Alle Inhalte in diesen Artikel wurden von Mario Habersack verfasst.

Physiotherapie bei Ellenbogenschmerzen

Ellenbogenschmerzen sind ein häufiges Leiden in der Bevölkerung und haben ganz unterschiedliche Ursachen. Diese reichen von einer Schleimbeutelentzündung, über einen Knochenbruch, hin zu Verrenkungen oder Entzündungen. Die Verletzungen sind meist hartnäckig und ihre Behandlung erweist sich oftmals als langwierig. Je nach zugrundeliegender Ursache sind die Symptome entweder akut und stark stechend, oder aber chronisch mit einem permanenten Schmerzgefühl.


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Behandlung/Physiotherapie

Die Behandlung von Ellenbogenschmerzen richtet sich immer nach der zugrundeliegenden Ursache. Bei akuten Ellenbogenschmerzen helfen zunächst Selbsthilfemaßnahmen. Betroffene sollten dabei zunächst nach der sogenannten PECH-Regel handeln.Das bedeuetet:

  • Pausieren
  • Eis (Kühlen)
  • Compressionen
  • Hochlagern

Bleiben die Schmerzen länger bestehen, verschlechtern sich oder werden von noch andere Symptome begleitet, wie z.B. eine Rötung oder Schwellung des Gelenkes, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Dieser legt je nach Ursachen die richtigen Maßnahmen fest – beispielsweise ist bei einem Knochenbruch oftmals eine Operation von Nöten.
Lesen Sie hierzu auch: Physiotherapie bei einem Ellenbogenbruch

Bestehen die Ellenbogenschmerzen aufgrund einer Überlastung und nachfolgender Entzündung, muss der Ellenbogen gegebenenfalls mit einer Bandage oder Schiene für einige Zeit ruhig gestellt werden. Zusätzlich verschreibt der Arzt Betroffenen oftmals schmerzlindernde und entzündungshemmende Mittel, wie z.B. Diclofenac oder Ibuprofen. Ergänzend können schmerzlindernde und schwellungsabklingende Salben, Cremes, Pflaster oder Gele lokal aufgetragen werden.  In schwerwiegenden Fällen können auch Gelenkinjektionen oder Gelenkspülungen mit lokalen Betäubungsmitteln oder Kortison notwendig sein, um eine Schmerzlinderung zu erzielen.

In dieser Zeit dürfen keinerlei Sport oder belastende Tätigkeiten für den Ellenbogen betrieben werden – andernfalls flackern die Entzündungszeichen immer wieder auf oder schreiten gar fort. Deswegen sollten Betroffene zwingend auf den Rat ihres Arztes und ihres Physiotherapeuten hören, ab wann sie den Ellenbogen wieder belasten dürfen. Am besten ist es, die Belastung unter fachkundigem Rat des Physiotherapeuten langsam zu steigern. Doch an erster Stelle steht immer die Schmerzlinderung.

  • Dazu eignen sich v.a. manuelle Techniken, die die verspannte Muskulatur lockern und die Sehnenansätze durch leichte Dehnungsübungen entlasten. Dabei konzentriert sich der behandelnde Physiotherapeut nicht nur auf den Ellenbogen, sondern bezieht in seiner Behandlung ebenso Schultern- und Nackenregion mit ein.
  • Im nächsten Schritt werden Dehnungs- und Kräftigungsübungen mit einem langsam aufbauenden Muskeltraining kombiniert, um weiteren Überlastungsschäden vorzubeugen. Die Auswahl der Übungen richtet sich auch hierbei nach der zugrundeliegenden Ursache für die Ellenbogenschmerzen.
  • Bei manchen Krankheitsbildern ist ergänzend eine Behandlung mit Ultraschall oder Elektrostimulation indiziert. Stoßwellentherapie kann ebenfalls ergänzend eingesetzt werden, um die Durchblutung in dem betroffenen Bereich zu fördern und somit die Regeneration des Gewebes zu beschleunigen.

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Was tun, wenn die Schmerzen bis in die Hand ziehen?

