Physiotherapie bei einem steifen Hals/Nacken

Einleitung

Der steife Nacken wird durch muskuläre Verspannungen der Halswirbelsäule verursacht. Der Tonus der Muskeln kann sich durch unterschiedliche Ursachen erhöhen. Darunter fallen häufig Fehlhaltungen des Nackens, sowie traumatische Einwirkungen auf die Muskeln. Zu den Traumata gehören nicht nur große Schleudertraumen, sondern auch Verrenkungen durch zu schnelle Kopfbewegung beim Schauen zur Seite. Auch degenerative Erkrankungen wie Arthrose oder Bandscheibenvorfälle an der Halswirbelsäule, können zu den Verspannungen führen und sind zur Therapieentscheidung abzuklären. Die Abklärung beim Arzt ist besonders wichtig, wenn ein Infekt als Ursache vorliegt.
Das primäre Ziel der Physiotherapie ist es den Schmerz des Patienten zu lindern. Dies kann je nach Art und Ausprägung der Beschwerden und der Ursache, die zum Entstehen des Problems geführt haben zum Beispiel durch Wärme- oder Kältebehandlungen erfolgen aber auch durch spezielle Massagen zur Lockerung und Dehn- und Kräftigungsübungen für den Schulter-Nacken-Bereich. Insbesondere diese Übungen sorgen dann auch langfristig dafür, dass die Muskulatur des Nackens gestärkt wird, damit zukünftigen Problemen vorgebeugt werden kann

Schmerzen

Die Schmerzsymptomatik bei einem steifen Nacken kann je nach Ursache und Ursache der Verspannung variieren:

  • Befinden sich die Schmerzen lokal und tauchen nur bei Bewegung auf, liegt die Wahrscheinlichkeit höher, dass diese rein muskulär bedingt sind. Jedoch können die Beschwerden auch in den Schulter-Arm-Bereich ausweichen. Grund hierfür sind Irritationen der aus der Halswirbelsäule entspringenden Nerven, die durch die umliegende Muskulatur verursacht werden können. Da die Schulter und die Arme aus den Nerven der Halswirbelsäule innerviert werden, kann sich auch die Schmerzsymptomatik in diese Richtung verlagern.
  • Liegt ein vorher stattgefundenes Trauma vor, kann die Intensität der Schmerzen hoch sein.
  • Bei verspannten Muskeln ohne traumatischen Ursprung, ist diese meistens geringer. Jedoch muss hierbei erwähnt werden, dass die Schmerzstärke von jedem Betroffenen anders wahrgenommen werden kann und somit kein klares Indiz auf die Ursache ist.
  • Kommen neben den Schmerzen noch Parästhesien wie Taubheitsgefühle oder Kribbeln im Armbereich hinzu, deutet dies nicht selten auf Ursachen an den Knochen und Bandscheiben der Halswirbelsäule hin. Diese sollten immer mit dem Arzt abgeklärt werden, da diese Art von Beschwerden durch Komprimierung der Nerven verursacht wird.

In vielen Fällen kann die Einnahme von schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten im Akutfall helfen. Es ist richtig, dass Betroffene zunächst ihren Nacken schonen sollten. Bewegung ist trotzdem wichtig für den Heilungsprozess und kann diesen sogar positiv Beeinflussen. Viele Schmerzsymptome lassen sich schon durch die Lockerung der verspannten Nackenmuskulatur verbessern oder sogar lösen.

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Physiotherapie - Was hilft?

Liegen dem steifen Nacken grundsätzlich  muskuläre Verspannungen vor, kann Physiotherapie effektiv dagegen angewendet werden. Durch die Massage können Verspannungen und Verklebungen im Bindegewebe gelockert und gelöst werden. Jedenfalls bietet sich die manuelle Therapie an. Hierbei werden Fehlstellungen der Wirbel behoben und die Muskulatur ebenfalls behandelt. Da es sich bei der Halswirbelsäule um einen sensiblen Abschnitt handelt, sollten die Griffe gezielt und nicht zu stark verteilt werden. Unterstützend kann Wärme eingesetzt werden. Diese fördert die Durchblutung und hat jedenfalls eine entspannende Wirkung auf die Halswirbelsäulenmuskulatur.
Gerade in akuten Phasen und sehr starken Schmerzen, kann diese bevorzugt werden. Damit die Muskulatur weiteren Belastungen besser standhalten kann, eignen sich kräftigende Übungen dafür. Wenn sich die Halswirbelsäule anatomisch betrachtet wird, ergeben sich oberflächliche, größere Muskeln und tiefere, kleinere Muskeln. Um der Halswirbelsäule den nötigen Halt zu geben, sollten die tiefen Muskeln trainiert werden. Zu den Dehn- , Kräftigungs- und Mobilisierungsübungen gehören zum Beispiel:

