Übungen bei einer Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule

Bei einer Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule handelt es sich um eine Engstelle des Rückenmarkskanals der Wirbelsäule. Die konservative Behandlung dieser Verengung erfolgt rein symptomatisch, dass bedeutet es werden die verursachten Schmerzen therapiert, nicht die Verengung des Spinalkanals. Nahezu alle (>95%) der Spinalkanalstenosen der Lendenwirbelsäule können erfolgreich durch konservative Therapie behandelt werden. Bei anhaltenden starken Schmerzen ohne Therapieerfolg kann eine OP in Erwägung gezogen werden. Neben einer medikamentösen Behandlung der Schmerzen sind physiotherapeutische Maßnahmen sehr hilfreich, die Schmerzen in den Griff zu bekommen.

8 einfache Übungen zum Nachmachen

Nehmen Sie sich für die folgenden 8 Übungen ca. 20 Minuten Zeit. Die folgenden  acht Übungen sollten 3 - 4 mal pro Woche durchgeführt werden.

1. Übung - "Eigenmobilisation"
2. Übung - "Stufenlagerung"
3. Übung - "Oberkörpervorbeuge"
4. Übung - "Einrollen"
5. Übung - "Kniestreckung"
6. Übung - "Wanddrücken"
7. Übung - "Boxen"
8. Übung - "Rotation"
Übung mit der Blackroll®

Übungen für zu Hause

Mobilisationsübungen

Eigenmobilisationen, wie zum Beispiel das Auf- und Abrollen der Wirbelsäule im Vierfüßlerstand haben einen positiven Effekt auf die Spinalkanalstenose in der LWS. 

1. Übung
Um selbst Platz und Entlastung im unteren Rücken zu schaffen, kann der Betroffene seinen Oberkörper in Bauchlage auf einem Tisch ablegen, wobei die Beckenknochen mit der Tischkante abschließen. Die Beine hängen frei herab und wirken so als Gewicht und schaffen durch den Zug Platz im Rücken. Der Therapeut kann unterstützend im Kreuzgriff die Wirbelkörper der Lendenwirbelsäule auseinander schieben.

2. Übung
Weitere einfache entlastende Übungen, bzw. Positionen, welche dem Betroffenen für zuhaus mitgegeben werden können, ist zum einen die Stufenlagerung. Hier liegt der Patient in Rückenlage, wobei die Beine höher abgelegt sind, wie zum Beispiel auf einem Stuhl oder der Sofalehne.

3. Übung
Des Weiteren bringt die Oberkörpervorbeuge im Sitz Entlastung. Im breitbeinigen Sitz auf einem Stuhl wird der Oberkörper ohne jegliche Spannung über Oberschenkel und Knie abgelegt und einige Zeit hängen gelassen. Beim anschließenden Aufrichten wird Wirbel für Wirbel langsam und kontrolliert aufgerollt. Bei ungenügender Flexibilität können die Unterarme auf der Oberschenkeln abgestützt werden – trotzdem soll versucht werden, soviel Spannung wie möglich aus dem Oberkörper fallen zu lassen.

4. Übung
Eine letzte Entlastungsübung findet auf einer weichen Matte in Rückenlage statt. Die Oberschenkel werden sanft an den Oberkörper herangezogen, die Knie sind gebeugt und alle Spannung wird fallen gelassen. Wem es angenehm ist, kann aus dieser eingerollten Position langsam vor und zurück schaukeln und so eine Eigenmassage der unteren Rückenmuskeln bewirken.

Weitere Übungen finden Sie in den Artikeln:

In der Therapie sollte außerdem an der gesamten Körperhaltung gearbeitet werden, um ein eventuelles Hohlkreuz zu vermeiden und den Körper stabil für den Alltag zu bekommen. Im Alltag ist es wichtig, die Position regelmäßig zu verändern, um langanhaltende Belastungen auf einer Struktur zu vermeiden. Außerdem sollte das Heben und Tragen schwerer Gegenstände vermieden werden und gegebenenfalls das eigene Körpergewicht verringert werden. All das stellt eine weitere starke Belastung für Rücken und Wirbelsäule dar, welche die Symptome nur verschlimmern. Besonders bei Rückenproblemen ist eine korrekte Haltung sowie ein angemessenes Verhalten im Alltag ausschlaggebend, weshalb die Aufklärung als fester Bestandteil der Therapie nicht verachtet werden sollte.

