Übungen bei Ischiasschmerzen in der Schwangerschaft

Viele Frauen leiden während ihrer Schwangerschaft unter Rückenschmerzen; insbesondere in der Lendenwirbelsäule. Eine Form davon sind Ischiasschmerzen. Diese betreffen fast jede zweite Frau in der Schwangerschaft. Der Nervus Ischiadicus (umgangsprachlich auch nur Ischias genannt) ist der längste periphere Nerv des menschlichen Körpers und entspringt zwischen dem vierten Lenden- und zweiten Kreuzwirbel und verläuft über das Gesäß und das Knie bis in den Fuß. Wird dieser Nerv gereizt, eingeklemmt oder entzündet sich, entstehen Ischiasschmerzen mit vielfältigen Begleitsymptomen. Auch wenn Ischiasschmerzen keine Gefahr für die Schwangere oder das Ungeborene darstellen, bedeuten Sie einen hohen Leidensdruck für die Schwangere.

Falls Sie noch weitere Informationen zu diesem Thema wünschen, lesen Sie sich diese Artikel durch:



Übungen

Ischiasschmerzen können sehr unangenehm sein und bei der Schwangeren den Wunsch nach Bettruhe hervorrufen. Diesem Wunsch soll die Schwangere aber keinesfalls nachgeben, denn Bettruhe verzögert den Heilungsprozess. Zudem schwächen sich Muskeln schon nach kürzester Zeit ab, sodass eine wichtige Stützfunktion verloren geht und die Beschwerden sich verstärken. Wichtig ist es daher in Bewegung zu bleiben. Diese sollte leicht bis moderat sein. Hilfreiche Bewegungen sind beispielsweise langsames Spazierengehen, Schwimmen, oder Radfahren. Zudem lindern folgende Übungen die Beschwerden:

  • Knie anziehen: Die Betroffene liegt in Rückenlage auf einer festen Unterlage. Beide Füße sind aufgestellt. Nun umfasst die Betroffene mit ihren Händen das Knie auf der schmerzenden Seite und zieht das Bein zum Körper ran.
    Die Position sollte ca. 30 Sekunden gehalten werden.
     
  • Vierfüßlerstand: Die Betroffene nimmt den Vierfüßlerstand ein und stützt sich mit ihren Unterarmen etwa schulterbreit ab. Schon allein diese Position entlastet die Lendenwirbelsäule und kann dazu beitragen, dass das Kind eine günstigere Position einnimmt. Die Schwangere drückt nun ihre Brustwirbelsäule nach oben, sodass sie einen „Katzenbuckel“ macht.
    Die Position ca. 5 Sekunden halten, danach lösen. 15 Wiederholungen durchführen. Alternativ kann die Schwangere auch abwechselnd ihr Becken vor und zurück kippen. Diese Bewegung sorgt für eine bessere Durchblutung im Becken und der unteren Lendenwirbelsäule, sodass Schmerzen gelindert werden.
     
  • Dehnung: Die Schwangere liegt in Rückenlage auf einer festen Unterlage. Die Arme sind seitlich ausgestreckt, die Füße aufgestellt. Nun lässt die Schwangere beide Knie soweit in eine Richtung fallen, bis sie eine Dehnung in der Lendenwirbelsäule und im Gesäß verspürt.
    Die Dehnung ca. 30 Sekunden halten, danach Richtungswechsel.

    Bei starken Ischiasschmerzen können Betroffene folgende Übungen ausprobieren:
     
  • Stufenlagerung: Die Betroffene legt sich in Rückenlage auf eine feste Unterlage. Die Unterschenkel werden auf einer Erhöhung, z.B. einem Lagerungswürfel, einem Stuhl oder der Bettkante im 90° Winkel abgelegt. In dieser Position ist die Lendenwirbelsäule optimal entlastet, sodass sich Verspannungen lösen können. Verstärkend soll der Betroffene in dieser Position tief ein- und ausatmen.
     
