Übungen bei einer Schulterarthrose (Omarthrose)

Die Übungen bei einer Schulterarthrose sind essentieller Bestandteil der konservativen Therapie als auch der Nachbehandlung im Anschluss an eine Operation. Die Übungen dienen dazu, die Schmerzen des Patienten zu lindern, die Beweglichkeit des Gelenks zu verbessern, den fortschreitenden Arthroseprozess zu verlangsamen und die Kraft sowie Stabilität der Schulter zu erhöhen. Die Therapie bei der Schultergelenksarthrose ist zunächst konservativ medikamentös und physiotherapeutisch möglich. Je nach Fortschritt der Erkrankung kann dabei auf eine Vielzahl verschiedener Übungen zurückgegriffen werden. 



Übungen zum Nachmachen

Ein Gelenk mit seinen Strukturen wird durch dessen Bewegung ernährt und beweglich gehalten. Ist die Bewegung schmerzbedingt eingeschränkt kommt es zur zunehmenden Immobilität (Teufelskreis). Der noch vorhandene Knorpel wird durch die mangelnde Bewegung weniger gut ernährt und nimmt weiter an Qualität ab. Die umliegende Muskulatur wird nicht ausreichend gefördert und verliert an Kraft, Sehnen an Elastizität, die Kapsel an Beweglichkeit. Um dem entgegenzuwirken, sollte auch bei einer Arthrose das Gelenk schonend mobilisiert werden um die Gelenkflächen zu versorgen. Für diese Mobilisation gibt es diverse Übungen.

  • Armpendel nach vorne und hinten, so wie auch aus vorgebeugter Position (sodass der Arm locker vorm Körper zu Boden hängt) nach rechts und links sorgen für eine entspannte, wenig belastete Bewegung im Schultergelenk.
  • Laufen Sie mit ihren Armen an einer Wand hoch.

Weitere Mobilisationsübugen

  • Mit einem Tuch über einen Tisch wischen
  • Hierbei wird der Arm zur Seite abgespreizt, während die Schulter bewusst den weiten Abstand zum gleichseitigen Ohr hält. Der Rumpf neigt sich zur gleichen Seite und verhindert somit den Ausweichmechanismus. Die Bewegung der Gelenkpartner Oberarmkopf und Schulterblatt ist nun maximal. Beim Zurückhohlen des Arms richtet sich der Patient wieder gerade auf und kann die Schulter leicht hochziehen. Dann beginnt ein neuer Zyklus. Die Übung soll leicht fallen und entlastend wirken. Sie kann bis zu 20 mal hintereinander ausgeführt werden.

Alle Übungen sollten allerdings dringend ohne Ausweichmechanismus stattfinden. Übungen der widerlagernden Mobilisation bieten sich hervorragend an und können auch gleich zur Mobilisation der Schulter genutzt werden. Weitere Informationen erhalten Sie in dem Artikel "Schulterarthrose (Omarthrose)"

Übungen mit einem Theraband

  • Setzen Sie sich für die erste Übung gerade und aufrecht auf einen Stuhl. Legen Sie das Theraband auf ihre nach vorne ausgestreckten Hände und wickeln es um ihr Handgelenk. Die Ellenbogen haben dabei Kontakt mit dem Rumpf und die Unterarme sind parallel zueinander. In der Ausgangsposition sollte das Theraband bereits eine leichte Vorspannung haben. Führen Sie nun ihre Hände gegen den Widerstand des Bandes nach außen. Die Position der Ellenbogen verändert sich nicht. 3 mal 10 Wiederholungen.
  • Setzen Sie sich auf einen Stuhl und befestigen das Theraband etwas über Kopfhöhe vor sich (z.B. an einer Tür). Umfassen Sie die Enden des Bandes mit ihren Händen und wickeln Sie um ihr Handgelenk, sodass bereits eine Grundspannung aufgebaut wird. Führen Sie nun die gestreckten Arme gegen den Widerstand des Bandes langsam nach unten neben den Körper. 3 mal 10 Wiederholungen.
  • Sie sitzen wieder auf einem Stuhl und stellen die Füße schulterbreit entfernt mittig auf das Theraband. Die Enden umfassen Sie mit den Händen und wickeln das Band um ihre Handflächen. Nun führen Sie die Arme gegen die Spannung des Bandes gestreckt nach oben. Halten Sie die Position 2 Sekunden und senken die Arme wieder hinab.
    3 mal 10 Wiederholungen.

Weitere Übungen finden Sie in den Artikeln:

Es können auch Kräftigungsübungen für abgeschwächte Muskulatur in das Übungsprogramm bei Schulterarthrose integriert werden.

