Übungen für die Brustwirbelsäule

Die vordere (ventrale) Muskulatur verkürzt zusehends in dem heutigen Alltag, während die Rückenmuskulatur zu schwach ist um die Wirbelsäule aufzurichten. Übungen für die Brustwirbelsäule zielen darauf ab, dieses muskuläre Ungleichgewicht aufzuheben, die Mobilität der Wirbelgelenke zu erhalten und die physiologische Wirbelsäulenstellung wiederherzustellen. Die Übungen sollten langfristig in den Alltag integriert werden und regelmäßig auch zuhause durchgeführt werden um dauerhafte Erfolge zu erzielen. Wichtig ist die Durchführung genau und sauber auszuführen um eine mögliche Fehlbelastung auszuschließen.

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Mobilisationsübungen

Mobilisationsübungen zielen darauf hin, die Gelenke der Wirbelsäule in ihrem gesamten Bewegungsausmaß zu verbessern. Mobilisationsübungen sind wenig belastend und werden in mehreren Sätzen mit einer hohen Wiederholungszahl durchgeführt.

1. Übung
Der Patient nimmt eine Position auf allen Vieren ein. Die Hände stehen genau unter den Schultern, die Knie genau unter den Hüften. Der Blick ist schräg nach vorne unten gerichtet, sodass die Halswirbelsäule locker gestreckt ist. Nun wird ein Stützpfeiler, ein Arm abgehoben und weit nach vorne außen weggestreckt. Der Blick folgt der Hand, Der Thorax richtet sich auf, die Brustwirbelsäule wird gestreckt. Anschließend wird der Ellenbogen gebeugt und so weit es geht unter den Körper gezogen, das Kinn legt sich auf die Brust, die Wirbelsäule rollt sich ein und wird rund. Die Übung lässt sich mit der Atmung kombinieren. Bei der Einatmung wird der Arm nach vorne gestreckt, bei der Ausatmung zum Körper gezogen. Die Übung wird je Seite 20 mal in 3-4 Sätzen wiederholt.

2. Übung
Aus der Seitenlage (Emryostellung) werden beide Arme übereinander in Blickrichtung gestreckt. Mit der ersten Einatmung wird der oben liegende Arm gestreckt zur anderen Seite geführt. Der Blick und Oberkörper folgt dem Arm. Aus dieser Position wird dann fünf mal in die aufgedehnte Brust tief eingeatmet. Dabei soll der ausgestreckte Arm zunehmend auf den Boden geführt werden. Mit dem sechsten Einatmen wird der Arm wieder in die Ausgangsstellung geführt und die Seite wird gewechselt.

Weitere mobilisierende Übungen finden Sie in dem Artikel Mobilisationsübungen

Übungen mit dem Theraband

Die Übungen können aus dem Stand oder dem Sitz auf einem Hocker durchgeführt werden. Ein Fuß wird auf das eine Ende des Therabands gestellt. Je kürzer das Theraband gegriffen wird, desto höher ist der Widerstand. Die Übung sollte zunächst nur gegen leichten Widerstand ausgeführt werden, bis sie sicher beherrscht wird.

1. Übung
Die dem fixierenden Fuß gegenüberliegende Hand greift nun das lange Ende des Bandes. Die Bewegung beginnt von der Hüfte des fixierenden Beins. Nun wird der Arm in einem weiten Bogen nach oben außen geführt, als wolle man etwas aus einem Regal hinter sich greifen. Der Blick folgt der Hand. Die Hüfte bleibt fix im Raum, das Becken dreht sich nicht mit. Ist das schwierig, kann die Übung zunächst im Sitz auf dem Hocker geübt werden. Die Endposition wird kurz gehalten, das Schulterblatt der gehobenen Hand wird dabei zur Wirbelsäule nach unten gezogen. Anschließend wird die Spannung gelöst und der Arm in die Ausgangsstellung zurückgeführt. Auch hier kann die Übung mit der Atmung kombiniert werden. Beim Heben des Arms wird ein, beim Senken ausgeatmet. Selbst wenn der Rhythmus am Anfang schwierig ist einzuhalten, sollte der Atmen niemals angehalten werden. Es handelt sich um eine Kräftigungsübung für die aufrichtende Muskulatur. Die Übung darf anstrengend sein. Die Spannung sollte in der oberen BWS und zwischen den Schulterblättern spürbar sein. Sie wird in 3-4 Sätzen mit 12-15 Wiederholungen und einer Pause von ca. 60-90 sec. zwischen den Sätzen ausgeführt.

2. Übung
Die Übung kann auch mit beiden Armen parallel ausgeführt werden. Hierzu wird das Theraband mit beiden Füßen fixiert und jeder Arm greift ein Ende des Bandes. Bei der Aufrichtung schaut der Kopf nach vorne oben, es wird eingeatmet. Mit der Ausatmung lässt man die Hände sinken, kreuzt sie vor dem Körper, lässt die Brustwirbelsäule in eine leichte Beugung fallen und senkt ebenfalls den Blick. Die Übung ist anstrengender und es sollte mit einem leichten Theraband begonnen werden. Die Anzahl der Wiederholungen und Sätze verändert sich nicht.

