertrauma oder einige Tage danach sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden. Schwindel kann durch eine Irritation des Rückenmarks im Bereich der Halswirbelsäule hervorgerufen werden. Wenn der Kopf durch heftige Bewegungen nach vorne oder hinten geschleudert wurde, kann auch das Gleichgewichtsorgan irritiert sein, woraufhin der Schwindel folgt. Solche Symptome sind gut behandelbar und können mit der Zeit der Regeneration auch verschwinden. Jedoch sollten schwerwiegendere Schädigungen zeitnah ausgeschlossen werden.

Symptome erst Tage nach einem Schleudertrauma

Da die überdehnte Muskulatur sich wieder regenerieren muss, läuft ein Heilungsprozess an den geschädigten Strukturen ab. So können durch nachfolgende Entzündung und Schwellung im Muskelgewebe auch erst Tagen nach einem Schleudertrauma Schmerzen oder Verspannungen auftreten. Es liegt also nahe, dass sich die Symptome nach einigen Tagen verstärken können. Entzündung und Schwellung sind physiologische Prozesse während der Heilung und können über mehrere Tage andauern.

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Diagnose

Nach Unfällen wird eine allgemeine Untersuchung durchgeführt, die sich nicht nur auf den Halswirbelsäulenbereich beschränkt. Zuerst wird der Arzt eine Anamnese erheben, wodurch Ursache und Verlauf des Unfalls klargestellt werden. Nach einer ausführlichen körperlichen Untersuchung werden Folgeuntersuchungen durchgeführt: Gängige Untersuchungen stellen bildgebende Verfahren wie Röntgen oder die Magnetresonanztomographie (MRT) dar.  Auf diese Weise können sich die Ärzte einen Gesamtüberblick über mögliche Begleitverletzungen verschaffen. Da bei einem Unfall mehrere Körperregionen verletzt werden können, erfolgen bei Bedarf oder entsprechender Symptomatik weitergehende Untersuchungen, beispielsweise der Gefäße oder Nerven. Sollten zu den Symptomen auch Störungen des Hörens oder Sehens hinzukommen, werden auch diese Sinnesorgane untersucht.

Behandlung eines Schleudertraumas

Die Behandlung richtet sich nach den Strukturen, die verletzt wurden. Je nachdem wie stark die Nerven betroffen sind und welche Bewegungseinschränkungen daraus resultieren, kann  Physiotherapie oder Ergotherapie verordnet werden. Bei Schädigung der knöchernen Strukturen oder der Bandscheiben sind entlastende Ruhigstellung, Muskelaufbautraining bzw. operative Methoden mögliche Therapieoptionen. Bei Verletzung lebenswichtiger Strukturen bzw, Organe muss zeitnah eine Operation erfolgen, um bleibende Schäden zu vermeiden oder zu minimieren. Unterstützend können symptomorientiert Medikamente verordnet werden. Wichtig ist es, den verletzten Strukturen Zeit zu geben, zu heilen. Ein Übermaß an Therapie kann sich auch negativ auf das Beschwerdebild auswirken.

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Übungen und Physiotherapie nach einem Schleudertrauma

Gegen die Verspannung der Nackenmuskulatur nach einem Schleudertrauma helfen Dehnübungen. Jedoch sollten diese erst nach einigen Tagen bis Wochen erfolgen, je nach Symptom- und Schmerzstärke des Betroffenen. Aufgrund der Überdehnung der Muskulatur durch den Unfall stellt die Anspannung der Nackenmuskulatur einen physiologischen Schutzmechanismus dar, der sich gegebenenfalls erst nach einiger Zeit bessern kann. So sind Massagen direkt nach dem Unfall für die Beseitigung der Verspannungn nicht effektiv. Bei der Schmerzlinderung kann eine Massage jedoch helfen und ist indiziert. Bei länger andauernden Verspannungen kann diese Maßnahme auch zu einer Minimierung der Verspannung führen.

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Gehen Sie bei den Übungen langsam vor. Um die Nackenmuskulatur zu dehnen, können Sie sich setzen. Die Dauer der Dehnung erfolgt solange, wie es für Sie angenehm oder möglich ist. Gehen Sie soweit, bis Sie eine Dehnung spüren. Achten Sie darauf, dass ihr Rücken während der Übung gerade bleibt. Die Schultern werden nach unten gedrückt. Die Brust zeigt nach vorne.  

  1. Ziehen Sie das Kinn zu Ihrer Brust und schauen Sie auf den Boden. Halten Sie Ihr Kinn unten und verbleiben Sie in dieser Position.
  2. Drehen Sie jetzt Ihren Kopf zur Seite und ziehen Sie das Kinn zur Schulter. Dabei ist es wichtig, dass Sie nicht nur den Kopf drehen, sondern gleichzeitig nach unten schauen, damit es auch zur Dehnung des Nackens kommt. Halten Sie die Dehnung; wechseln Sie anschließend die Seite und drehen Ihren Kopf zur anderen Schulter.

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Dauer der Krankschreibung

Die Dauer der Krankschreibung nach einem Schleudertrauma richtet sich nach den verletzten Strukturen und der Dauer, bis diese wieder belastbar sind. So kann die Dauer der Krankschreibung zwei bis mehrere Wochen betragen. Im Falle einer zu kurzen Krankschreibung kann diese vom Arzt verlängert werden.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 08.11.2017 - Letzte Änderung: 29.11.2021