Bei einer starken Verspannung im Schulternackenbereich sollten Dehnübungen ausgeführt werden.

Die Übungen sollten schmerzfrei sein, eine Überbelastung des Gelenks kann zu Entzündungen führen. Bei zu starken Schmerzen oder einem akuten Reizzustand ist auf Bewegung zu verzichten. Der Arm sollte in einer angenehmen Position ruhiggestellt werden und höchstens in kleinen Amplituden im Schmerzfreien Bereich sanft mobilisiert werden, wenn das gut tut. Wärme oder Kälte können Schmerzen lindern.

Mehr Informationen erhalten Sie in dem Artikel Übungen bei einem Knorpelschaden.

Symptome bei einer Schulterarthrose

Symptome bei der Schulterarthrose ist eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung besonders bei Rotationsbewegungen und Hebebewegungen des Arms. Der Patient weicht folglich häufig über Ausweichmechanismen aus oder fällt in eine Schonhaltung, was eine Überbelastung anderer Strukturen zur Folge haben kann. Es kommt häufig zu Verspannungen im Schulternackenbereich. Die Bewegung im Schultergelenk selbst wird unbewusst vermieden und der gesamte Schultergürtel wird bewegt um den Arm zu heben. Es kann außerdem zu akuten Entzündungen der umliegenden Strukturen kommen. Häufig betroffen ist der Schleimbeutel in der Schulter oder die Sehnen der Rotatorenmanschette. Meist zeigt sich anfangs ein sogenannter Anlaufschmerz, der sich durch leichte Bewegungen verbessern lässt. Später kommt es zu Schmerzen während der Belastung oder auch Ruheschmerzen. Die Bewegung im Gelenk geht fortschreitend verloren.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel Schulterarthrose - Schmerzen/ Symptome

Krankengymnastik bei einer Schulterarthrose

In der krankengymnastischen Behandlung der Schulterarthrose wird versucht die Mobilität des Gelenks weitestgehend zu erhalten, Schmerzen zu lindern und Schonmechanismen und Ausweichbewegungen zu minimieren.

Zunächst sollte in der Physiotherapie dem Patienten ein Gefühl für die Bewegung seiner Schulter vermittelt werden.

  • Wann findet Bewegung in meinem Schultergelenk statt?
  • Wann beginne ich einen Ausweichmechanismus zu nutzen?
  • Wie fühlt sich die korrekt ausgeführte Mobilisationsübung an?

Übungen sollten vor dem Spiegel mehrfach beübt werden, bis sie sicher auch selbstständig vom Patienten ausgeführt werden.

  • Weiterhin kann in der Krankengymnastik bei Schulterarthrose die Mobilisation des Gelenks durch manualtherapeutische Techniken erfolgen. Hierbei greift der Therapeut möglichst gelenknah und kann, wenn der Knorpel noch soweit intakt ist, die Gelenkflächen gegeneinander gleiten lassen. Dadurch wird der Knorpel besser versorgt und es wird Gelenkschmiere produziert, Verklebungen können gelöst werden. Bei Arthrose ist der Knorpel abgenutzt, um den Knochen zu entlasten können auch manuelle Traktionsbehandlungen angenehm sein. Die Gelenkflächen werden hierbei durch leichten Zug voneinander minimal entfernt. Dies wird häufig als schmerzlindernd empfunden.
     
  • Weiterer Schwerpunkt der Krankengymnastik bei Schulterarthrose ist die Behandlung der umliegenden Weichteile. Durch knöcherne Anbauten oder Entzündungszustände können die Sehnen der Rotatorenmanschette gereizt sein. Diese können durch punktuelle Massagetechniken (Querfriktionen) behandelt werden. Verspannungen und Verklebungen im Schulternackenbereich durch Faszientechniken oder Massagegriffe gelöst werden. Auch die Triggerpunkttherapie bietet sich an. Besonders hilfreich im Schulternackenbereich ist die sogenannte Funktionelle Weichteilbehandlung, bei der das Gelenk mobilisiert wird, während gleichzeitig die verspannte Muskulatur manuelle behandelt wird. Häufig sind auch passive Dehnungen der Nackenmuskulatur angenehm und lindern Schmerzen.
     
  • Passive Mobilisation des Schulterblatts ist eine weitere Methode die Beweglichkeit im Schultergelenk zu verbessern sowie die Mobilisation des Gleitlagers des Schulterblatts auf dem Rumpf zu fördern. Auch die Schulterblattfixierende und -bewegende Muskulatur wird hierbei gelockert. Die passive Mobilisation des Armes findet eher selten statt, kann aber bei starken Schmerzen gegebenenfalls angenehm sein. Die Therapie kann durch die Anlage von Tapeverbänden oder durch physikalsiche Therapieformen ergänzt werden. Wärmeanwendung oder Kältetherapie sind besonders bei akuten Reizzuständen angenehm.