Weitere Übunge finden Sie in den Artikeln:

Übungen bei akuten Schmerzen

Bei akuten Schmerzen sollte auf anstrengende Übungen, sowie alles was die Schmerzen verschlimmert, verzichtet werden.

  • Leichte mobilisierende Übungen, wie das Einrollen und Ausrollen aus dem Sitz gegebenenfalls mit Zuhilfenahme der Arme (wie die Therabandübung mit beiden Armen, aber ohne Theraband) im Atemrhythmus können verspannte Muskulatur detonisieren und entspannen.
  • Auch einfaches Schulterkreisen oder Armpendeln kann die Schmerzen in der Brustwirbelsäule gegebenenfalls lindern.
  • Tut Bewegung nicht gut, kann eine angenehme Dehnposition, wie zum Beispiel der Päckchensitz eingenommen werden. Hierbei geht der Patient auf die Knie und setzt sich auf seine Fersen, den Kopf senkt er bis auf den Boden. Die Arme liegen, je nachdem wie es angenehmer ist, vor dem Körper gestreckt nach vorne abgelegt, nach hinten neben den Beinen mit den Handflächen nach oben, oder als Unterlagerung unter dem Kopf. Bei Problemen mit den Knien oder der Halswirbelsäule können Kissen als Lagerungsmaterial dienen. Auch Wärmeanwendungen können bei akuten Schmerzen hilfreich sein.

Weitere entspannende Übungen finden Sie in den Artikeln:

BWS Blockade - Einrenken

Häufige Ursache für Schmerzen im Bereich der BWS sind Blockaden der Wirbel- oder Rippengelenke. Wenn die Muskulatur ausreichend entspannt ist, z.B. nach einer Wärmeanwendung oder einer Massage, kann eine Blockade durch Einrenken gelöst werden. Zu Hause kann ein Patient dies selbst versuchen, indem er über einen harten Gegenstand „rollt“ z.B. Faszienrolle/ Tennisball oder eine Dehnposition einnimmt. Die Drehdehnlage kann manchmal Blockaden lösen. Hierbei liegt der Patient auf dem Rücken, lässt die angestellten Beine zur einen Seite fallen und streckt den gegenüberliegenden Arm zur anderen Seite aus, der Blick folgt dem Arm. Der Arm auf der Seite, auf der die Beine liegen, kann zum gegenüberliegenden Rippenbogen greifen und diesen leicht fixieren. Durch tiefes Ein- und Ausatmen kann die Blockade gegebenenfalls gelöst werden.

Beim Einrenken durch einen Fachmann untersucht dieser zunächst die Wirbelsäule und stellt fest, welches Gelenk in welche Richtung blockiert ist. Anschließend positioniert er den Patienten passiv in einer Stellung, in der er in eine genau definierte Richtung nun einen dosierten Impuls ausübt um das Gelenk in die physiologische Stellung zu manipulieren.

Lesen Sie dazu in dem Artikel Übungen bei einer BWS Blockade

Bandscheibenvorfall in der BWS

Ein Bandscheibenvorfall in der Brustwirbelsäule ist äußerst selten. Häufiger kommt er in der Lendenwirbelsäule oder in der Halswirbelsäule vor. Ein Bandscheibenvorfall kann symptomlos bleiben, macht er allerdings Probleme äußert er sich meist durch ausstrahlende Schmerzen in bestimmten, definierten Bereichen der Extremitäten und kann für eine Muskelschwäche oder Gefühlsstörungen sorgen. In der Brustwirbelsäule ist das fast nie der Fall, da dieser Wirbelsäulenabschnitt durch den Thorax gut stabilisiert ist und die Bandscheiben dadurch weniger mechanisch beansprucht als in den anderen Wirbelsäulenabschnitten. Bei einem Bandscheibenvorfall müssen zunächst die Wundheilungsphasen beachtet werden, später gilt es eine Haltungsschulung durchzuführen und muskuläre Ungleichgewichte zu beheben um die Überbelastung des betroffenen Bereichs aufzuheben.

Nähere Informationen erhalten Sie in dem Artikel:

Zusammenfassung

Übungen für die Brustwirbelsäule sind vielfältig. Es geht in der Regel darum die ventrale Muskulatur zu dehnen und zu entspannen und die aufrichtende Muskulatur zu stärken. Hierzu bieten sich Therabandübungen an. Auch die Beweglichkeit der Brustwirbelsäule ist wichtig für einen schmerzfreien gesunden Rücken. Eine Vielzahl an Mobilisationsübungen sollten hierzu regelmäßig ausgeführt werden. Bei akuten Schmerzen kann eine leichte Mobilisation hilfreich sein, ebenso wie die entspannende Lagerung oder Wärme.