1) Dehnung der Nackenmuskulatur zur Lockerung verspannter Muskelgruppen

Stellen sie sich seitlich neben eine Wand oder einen Türrahmen. Legen sie nun den der Wand nähren Unterarm and die Wand. Der Ellenbogen ist oberhalb der Schulter. Nun drehen sie den Kopf von der Wand weg und bringen Sie dabei Ihr Kinn in Richtung Brustkorb. Sie sollten dabei eine Dehnung im Bereich der seitlichen Halswirbelsäule spüren. Zur Unterstützung können sie auch die Finger der anderen Hand auf Ihren Kopf legen und sanften Druck ausüben, um die Dehnung noch zu verstärken.
Halten Sie auch diese Position für 30 Sekunden. Wechseln Sie die Seiten und wiederholen das Ganze insgesamt 3 mal pro Seite.

2) Dehnung der Nackenmuskulatur

Setzen oder Stellen Sie sich für diese Übung gerade und aufrecht hin. Verschränken Sie dann ihre Hände hinter dem Kopf. Üben Sie nun mit den Händen leichten Druck auf den Hinterkopf aus, sodass sich Ihr Kinn der Brust nähert. Dabei sollten sie eine leichte Dehnung im Nackenbereich spüren.Drücken Sie so weit wie es für Sie schmerzfrei und angenehm ist.
Halten sie die Position 5-10 Sekunden und kehren sie dann langsam wieder in die Ausgangsposition zurück. 5 Wiederholungen.

3) Mobilisierung der Halswirbelsäule

Drehen Sie den Kopf langsam und kontrolliert nach rechts und Nicken dann langsam einige Male. Kehren Sie wieder in die Ausgangsposition zurück und wiederholen das ganze auf der linken Seite.

Weitere Übungen finden Sie hier:

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    Dauer des Heilungsprozesses

    • Im Normalfall klingen die Symptome eines steifen Halses/Nackens schon nach wenigen Tagen von alleine wieder ab.
    • Wenn allein die verspannten Schulter-Nacken-Muskulatur die Beschwerden verursachen, tauchen die Schmerzen bei Bewegungen auf und verschwinden in Ruhe. In einigen Fällen bleiben die Verspannungen nicht und die Beschwerden können wieder komplett von alleine  verschwinden. Wenn dies nicht der Fall ist, kann erst eine Therapie Linderung schaffen. Wenn die Ursache die zur Entstehung der Beschwerden geführt hat nicht behandelt oder korrigiert wird, so kann ein steifer Hals/Nacken auch zu einem chronischen Problem werden, bei dem die Betroffenen und ständigen Verspannungen und Schmerzen im Schulter-Nacken-Bereich leiden.
    • Wenn der steife Nacken durch ein Trauma verursacht wurde, kann die Beschwerdedauer von Wochen bis Monate reichen. Grund hierfür ist ein Heilungsprozess, der seine Zeit erfordert und auch genutzt werden sollte.

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    Nackensteife bei Kindern

    Im Erwachsenenalter ist ein steifer Nacken nicht ungewöhnlich, da das Alter für eine sich entwickelnde Nackensteife durch Arbeit und Degeneration ein fördernder Faktor ist. Im Kindesalter ist der Körper weniger anfällig für muskuläre Verspannungen und auch degenerative Prozesse an der Halswirbelsäule sind bei Kindern seltener als bei Erwachsenen. 
    Zu den Hauptursachen für einen steifen Hals/Nacken bei Kindern zählen eine

    • Hirnhautentzündung (Meningitis)
    • Sonnenstich
    • Meningokokken
    • Grippe
    • eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) 

    Die Symptome des steifen Halses/Nackens sind bei Kindern allerdings die selben: Schmerzen, Schwellung der Lymphknoten,Bewegungseinschränkungen, Fieber oder erhöhte Lichtempfindlichkeit. Um schwerwiegende Ursachen auszuschließen, ist der steife Nacken bei Kindern durch einen Arzt abzuklären.