Kräftigungsübungen

1. Übung
Sie liegen in Rückenlage auf einer Matte und drücken die Lendenwirbelsäule fest in den Boden indem Sie den Bauch anspannen und das Becken nach vorne kippen. Die Beine sind 90° im Kniegelenk in der Luft angewinkelt. Ein Bein bleibt in dieser Position, während das Andere sich zum Boden streckt und wieder anbeugt. Der Fuß hat dabei nie Kontakt zum Boden. Nach 15 Whl. wechseln Sie das Bein. Schwerer wird die Übung, wenn beide Beine gleichzeitig gestreckt werden. Wichtig ist es, immer die Bauchspannung zu halten damit der untere Rücken nicht ins Hohlkreuz gezogen wird. Führen Sie 3 x 15 Whl. durch.

2. Übung
Sie stehen hüftbreit und leicht in den Knien gebeugt mit den Fersen an einer Wand. Das Gesäß als auch die Schulterblätter haben Kontakt zur Wand. Drücken Sie ihren unteren Rücken fest gegen die Wand indem Sie den Bauch anspannen und das Becken nach vorne kippen. In den Händen halten Sie jeweils ein Gewicht (1-2 kg) oder die Enden von einem Theraband auf dem Sie stehen. die Arme werden nun gestreckt bis auf Schulterhöhe nach vorne geführt. Dabei erhöht sich die Spannung auf dem Bauch und der Körper wird nach vorne verlagert. Genau gegen diesen Zug muss der Rumpf arbeiten. Die Arme werden dann langsam wieder nach unten in die Ausgangsstellung geführt. Führen Sie 3 x 15 Whl. durch. 

3. Übung
Sie stehen hüftbreit mit leicht gebeugten Knien und geradem Rücken. Kippen Sie ihr Becken nach vorne und spannen den Bauch an. In den Händen halten Sie ein Gewicht (1-2 kg). Die Oberarme sind press am Oberkörper. Beugen Sie nun ihr Ellenbogengelenk 90°, so dass ihr Gewicht in den Händen vor ihnen ist. Für 15 Sekunden führen Sie ganz schnelle kleine Boxbewegungen durch. Durch die Bauchspannung verhindern Sie, dass der Rumpf zu stark rotiert.

4. Übung
Nehmen Sie die gleiche Position wie in Übung 3 ein. Anstatt kleinen Boxbewegungen führen Sie dieses mal für 15 Sekunden kleine schnelle Rotationen mit dem Oberkörper aus. Dabei darf sich aber nicht die Hüfte und die Schulter zu stark mit bewegen. Es gilt, durch die Bauchspannung die Bewegung der Arme abzufangen und somit die Muskeln zwischen den Wirbelkörpern zu trainieren.

Alle 4 Übungen dienen der segmentalen Stabilität in der Lendenwirbelsäule.

Weitere Übungen für eine stabile und physiologische Körperhaltung finden Sie in den Artikeln:

Der physiotherapeutische Ansatz bei einer Spinalkanalstenose im unteren Rücken

Der wichtigste und erfolgversprechendste Ansatz in der Therapie der Spinalkanalstenose in der LWS besteht in der Bewegung. Bewegung hält die Durchblutung und die Muskulatur aufrecht, fördert Flexibilität und schützt vor langen starren Position und somit andauerndem Druck auf die überlasteten Strukturen. Zügiges Gehen statt ständigem Stehen wird geraten, Rückenschwimmen, Walken und öfter mal das Fahrrad nehmen. Besonders Patienten im höheren Alter sollten darauf achten, sich regelmäßig fit zu halten. In der Physiotherapie können die Strukturen durch Griffe der Manuelle Therapie entlastet werden, wie zum Beispiel der Traktion der Wirbelsäule. Diese ist ebenfalls durch die Lage im Schlingentisch herbeizuführen und bringt meist eine angenehme Entlastung. Auf Langzeit ist es jedoch wichtig, selbst die stabilisierende Muskulatur rund um die Wirbelsäule zu trainieren. Statische Übungen für Rücken und Bauch sind angebracht. Es eignen sich zum Beispiel die Bretthaltung im Unterarmstütz, Liegestütze etc.. Statische Übungen finden Sie in dem Artikel Krankengymnastik isometrische Übungen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel Physiotherapie bei einer Spinalkanalstenose