Lesen Sie mehr über die Therapie bei einer Schulterarthrose in dem Artikel Physiotherapie bei einer Schulterarthrose.

Bodybuilding und Schulterarthrose

Im Bodybuilding treten häufig mal Schmerzen auf. Neben vorübergehendem Muskelkater können das auch Gelenkschmerzen sein. Da auch die großen Muskeln wie der Brustmuskel über die Bewegung im Schulterblatt trainiert werden, ist das Gelenk oft sehr starken Gewichten ausgesetzt. Diese drücken die Gelenkflächen aufeinander und belasten das Gelenk somit stark. Werden die Übungen beim Bodybuilding mit solch einer Belastung nur minimal falsch ausgeführt, ist das für das Gelenk bereits eine noch stärkere Beanspruchung. Auch fehlende Regeneration und Pause sind häufig ursächlich für Schmerzen im Schultergelenk beim Bodybuilding. Da das Trainingsziel nicht verfehlt oder nicht längere Zeit aufgebracht werden soll, werden leichte Schmerzen häufig unterdrückt. Sie werden mit der Zeit stärker und können zu chronischen Schmerzen werden. Die dauerhafte Überbeanspruchung der Schultergelenkes beim Krafttraining und Bodybuilding kann somit ursächlich für eine früh entstehende Arthrose sein. Besonders beim Bankdrücken entstehen solche Beschwerden aufgrund einer falschen Technik und zu geringer Gelenksstabilität den Schultergürtel.

Medikamente

Medikamente werden oft eingesetzt um den Patienten die Schmerzen bei der Schulterarthrose zu nehmen und den Entzündungsprozess einzudämmen.

  • Oft werden sogenannte Nicht-steroidale-Antirheumatika (NSAR) eingesetzt um den Patienten zu helfen. Diese Substanzen unterdrücken die Produktion von Prostaglandinen, das sind körpereigene Schmerz- und Entzündungsstoffe. Zu den Vertretern der NSAR zählen ASS, Ibuprofen oder Diclofenac.
  • Eine Alternative zu den NSAR sind die sogenannten COX-2 Hemmer (Coxibe) welche gezielt ein bestimmtes Enzym (die Cyclooxigenase 2), das für die Schmerzentstehung verantwortlich ist hemmen. Die Coxibe sind in der Regel besser verträglich als die NSAR (welche bei Daueranwendung Probleme im Magen hervorrufen können) und können über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.
  • Bei starken Schmerzen können auch Opioidanalgetika zum Einsatz kommen. Zu den schwächeren Medikamenten dieser Gruppe gehören zum Beispiel Codein, Buprenorphin oder Fentanyl.
  • Begleitet zu den klassischen Schmerzmitteln können Capsaicin-Wärmepflaster,  Teufelskrallenwurzel oder Weidenrindenextrakte helfen, die Symptome zu lindern.

OP bei einer Schulterarthrose

Sind die Symptome der Schulterarthrose nicht mehr konservativ mittels Medikamenten, Physiotherapie, physikalischer Therapie und Bewegungsübungen zu mindern und es kommt zu chronischen, starken Schmerzen und Einschränkungen, kann die Schulterarthrose operiert werden. Bei dem arthroskopischen Eingriff wird versucht das Gelenk wieder weitestgehend herzustellen. Arthrotisch bedingte knöcherne Anbauten werden entfernt, der Schleimbeutel kann entnommen werden und gegebenenfalls kann das Schulterdach etwas abgetragen werden, um den Raum im Gelenk zu vergrößern. Eine andere Option ist bei starkem Verschleiß, der endoprothetische Gelenkersatz. Bei der Totalendoprothese (TEP) werden der Kopf und die Pfanne durch ein künstliches Gelenk ersetzt. Es können auch Inverse Prothesen eingesetzt werden. Hierbei wird der eigentlich konvexe Gelenkpartner - Oberarm zum konkaven und das Schulterblatt zum konvexen Gelenkpartner. Es kann auch nur der Oberarmkopf ersetzt werden, dann spricht man von einer Hemiprothese. Welche Prothese für den Patienten die Beste ist, hängt vom Zustand des Gelenkknorpels, von Begleitverletzungen und vom Alter des Patienten ab. Im Anschluss an die OP findet eine Rehabilitation mit anschließender Krankengymnastik statt. Auch Schultergruppen und Aquafitness für Schulterpatienten werden häufig angeboten. Lesen Sie zu diesem Thema auch den Artikel Physiotherapie nach einer Schulterprothese.

