Übungen bei einer Hüftdysplasie

Eine Hüftdysplasie ist eine angeborene Fehlentwicklung der Hüftpfanne. Dabei ist die Hüftpfanne abgeflacht und der Hüftkopf kann dadurch nicht richtig im Pfannendach verankert werden. Jedes dritte Kind kommt mit dieser Fehlentwicklung zur Welt und in 40% der Fälle ist die Fehlbildung auf beiden Seiten zu finden. Mädchen sind sechs mal häufiger betroffen als Jungen. Je nach Schweregrad kann das Neugeborene vom Tag der Geburt an behandelt werden.



Übungen

  • Das wichtigste bei einer Hüftgelenkdysplasie ist das Auftrainieren der Hüftmuskulatur. Häufig liegen bei einer Hüftdysplasie muskuläre Unterschiede vor. Die Abduktoren (die Stabilisatoren im Hüftgelenk) sind meist zu schwach. Dafür eignen sich Übungen wie das Bridging. Der Patient liegt auf dem Boden, die Arme liegen neben dem Körper, der Rücken wird runtergedrückt und das Becken angehoben. Die Position wird so lange gehalten wie möglich, ohne dass es zu Ausweichbewegungen kommt. Diese Übung lässt sich durch tippeln der Füße, Anheben eines Beines und Auf- und Abbewegen des Beckens variieren.
  • Kniebeugen sind auch ein wichtiger Bestandteil im Trainingsprogramm bei einer Hüftdysplasie. Die Beine sollten dabei möglichst weit auseinander stehen, sodass viel Spannung auf die Abduktoren kommt. Auch diese Übung lässt sich gut variieren. Ein Theraband um die Knie führt zu einer erhöhten Spannung, genau wie das Verharren in der tiefen Kniebeuge. Mit zusätzlichen Hilfsmitteln wie Hanteln oder Bällen lässt sich der Oberkörper gleich mittrainieren.
  • Im Allgemeinen gehört eine gute Rumpfstabilität zu einem guten Körpergefühl. Der Ausfallschritt trainiert ebenfalls die Abduktorengruppe und sorgt bei einer richtigen Ausführung für eine ordentliche Beinachse.
  • Um die Hüftmuskulatur nicht nur zu trainieren, sondern auch elastisch zu halten, sind Dehnübungen sehr wichtig. Dabei sollte gezielt der M .Iliopsas (ein Hüftmuskel) und der M. Rectus femoris des Quadriceps (ein Teil des großen, vorderen Oberschenkelmuskeels) gedehnt werden. Der Patient stellt sich hin und zieht seine Ferse zum Gesäß ran. Alternativ kann er das Bein in Rückenlage über die Bankkante hängen und versuchen, die Ferse Richtung Gesäß zu ziehen, wobei der Iliopsoas noch mehr auf Dehnung kommt.
  • Ebenso sollten die Adduktoren gedehnt werden. Dabei steht der Patient in einer seitlichen Grätsche und beugt ein Bein. Das Gewicht schiebt er zum gebeugten Knie, sodass die gestreckte Seite im Bereich der Adduktoren mehr Spannung bekommt.

Weitere Übungen zur allgemeinen Kräftigung der Hüftmuskulatur finden Sie hier:  Physiotherapie bei Hüftschmerzen.

Physiotherapeutische Maßnahmen

Ursachen für eine Hüftdysplasie können Mehrlingsschwangerschaften, Frühgeburten, familiäre Belastung und die Position des Kindes im Bauch der Mutter sein. Direkt nach der Geburt lässt sich eine Asymmetrie, Abspreizbehinderung und eine Gesäßfalte erkennen. Eine Ultraschalluntersuchung sorgt letztendlich für Klarheit. Das größte Risiko bei einer Hüftgelenkdysplasie ist die Luxationsgefahr durch die Ossifikationsverzögerung am Pfannendach.

In der Physiotherapie bei einer Hüftdysplasie ist es vor allem wichtig, die Gelenkbeweglichkeit und die Position des Hüftkopfes positiv zu beeinflussen. Dabei testet der Physiotherapeut zuerst die Beweglichkeit in der Hüfte, vor allem die Rotation. Meist findet sich eine Rotationseinschränkung, welche aufgrund der schlechten Fixierung der Hüfte in der Pfanne vorliegt. Über Mobilisation in die betroffene Richtung und manuelle Therapie wird ein Stoffwechselprozess aktiviert, der Schmerzmediatoren abtransportieren soll. Zudem wird der Hüftkopf in die richtige Position gebracht. Die Beweglichkeit wird langfristig verbessert, sodass auch die Belastung beim Sport gesteigert werden kann.

