Physiotherapie nach einem kindlichen Knochenbruch

Bei kindlichen Knochenbrüchen ist besonders von Bedeutung, dass das kindliche Skelett noch nicht vollends ausgereift ist.
Die Knochenhaut ist noch weich und bleibt bei Verletzungen häufig intakt während das darunter liegende Knochengewebe, welches schon stabiler ist, gegebenenfalls gebrochen sein kann. Man spricht dann von einer so genannten Grünholzfraktur. Gefährlich sind auch Knochenbrüche im Bereich der Wachstumsfuge (Epiphysen), da es bei Verletzungen hier zu Wachstumsstörungen kommen kann. Es ist daher wichtig die Fraktur angemessen zu behandeln und eine sichere Heilung zu gewährleisten. Im Allgemeinen ziehen sich Kinder zwar häufiger Knochenbrüche zu, diese heilen aber auch gut und schnell wieder aus. Die häufigsten Brüche bei Kindern sind Brüche des Unterarms, Babys brechen sich mitunter auch den Unterschenkel besonders bei Stürzen während des Laufenlernens. Diese Brüche sind oft harmlos.



Physiotherapie

Die Physiotherapie richtet sich nach der vorangegangen Therapie. Wurde die Fraktur operativ versorgt, gilt es in Sachen Belastung und Bewegungsausmaß immer die Vorgaben des Arztes einzuhalten. Allerdings sind nur etwa ein Drittel der kindlichen Frakturen operationsbedürftig. Instabile Brüche, Brüche mit Gelenkbeteiligung oder Brüche, bei denen es zu Folgeschäden kommen könnte, werden durch Drähte oder Nägel stabilisiert. Nach der Operation darf das Kind meist sehr schnell wieder bewegen, allerdings sind gegebenenfalls nicht alle Bewegungsrichtungen erlaubt, auch das Abstützen und Belasten kann eingeschränkt sein. In der Physiotherapie wird die Muskulatur um die Fraktur gekräftigt und die Beweglichkeit der Gelenke durch ein gezieltes aktives Mobilisationsprogramm wieder hergestellt. Das Kind soll lernen die Fraktur richtig zu belasten und im Alltag  nicht zu heftigen Beanspruchungen auszusetzen. Wichtig ist auch die Behandlung nach einer Versorgung mittels Gips. Hier musste das Kind das betroffene Körperteil eine Zeit lang schonen und durfte es nicht belasten. in der Physiotherapie lernt es, die Extremität schrittweise wieder voll und angstfrei einzusetzen. Muskuläre Dysbalancen, die durch die Immobilisation entstanden sein können, werden austrainiert und Schonhaltungen, die gegebenenfalls zu Folgeschäden durch Überbelastung bestimmter Strukturen führen könnten, werden korrigiert. Bewegungsverluste in den umliegenden Gelenken werden durch gezieltes mobilisierendes Training verbessert und möglichst vollends eliminiert.

Die Physiotherapie sollte immer kindgerecht und spielerisch erfolgen, sodass das Kind motiviert an den Übungen teilnimmt und einbezogen wird, sodass es in gewissem kindgerechten Rahmen versteht, wozu die Übungen wichtig sind. 

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Übungen

Die Übungen variieren natürlich je nach Lokalisation des Bruches, sind aber im Allgemeinen gleich aufgebaut. Zunächst soll das Kind lernen, die gebrochene Extremität wieder angstfrei, angemessen und richtig zu Bewegen, anschließend wird die Belastung der gebrochenen Extremität wieder trainiert. Zum Ende der Therapie wird der schmerzfreie, sichere und angstfreie Einsatz der Extremität im Alltag trainiert.
Am Beispiel eines gebrochenen Unterarms könnte folgendes Übungsprogramm durchgeführt werden:
Beide Hände werden auf einem großen Gymnastikball platziert. Die Ellenbogen sind dabei gebeugt. Nun soll das Kind mit den Händen den Ball nach vorne von sich weg schieben. Der Oberkörper bleibt dabei stabil. Das Kind muss den Ellenbogen strecken um den Ball nach vorne zu schieben. Zunächst kann die gesunde Seite helfen, später kann die Bewegung nur mit der betroffenen Seite ausgeführt werden. Die Übung kann auch gegen einen Widerstand ausgeführt werden, indem der Ball gegen eine Wand gedrückt werden soll. Dies stellt eine Steigerung der Übung dar, und darf erst bei belastungsstabilen Frakturen durchgeführt werden. Es gibt eine Vielzahl an verschiedenen Übungen, die auf das Kind individuell angepasst werden sollten und ruhig auch variiert werden können. Das Kind sollte Spaß an den Übungen haben, sie aber auch sicher und ordentlich ausführen können.