Dass Ellenbogenschmerzen bis in die Hand ziehen, ist leider nichts Ungewöhnliches. Denn die Vielzahl von Muskeln, Bändern, Sehnen und Nerven von Unterarm, Hand und Finger entspringen am Ellenbogen. Werden diese durch eine andauernde monotone Bewegung oder zu intensives Sporttraining überlastet, können Ellenbogenschmerzen entstehen und bis in die Hand ausstrahlen. Bekannt ist das Phänomen u.a. bei diesen Krankheitsbildern:

  • Tennisarm 
  • Golferellenbogen
  • RSI-Syndrom (Repetitve Strain Injury – Syndrom/Mausarm).

Lesen Sie hierzu: Krankengymnastik bei einem Tennisarm, Krankengymnastik bei einem Golferellenbogen, Physiotherapie Mausarm

Die Gemeinsamkeit dieser drei Krankheitsbilder ist, dass sie alle auf einer Überlastungsreaktion basieren. In diese Kategorie gehört auch der sogenannte Handy-Ellenbogen. Betroffene halten beim Telefonieren ihr Handy meist krampfartig gegen ihr Ohr, sodass der Ellenbogen permanent gebeugt ist und der Ellennerv eingeklemmt wird. Es entstehen dann Schmerzen unterhalb des Ellenbogens, in der Innenhand, der Handkante, dem Ringfinger und dem kleinen Finger. Mediziner sprechen dann auch von einem Kubitaltunnelsyndrom (=Engpasssyndrom am Ellenbogen). Ursachen, die außerhalb des Armes liegen, könnten eine Rippenblockade, oder ein Bandscheibenvorfall sein.

Lesen Sie auch: Krankengymnastik Bandscheibenvorfall

Ellenbogenschmerzen durch Trizepstraining?

Ellenbogenschmerzen treten gehäuft bei Personen auf, die viel Kraftsport, insbesondere Trizepstraining, betreiben. Der Trizeps gehört zu den Oberarmmuskeln, der an der Rückseite des Oberarms verläuft. Seine Aufgabe besteht primär in der Ellenbogenstreckung. Wird die Sehne des Trizeps durch Überlastung gereizt, entsteht eine Entzündung, die Schmerzen im gesamten Verlauf der Sehne auslösen kann. Meistens ist dies durch zu intensives Krafttraining der Fall.

Betroffene haben oftmals folgende Übungen beim Kraftsport intensiv trainiert:

  • „Bankdrücken“,
  • „Overhead Press“ 
  • „Push Press“.

Überspringen Sportler dann auch noch das Aufwärmen, trainieren einseitig, achten nicht auf eine korrekte Ausübung der Bewegungen, sind Ellenbogenschmerzen vorprogrammiert. Um Kraftsport/Trizepstraining durchführen zu können, ohne Ellenbogenschmerzen zu provozieren, sollten Sportler immer darauf achten, ausreichend Trainingspausen einzulegen und möglichst abwechslungsreich zu trainieren. Zudem sollten die Ellenbogengelenke beim Krafttraining nicht maximal durchgestreckt werden. In Hinblick auf das Trainieren mit Gewichten gilt: immer erst die Anzahl an Wiederholungen steigern, bevor das Gewicht erhöht wird.

Eine weitere Übung, die prädestiniert für Ellenbogenbeschwerden ist, ist der Barrenstütz - die songenannten "Dips". Die Ausführung erfolgt folgendermaßen:

  • der Sportler stellt sich vor eine Dip-Maschine oder einen Barren und umfasst beide Stangen mit geraden Handgelenken. Nun atmet der Sportler aus und drückt sich zeitgleich an den Stangen nach oben bis seine Ellenbogen gestreckt sind.

Allerdings dürfen die Ellenbogen niemals überstreckt werden. Andernfalls lastet das gesamte Körpergewicht auf den Ellenbogengelenken und die Gefahr von Verletzungen ist besonders hoch. Der Oberkörper bleibt gerade und darf nicht zu weit nach vorne geneigt werden. Anschließend atmet der Sportler ein und senkt seinen Oberkörper kontrolliert bis etwa 90° nach unten ab. Auch wenn der Sportler über genügend Kraft verfügt, sollten die Ellenbogen nicht über 90° gebeugt werden. Andernfalls ist der Druck für die Ellenbogengelenke zu hoch. Zudem dürfen die Ellenbogen nicht zu weit nach außen (über das Handgelenk zur Seite) wegdriften. Andernfalls werden die Schultergelenke zu stark belastet und es können Verletzungen entstehen, die wiederum in Ellenbogenschmerzen münden.