Neben der direkten Mobilisation am Gelenk sollte der Tonus der Muskulatur gesenkt werden. Meist liegt ein erhöhter Tonus im Bereich der Adduktoren vor, welcher durch Weichteiltechniken gesenkt werden kann. Sind andere Bereiche der Muskulatur eventuell durch Fehlbelastung verspannt, kann diese ebenfalls durch Weichteiltechniken oder Faszienlösung verbessert werden.

Eine Ganganalyse ist ebenfalls ratsam, da aufgrund der Fehlbelastung beim Gehen die Beschwerdesymptomatik verschlimmert wird. Dadurch finden sich weitere Muskeldysbalancen, die mit dem entsprechenden Krafttraining auftrainiert werden können. Eventuell helfen auch Einlagen bei der Verbesserung des Gangbildes. Diese sollten vom Arzt verschrieben werden.

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Ist sportliche Betätigung erlaubt bei Hüftdysplasie?

Sport bei einer Hüftdysplasie ist im Allgemeinen kein Problem. Um eine Verschlechterung und eine beginnende Arthrose oder mögliche Luxation zu vermeiden, sollten aber durchgehend Kräftigungsübungen und Dehnübungen und zudem auch begleitende Physiotherapie stattfinden. Des Weiteren sollten zu starke Sprung- und Abstoppsportarten vermieden werden, da der Druck auf das Hüftgelenk sehr hoch ist. Joggen sollte während der akuten Phase auch vermieden, kann aber nach Abklingen der Beschwerden und Verbesserung der Muskelkraft wieder schonend begonnen werden.

Schonende Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren sind kein Problem. Yoga, Pilates und sonstige entspannende Sportarten sind für die Dehnung der Hüftumfassende Muskeln sehr effektiv.

Hüftdysplasie beim Baby

Unmittelbar nach der Geburt entwickelt das Baby eine Schonhaltung. Das betroffene Bein oder auch beide Beine zeigen eine deutliche Abduktionsbehinderung. Wenn nur ein Bein betroffen ist, wird dieses meist weniger bewegt als das gesunde Bein und es scheint kürzer zu sein. Deutlich zu erkennen ist eine unterschiedliche Hautfalte am Po.

Ob das Kind wirklich Schmerzen empfindet ist nicht geklärt, sollte aber direkt nach der Geburt untersucht werden, wenn diese Zeichen zu erkennen sind. Eine Ultraschalluntersuchung kann direkt nach der Geburt erstellt werden, ein Röntgenbild erst ab dem 3. oder 4. Lebensmonat.

Kann die Hüftdysplasie konservativ versorgt werden, ist bei einem größeren Ausmaß die Spreizhose das beste Mittel. Dabei werden die Hüften in starker Abduktion und Außenrotation fixiert. Ist die Hüftdysplasie nicht ganz so enorm, kann durch breiteres Wickeln ein ähnlicher Effekt wie bei der Spreizhose erzielt werden. Die konservative Therapie ist recht langwierig, hat aber im Allgemeinen gute Erfolgschancen.

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Operation einer Hüftdysplasie

Bei einem hohen Schweregrad der Hüftdysplasie sollte eine Operation durchgeführt werden. Dabei gibt es verschiedene Operationstechniken, die je nach Operateur und Stellungswinkel der Hüfte ausgewählt werden. Im Allgemeinen sollte eine Operation nur dann durchgeführt werden, wenn konservative Maßnahmen keine Verbesserung bringen, da jede Operation ein Risiko mit sich bringt. Möglichkeiten der Operation sind eine Beckenumstellung oder eine Femurumstellung (=Oberschenkelknochenumstellung). Dabei werden die jeweiligen Bereiche knöchern umgestellt, sodass die Statik verbessert werden kann. Eine weitere Möglichkeit ist die Pfannendachplastik, bei der das Pfannendach korrigiert wird, damit der Hüftkopf in das Pfannendach verankern kann.

Operation bei einer kindlichen Hüftluxation 

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