Zur leichten Kräftigung der Muskulatur finden Sie hier weitere Informationen und Übungen:

Heilungsdauer

Der kindliche Organismus ist viel flexibler und aktiver. Seine Regenerationsfähigkeit ist enorm. So benötigen Haarrissfrakturen am Unterschenkel eines Babys nur etwa 1-2 Wochen bis zu ihrer Ausheilung. In den ersten Lebensjahren benötigt ein Bruch etwas 2-4 Wochen, mit zunehmendem Alter verlängert sich die Heilungsdauer. Bei Jugendlichen benötigt eine Fraktur etwa 4-6 Wochen bis zu ihrer Ausheilung. Die Heilungsdauer ist vom allgemeinen Gesundheitszustand, Begleiterkrankungen und der Frakturversorgung abhängig. Eine individuelle Beobachtung ist nötig. Operierte Frakturen heilen Inder Regel schneller als konservativ behandelte Brüche.

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Schüssler Salz

Als Schüssler Salze bei Knochenbrüchen werden Nr 1. Calicum flouratum und Nr.2 Calcium Phosphoricum empfohlen. Die Präparate können auch parallel eingenommen werden. Calcium Phosphat ist wichtiger Bestandteil des mineralischen Knochens und kann ergänzend bei Knochenbrüchen eingenommen werden, um die Heilung zu unterstützen. Calcium phosphoricum kann auch bei Wachstumsscherzen von Kindern hilfreich sein. Grundsätzlich gilt die Anwendung, Auswahl und Dosierung der Salze für deren optimale Wirkung mit einem entsprechenden Fachmann abzusprechen. Besonders bei Schüssler Salzen sind aber wenig Nebenwirkungen bekannt. Schüssler Salze dienen als Behandlungsergänzung und können keinen Arztbesuch ersetzten.

Homöopathie

Auch homöopathische Mittel können die Heilung von Knochenbrüchen bei Kindern unterstützen. Es gilt auch hier, dass eine Diagnose vorangegangen sein sollte. Die Dosierung und Auswahl des Arzneimittels sollte durch einen Fachmann ausgewählt und angeleitet werden. Allgemein wird für die Behandlung von Knochenbrüchen das Mittel Symphytum empfohlen.
Es handelt sich hierbei um ein pflanzliches Mittel, welches aus der Heilpflanze Beinwell gewonnen wird. Die Einnahme wird für Kindern in Form von Globulis empfohlen. Für Kleinkinder können diese gegebenenfalls in gelöster Form verabreicht werden. Es gibt unterschiedliche Potenzen (D1-D6). Die Dosierung und Häufigkeit der Einnahme sollte durch einen Fachmann bestimmt werden.

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Zusammenfassung

Kindliche Knochenbrüche sind häufig, heilen aber schnell. Vorsicht ist geboten bei schlecht zu erkennenden Grünholzfrakturen, bei denen die Knochenhaut intakt bleibt und bei Verletzungen der Epiphysenfuge. In der Physiotherapie wird versucht, die Beweglichkeit und Kraft der Extremität zu erhalten, oder wieder herzustellen. Fehlhaltungen, die später zu ernsthaften Problemen führen könnten, sollen vermieden werden. Es gibt eine Vielzahl von Übungen, die sich nach dem Wundheilungsprozess und nach dem Kind richten sollten Die Physiotherapie bei Kindern sollte spielerisch und interessant gestaltet werden, ohne dabei an Qualität und Inhalt zu verlieren. Ergänzend können bei der Behandlung kindlicher Knochenbrüche Schüssler Salze oder Homöopathie zum Einsatz kommen.