Weitere Informationen für Krafttraining finden Sie unter: Krankengymnastik am Gerät

Lokalisation des Schmerzes

Golferellenbogen

Neben dem Schmerzcharakter, sagt auch die Lokalisation der Schmerzen viel über die zugrundeliegenden Ursachen aus.

  • Treten die Ellenbogenschmerzen vorwiegend links, im Bereich des Knochenvorsprunges, auf, ist dies ein Hinweis auf eine sogenannte Epicondylitis humeri ulnaris/medialis (=Golferellenbogen). Bei dem Krankheitsbild handelt sich um eine Sehnenerkrankung, die typischerweise durch eine Überlastungsreaktion auftritt; beispielsweise durch wiederholtes Heben von schweren Lasten oder wiederholten einseitigen Bewegungen.
  •  Im Unterschied zum Tennisarm betrifft es beim Golferellenbogen die Unterarmbeugemuskulatur. Ein Faustschluss oder das Beugen des Unterarms, v.a. gegen Widerstand wirkt sich schmerzverstärkend aus. Viele Betroffene berichten zusätzlich von einer Schwellung des Ellenbogens und ggf. auch des Unterarms, einer Kraftminderung und Schwierigkeiten in der Feinmotorik.

Die Behandlung erfolgt in den meisten Fällen rein konservativ. Elementar ist eine ausreichende Ruhigstellung und Schonung der überlasteten Sehnen. Aber auch Physiotherapie ist ein wichtiger Bestandteil in der Therapie: Erkrankte erlernen Dehnungsübungen für die Beugemuskulatur und Kräftigungsübungen für die Streckmuskulatur. Zudem lockern Massagen im Bereich der Sehnenansätze die umliegende Muskulatur, verbessern die Durchblutung und beschleunigen die Heilung.  

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Krankengymnastik Golferellenbogen, Übungen Golferellenbogen

Schleimbeutelentzündung/Mausarm

Berufsgruppen, die am Schreibtisch arbeiten, sind häufig von Ellenbogenschmerzen betroffen. Zwar denkt man, sie seien nicht allzu starken körperlichen Belastungen ausgesetzt, jedoch kann die Schreibtischarbeit eine Reihe an gesundheitlichen Problemen hervorrufen.

Ellenbogenschmerzen entstehen am Schreibtisch häufig dadurch, dass sich die Betroffene mit ihren Ellenbogen auf der harten Tischplatte abstützen. Dieses Verhalten kann den Schleimbeutel zwischen Knochen und der Haut reizen, sodass eine Schleimbeutelentzündung im Ellenbogen (Bursitis) entsteht. Der Ellenbogen ist dann leicht geschwollen, gerötet, überwärmt und schmerzt bei Bewegung. Die Entzündung bildet sich meist allein zurück, allerdings muss der Ellenbogen möglichst ruhiggestellt und geschont werden. Bei einem schweren Verlauf kommen schmerzlindernde Medikamente zum Einsatz.

Ein anderes Krankheitsbild, welches sich durch Ellenbogenschmerzen äußert, ist das sogenannte RSI-Syndrom (Repetitive Strain Injury; Mausarm). Es wird ausgelöst durch über einen langen Zeitraum ausgeführte monotone Bewegungen, wie z.B. das Bedienen von Computer-Tastatur und Maus. Das Überlastungssyndrom verursacht Schmerzen in Hand, Handgelenk und Ellenbogen.

Lesen Sie mehr unter: 

Bandagen

Für die meisten Arten von Ellenbogenschmerzen liegen die Ursachen in einer Fehl- und/oder Überlastung. Damit die entstandenen Verletzungen oder Entzündungen ausheilen, ist es erforderlich den Ellenbogen ausreichend zu schonen und ruhig zu stellen. Dazu eignen sich Ellenbogenbandagen hervorragend. Sie schützen das Gelenk vor weiterer Belastung, lassen dennoch Bewegungen zu und tragen somit zur Schmerzlinderung bei.