Antworten auf Fragen: "wie lange bin ich danach krank oder was spricht für und gegen eine OP", finden Sie in dem Artikel Physiotherapie bei einer Schulterarthrose

Nachbehandlung einer OP

Die Nachbehandlung einer OP der Schulterarthrose folgt einem eng gestaffelten Therapieplan der je nach durchgeführter Operation (z.B. Glättung der Knorpelflächen oder künstlichen Gelenkersatz) leicht variieren kann. Zunächst folgt eine Phase der Ruhigstellung in welcher die betroffene Schulter nicht aktiv bewegt oder belastet werden darf. Trotzdem beginnt in dieser Phase bereits die Nachbehandlung, in der Regel bereits am nächsten Tag nach der Operation. Ein Physiotherapeut wird dabei den Arm des Patienten passiv bewegen, sodass es nicht zu Verklebungen oder Versteifungen des Gelenkes kommen kann. Auch die mechanische Bewegung in einer speziell dafür vorgesehenen Schiene ist möglich. Leichte Bewegungsübung, die ohne Belastung der Schulter durchgeführt werden können, dienen in der ersten Phase ebenfalls zur Erhaltung der Grundbeweglichkeit und Funktionalität. Wenn das Gelenk schließlich wieder aktiv belastet werden darf, beginnt der für die Patienten anspruchsvollere Teil der Nachbehandlung, bei welchem Sie selbst aktiv werden und durch eine Reihe speziell auf sie abgestimmter Übungen die Kraft, Beweglichkeit, Koordination und Stabilität des Gelenks zurückgewinnen (siehe oben).

Wenn Sie sich für noch mehr Informationen über die Physiotherapie bei einer Schulterarthrose interessieren lesen sie hier: Physiotherapie bei einer Schulterarthrose

Übungen nach einer OP

Im Rahmen der Nachbehandlung einer OP bei Schulterarthrose gibt es zahlreiche passive und aktive Übungen, um die Schulter wieder an die volle Belastbarkeit und Beweglichkeit heranzuführen.

Schulterbeweglichkeit
Für diese Übung setzen Sie sich gerade und aufrecht auf einen Stuhl oder stellen sich gerade hin. Nun spannen Sie ihre Bauchmuskulatur an. Achten Sie darauf nicht in ein Hohlkreuz zu verfallen. Verschränken Sie jetzt ihre Hände hinter dem Rücken wobei Handflächen nach innen zeigen. Nun heben Sie die verschränkten Arme so weit wie möglich an und halten die Position 20 Sekunden.
3 Wiederholungen mit kurzen Pausen.

Kräftigung der Muskulatur
Stellen Sie sich in etwa 30 cm Abstand vor eine Wand und legen die Handflächen auf. Führen Sie nun Liegestütze an der Wand durch (nicht über die Schmerzgrenze hinaus gehen!).
2 mal 10 Wiederholungen.

Dehnung der Muskulatur
Verschränken Sie bei dieser Übung ihre Finger vor der Brust, sodass die Unterarme parallel zum Boden sind und die Ellenbogen nach außen zeigen. Tun Sie nun so als wollten Sie die Hände auseinander ziehen, sodass Sie eine Dehnung im Schultergürtel spüren.
Halten Sie die Dehnung 15-20 Sekunden und wiederholen die Übung nach einer kurzen Pause.

Zusammenfassung

Das Schultergelenk ist häufig schweren Belastungen ausgesetzt, die die Entstehung einer Arthrose begünstigen können. Bei der Schulterartrhose kommt es zum fortschreitenden Verlust des Gelenkknorpels und zu schmerzhaften Bewegungseinschränkungen. Die Therapie erfolgt zunächst konservativ mittels Krankengymnastik, physikalischer Therapie und medikamentöser Therapie. Übungen zur Mobilisation und Kräftigung gehören zum Trainingsprogramm. In der Krankengymnastik kann das Gelenk durch Manuelle Therapie behandelt werden, die umliegenden Strukturen können durch Weichteiltechniken entspannt und mobilisiert werden. In fortgeschrittenen Stadien kann das Gelenk operativ behandelt werden. Es kann arthroskopisch gelenkerhaltend operiert werden, aber auch ein endoprothetischer Gelenkersatz erfolgen. Besonders beim Bodybuiling ist die Schulter sehr starken Belastungen ausgesetzt, die richtige Durchführung von Übungen, das Einhalten von Regeneration und Pause ist essentiell um eine Überbeanspruchung des Gelenkknorpels und somit das Risiko an einer Arthrose zu erkranken, zu vermindern.