  • Tennisballmassage: Die Betroffene legt sich in Rückenlage auf eine feste Unterlage oder stellt sich gegen eine Wand. Nun platziert sie einen Tennisball genau auf der schmerzenden Stelle zwischen Körper und Boden/Wand. Durch leichte kreisende Bewegungen erfährt die Muskulatur eine wohltuende Massage. Alternativ kann auch ein Igelball verwendet werden.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier:

Physiotherapie

Viele Betroffene nehmen aufgrund der Beschwerden eine Schonhaltung ein. Bei Ischiasschmerzen winkeln die Betroffenen das schmerzende Bein an und neigen es leicht nach außen. Der Oberkörper verlagert sich schief zur gegenüberliegenden Seite. Zwar reduziert dieses Verhalten kurzfristig die Problematik, allerdings verkrampfen dann andere Muskeln und die Beschwerden nehmen zu. Daher ist es wichtig bei Ischiasschmerzen frühzeitig mit Physiotherapie zu beginnen.

In dieser werden durch manuelle Techniken Verspannungen gelöst und die umliegende Muskulatur gelockert. Dadurch wird die Durchblutung angeregt, sodass Entzündungsstoffe besser abtransportiert werden. Ergänzend kann Wärme zur Entspannung der Muskulatur eingesetzt werden. Zudem zeigt der Physiotherapeut den Betroffenen Übungen, mit denen sie die Gesäßmuskeln kräftigen können. Zudem sollen auch die Bauch- und Wirbelsäulenmuskeln trainiert werden. Sind diese Muskelgruppen gestärkt, können sie Belastungen besser standhalten und Lendenwirbelsäule und Ischiasnerv werden entlastet. Im Rahmen der Prävention vermitteln Physiotherapeuten Schwangeren rückenschonende Verhaltensweisen (z.B. kein Heben von schweren Lasten) und die richtige Körperhaltung.

Diese Artikel könnte Sie auch noch interessieren:

Akupunktur

Die Akupunktur ist ein Verfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin (TMC), welches sich sowohl zur Geburtsvorbereitung, als auch bei vielen Schwangerschaftsbeschwerden als hilfreich erwiesen hat, so auch bei Ischiasbeschwerden. Akupunktur wirkt entspannend, kramp- und schmerzlösend sowie durchblutungsanregend. Dazu setzt der ausgebildete Therapeut oder Arzt feine Nadeln in entsprechende Akupunkturpunkte. Dieses Stechen darf nicht schmerzhaft sein, sondern soll warme, kribbelnde oder elektrisierende Gefühle hervorrufen und die Beschwerden lindern.

Der Vorteil der Behandlungsmethode ist, dass keine Medikamente von Nöten sind und sie schonend für Mutter und Kind ist. Einzige mögliche Nebenwirkungen sind leichte Kreislaufprobleme bei der Schwangeren, kleine Blutergüsse oder vermehrte Kindsbewegungen in der darauffolgenden Stunde. Wichtig ist, dass der Therapeut über die Schwangerschaft informiert ist und seine Behandlung dementsprechend adaptiert.

Grundsätzlich soll keine Akupunktur vor der 12 Schwangerschaftswoche erfolgen. Denn im ersten Trimester ist der Körper noch sehr empfindlich gegenüber neuen Reizen, sodass eine Akupunktur-Behandlung heftige Reaktionen hervorrufen kann. Auch bei einer Risikoschwangerschaft oder Auffälligkeiten, wie z.B. Gerinnungsstörungen, sollte von einer Behandlung mit Akupunktur abgesehen werden.

In folgenden Artikeln finden Sie weitere Informationen zui dieser Thematik:

Ursachen/Symptome

Ischiasschmerzen treten meist einseitig auf und haben einen ziehenden, „reißenden“ Charakter. Sie strahlen meist vom unteren Rücken über das Gesäß bis in die Unterschenkel aus. In diesem Bereich können auch Gefühlsstörungen auftreten, in Form von Kribbeln („Ameisenlaufen“), Taubheit oder elektrisierenden/ brennenden Empfindungen. In seltenen Fällen gehen Ischiasschmerzen auch mit vorübergehenden Lähmungserscheinungen im Bein oder Einschränkungen in der Beweglichkeit einher. Oftmals ist die betroffene Muskulatur stark verspannt.
Husten, Niesen, Pressen, Bücken oder das Ausstrecken des betroffenen Beins verschlimmern die Beschwerden.
Die Ursache für die Beschwerden ist, dass der Ischiasnerv in seinem Verlauf gereizt, beziehungsweise komprimiert wird. Dies geschieht in der Schwangerschaft dadurch, dass die Schwangere an Körpergewicht zulegt. Dieses Gewicht und das des Ungeborenen üben einen starken Druck auf das Becken und die untere Lendenwirbelsäule der Schwangeren aus.

  • Der Körperschwerpunkt verlagert sich nach vorne und die Schwangere gerät in eine Hohlkreuzposition. Dadurch kann der Ischiasnerv eingeengt werden.
  • Zudem können Ischiasschmerzen dadurch hervorgerufen werden, dass die Gesäßmuskeln zu schwach ausgebildet sind, um das Übergewicht auf der Vorderseite auszubalancieren.
  • Auch die Lage des Fetus kann ungünstig sein, sodass der Fetus selbst auf den Ischiasnerv drückt.
  • Hormonelle Veränderungen spielen ebenso eine Rolle: die ausgeschütteten Schwangerschaftshormone lockern die Bänder und Muskeln im Rücken und der Beckengegend. Es entsteht ein muskuläres Ungleichgewicht, sodass sich Knochenstrukturen verschieben können und den Nerv reizen.
  • Auch das Gewebe der wachsenden Gebärmutter kann auf den Nerv drücken.
  • Eine eher seltene Ursache ist, dass ein Rückstau von venösem Blut im kleinen Becken die Ischiasschmerzen provoziert.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in diesem Artikel:

Wann können Ischiasschmerzen auftreten

Ischiasschmerzen können prinzipiell zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft auftreten. Allerdings steigt die Wahrscheinlichkeit für die Beschwerden mit zunehmendem Wachstum des Ungeborenen. Schließlich nimmt das Gewicht des Ungeborenen immer weiter zu, sodass mit diesem auch proportional der Druck auf den Ischiasnerv  steigt und eine Reizung umso wahrscheinlicher macht. Zudem verlängern sich die Bauchmuskeln der Schwangeren in der Schwangerschaft um 20%, wohingegen die Gesäßmuskeln unverändert bleiben. Es entsteht eine Dysbalance zwischen den Bauch- und Gesäßmuskeln, die oftmals nicht ausgeglichen werden kann. Dann geschieht es, dass die Schwangere ihren Körperschwerpunkt immer weiter nach vorne verlagert und in eine Hohlkreuzposition gerät. Diese wiederrum erhöht den Druck auf den Nervenverlauf. Zudem dreht sich das Ungeborene zu Beginn des 3. Trimesters, sodass sein Kopf schmerzhaft gegen den Ischiasnerv drücken kann.

Alternative Behandlungsverfahren

Ischiasschmerzen können auch durch homöopathische Mittel, wie Rhus toxicodendron (Giftsumach), Gnaphalium (Wollkraut) oder Aesculus (Rosskastanie) gelindert werden. Gleiches gilt für äußerlich angewendetes Johanniskraut-Öl. Leichte und schonende Bewegungen im Yoga, Tai Chi oder Qi Gong können gleichermaßen für Entspannung sorgen, die Durchblutung anregen und die Schmerzen lindern.

Dieser Artikel könnte Sie auch interessieren: Yoga während der Schwangerschaft

Zusammenfassung

Ischiasschmerzen treten bei jeder zweiten Schwangeren im Verlauf der Schwangerschaft auf. Grund dafür ist in den meisten Fällen eine muskuläre Dysbalance zwischen den Gesäßmuskeln und der Bauchmuskeln und das zunehmende Gewicht des Ungeborenen. Die Beschwerden lassen sich in den meisten Fällen durch gezielte Übungen, Physiotherapie und Akkupunktur lindern – vollständig verschwinden Sie allerdings oftmals erst nach der Geburt.