    Erkältung

    Wie bei Kindern, kann auch bei Erwachsenen ein steifer Nacken durch eine Erkältung ausgelöst werden. Gerade wenn Schmerzen im Kopf- und Gesichtsbereich hinzukommen, ist eine Infektion als Ursache wahrscheinlicher. Ein weiteres Zeichen für einen Infekt ist Fieber, Unwohlsein und Ruheschmerzen.
    Da sich der gesamte Bereich der Halswirbelsäule auf eine relativ kleine Fläche beschränkt, kann es sein, dass durch die Erkältung die Nervenenden an der Halswirbelsäule gereizt werden und somit auf Bewegung und Druck reagieren, was die Betroffenen als Schmerzen empfinden. Im Normalfall klingen diese Symptome auch zusammen mit der Erkältung wieder ab, sodass keine separate therapeutische Behandlung notwendig wird.

    Spritze

    Durch Spritzen können schmerz- und spannunglindernde Medikamente in den Muskel injiziert werden. Gerade wenn die Beschwerden zu stark empfunden werden und Traumata vorliegen, kann eine Spritze die Heilung fördern. Mittel der Wahl ist in der Regel das Lokalanästhetikum Lidocain, welches direkt in die verspannte Muskulatur injiziert wird und dort betäubend und somit auch schmerzlindernd wirkt. Dies trägt dazu bei, dass der Patient keine Schonhaltung entwickelt. Doch auch wenn eine Spritze den Betroffenen kurzfristig hilft, sollte sie nicht als Allheilmittel angesehen werden.
    Nach traumatischen Bewegungen auf die Halswirbelsäulenmuskulatur ist Schonung wichtig und belastende Tätigkeiten sollten in der akuten Phase vermieden werden. So wird der Struktur die nötige Zeit zur Heilung geboten. Somit kann durch Medikamente dem Betroffenen die Beschwerden erleichtert werden und dennoch eine Schonung gewährleistet sein. Es ist trotzdem wichtig, dass die Ursache, die für die Entstehung der Nackensteifheit verantwortlich war aktiv bekämpft wird, sodass es nicht zur erneuten Entwicklung von Problemen kommen kann.

    Homöopathie

    Globuli finden sich häufig in der Homöopathie vor und werden zur Unterstützung des Heilungsprozesses gegeben. Da diese zur Alternativmedizin gehören, ist weniger das Risiko von Nebenwirkungen gegeben. Ob diese als isolierte Behandlung bei verletzten Strukturen ausreicht, kann durch die fehlende Evidenz nicht vollständig abgeklärt werden. Jedoch kann sie als unterstützende Maßnahme auch im späteren Verlauf bei Beschwerden helfen. Bei Nackensteifheit sind beliebte Mittel:

    • Aconitum D12 und Belladonna D30, wenn die Probleme aufgrund einer vorangegangen Erkältung entstanden sind

    • Rhus toxicodendron D30, wenn eine falsche Bewegung den Problemen vorausging

    • Bryonia D12, wenn die Beschwerden insbesondere bei Bewegung des Kopfes auftreten

    • Gelsenium D12, wenn es zu Kopfschmerzen aufgrund des steifen Nackens kommt

    • Magnesium phosphoricum D6, bei stressbedingter Nackensteifheit durch Muskelverspannungen

    In wieweit welches Mittel zum Beschwerdebild passt, hängt auch von der einzelnen Person ab und sollte am Besten in Rücksprache mit einer Fachkraft entschieden werden.

    Lesen Sie mehr zum Thema Homöopathie unter: Homöopathie​​​​​​​

    Zusammenfassung

    Im Falle eines steifen Nackens ist die Möglichkeit an Ursachen, aber auch an Behandlungsmöglichkeiten vielfältig. Um eine effektive Therapie auszuwählen, muss bei chronischen und/oder starken Beschwerden, die Ursache ärztlich abgeklärt werden. So können muskuläre Verspannungen bei einem Nacken durch eine geeignete Behandlung gelindert werden.