Mittlerweile gibt es sogar Ellenbogenbandagen, die bei Bewegungen einen leichten Druck auf den Ellenbogenbereich ausüben, der einer Massage gleichkommt. Diese Zusatzfunktion soll die Durchblutung anregen und somit die Heilungsprozesse beschleunigen. Neben der Nutzung von Bandagen zur Therapie, eignen sich Ellenbogenbandagen auch präventiv. Beispielsweise schützten sie den Ellenbogen während schwerer manueller Handarbeiten oder Sportarten wie z.B. Tennis, Golf oder Rudern. Alternativ zu Bandagen können auch Kinesiotapes (=elastische Klebeverbände) verwendet werden.

Lesen Sie hierzu auch: Kinesiotapes

Was, wenn die Finger taub werden?

Treten neben Ellenbogenschmerzen zusätzlich Taubheitsgefühle in den Fingern auf, muss zunächst an eine Nervenschädigung gedacht werden. Eine mögliche Ursache für die Beschwerden ist das sogenannte Sulcus ulnaris Syndrom:

  • Ein Engpasssyndrom des Ellennerves am Ellenbogen. Dieser Nerv verläuft an der Innenseite des Ellenbogens zwischen der Ellenbogenspitze und dem Knochenfortsatz des Oberarmknochens durch den sogenannten Kubitalkanal. Wird der Nerv in seinem Verlauf geschädigt, z.B. durch eine Druckschädigung oder eine lokale knöcherne Wucherung, tritt das Engpasssyndrom auf. Betroffene empfinden dann Taubheitsgefühle am Ellenbogen, an der Unterarminnenseite, an der Handkante, am Ringfinger und am kleinen Finger. Wird Druck auf den Ellenbogen ausgeübt, werden die Taubheitsgefühle zu elektrisierenden Impulsen. Betroffene haben zusätzlich oftmals Probleme bei feinmotorischen Tätigkeiten, wie z.B. beim Öffnen von Flaschenverschlüssen oder beim Schreiben.

Ist die Neuropathie des Nervens stark ausgeprägt, ist eine Operation erforderlich, damit es nicht zu einer Lähmung der Handmuskeln kommt. Andernfalls reicht eine Ruhigstellung des Ellenbogens in Kombination mit entzündungshemmenden Medikamenten aus, um das Sulcus ulnaris Syndrom zu lindern. Physiotherapie unterstützt die Heilung, in dem die Muskeln, Bänder und Sehnen von Hand und Ellenbogen gestärkt werden.

  • Ein anderes Krankheitsbild, welches Taubheitsgefühle in den Fingern in Kombination mit Ellenbogenschmerzen auslösen kann, ist ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule. Nerven im Rückenmark werden dabei durch das verlagerte Bandscheibenmaterial komprimiert, sodass im gesamten Nervenverlauf Schmerzen und Gefühlsstörungen auftreten können.

Lesen Sie hier mehr: Physiotherapie bei einem Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule

Alternative Behandlungsmaßnahmen

Ellenbogenschmerzen können unterstützend durch homöopathische Mittel, wie z.B. Arnika behandelt werden. Zudem berichten Betroffene von einer Schmerzlinderung unter Akupunktur oder Taping-Verbänden. Ergotherapie hilft Betroffenen bei einer ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung, sodass berufsbedingte Ellenbogenschmerzen präventiv entgegen gewirkt wird und  Betroffenen wichtige Regeln zum Gelenkschutz lernen.

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Zusammenfasung

Ellenbogenschmerzen können Ausdruck von vielen verschiedenen Krankheitsbildern sein kann. Die Bandbreite an Ursachen reicht von einer einfachen Überlastungsreaktion, über Knochenbrüche bis hin zu Gelenksentzündungen bei rheumatischen Krankheitsbildern. Die Behandlung richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache, sodass eine ärztliche Abklärung bei länger anhaltenden Ellenbogenschmerzen unumgänglich ist. In den meisten Fällen erfolgt die Therapie konservativ und besteht aus einer konsequenten Ruhigstellung des Ellenbogens, schmerzlindernden Medikamenten und später dann Dehn- und Kräftigungsübungen.

Geeignete Übungen finden Sie unter: Übungen bei Schmerzen im Ellenbogen

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