Wie kommt es zur Verengung des Wirbelkanals - Die Ursachen

Die Spinalkanalstenose wird meist durch eine Alterserscheinung hervorgerufen. Durch lebenslange Abnutzung der Bandscheiben versucht der Körper durch knöcherne Anbauten an den Wirbeln den Platz zu erhalten. Diese Anbauten üben jedoch Druck auf die Strukturen, wie zum Beispiel die Spinalnerven in ihren Austrittslöchern, aus. Auch die stabilisierenden Bänder können verdicken und zusätzlichen Druck ausüben. Eine weitere Ursache für die Spinalkanalstenose kann das sogenannte Wirbelgleiten sein. Durch Instabilität des passiven und aktiven Systems, verrutschen einzelne Wirbel aus ihrer physiologischen Position und rufen somit ebenfalls den Platzmangel hervor. Gezielte Übungen finden Sie in dem Artikel Krankengymnastik Spondylolisthesis. In den meisten Fällen ist die Spinalkanalstenose eine degenerative Erkrankung von Menschen im höheren Alter. Oft beginnt die Erkrankung mit Schmerzen im unteren Rücken. Diese können, verursacht durch den Druck auf die Nerven, bis in die Beine ausstrahlen. Nach längerem Bestehen kommen Gefühlsstörungen, Schwäche und ein Schweregefühl in den Beinen hinzu. Die unangenehmen Symptome führen zu einer eingeschränkten Gehstrecke. Die Schmerzen treten besonders beim Stehen und Gehen auf, sowie bei der Rückenstreckung, bei welcher die Strukturen noch weiter eingeengt werden. Bei der Vorbeugung tritt eine Entlastung ein. Im Volksmunde wird auch von der sogenannten Schaufensterkrankheit gesprochen: Betroffene müssen dauernd stehen bleiben und den Oberkörper leicht vorbeugen, um den unteren Rücken zu entlasten, wie bei einem Schaufensterbummel, bei welchem immer wieder angehalten und vorgebeugt wird, um sich etwas anzuschauen. Auch Sitzen und zum Beispiel Fahrradfahren wirken entlastend auf den Rücken.

Weitere Maßnahmen zur Behandlung des Spinalkanalstenose

Als weitere unterstützende Maßnahmen können lockernde Massagen, Wärmeanwendungen und Elektrotherapie zum Einsatz kommen. Ist der Verschleiß zu weit fortgeschritten und die konventionelle Therapie aussichtslos, wird die überschüssige Knochenmasse operativ abgetragen. Auch nach einer Operation der Spinalkanalstenose in der LWS gelten selbe Ziele wie in der konservativen Therapie:
Entlasten, stabilisierende Muskulatur aufbauen, sowie eine gesunde Haltung erarbeiten.
Sie suchen nach Informationen für eine Nachbehandlung einer Spinalkanalstenosen OP in der LWS? Dann lesen SIe sich diesen Artikel durch: OP Spinalkanalstenose LWS - Nachbehandlung

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Zum anatomischen Verständnis des Spinalkanals

Um das Krankheitsbild verständlich zu machen, wird zunächst auf den anatomischen Aufbau eingegangen. Die Wirbelsäule, der stabile Mast des Rückens, bildet in seiner Mitte aus knöchernen Schutz einen Kanal. In diesem Kanal verläuft das vom Gehirn entspringende Rückenmark, gebildet aus langen Nervenfasern und Zellkörpern. Das Gehirn und das Rückenmark bilden das wichtige Zentrale Nervensystem, welches unter anderem für Bewegungsausführungen, Körperkontrolle und die Verarbeitung der von aus dem Körper und der Umwelt kommenden Informationen zuständig ist. Im Bereich der kleinen Löchlein zwischen den einzelnen Wirbelkörper, treten aus dem Rückenmark die Spinalnerven aus, welche schließlich als sogenannte periphere Nerven in die unterschiedlichen Körperregionen ziehen, beziehungsweise aus den Körperregionen zurück zum Zentralen Nervensystem führen. Zwischen den einzelnen Wirbelkörper sind die Bandscheiben gelagert, welche Flexibilität gewährleisten sowie Belastungen abfedern und gleichmäßig verteilen. Verschiedene Bänder umgeben als passives Stützsystem die einzelnen Wirbel sowie die gesamte Wirbelsäule vom Schädel bis zum Becken. Als aktive Stabilisierung wirkt die Rumpfmuskulatur, welche die Wirbelsäule von allen Seiten umgibt und sie wie einen Mast beim Segelboot stützt. Hierzu zählt neben den Rückenmuskeln ebenso die Bauchmuskulatur. Durch die Muskulatur und den komplexen flexiblen Aufbau der Wirbelsäule ist es ihr möglich, Bewegungen nach vorne, hinten, zur Seite und Drehung durchzuführen. Bei der Beugung nach vorne werden die Nerven des Rückenmarks gedehnt, der Wirbelkanal wird weit und im Rücken wird Platz geschaffen. Im Gegensatz dazu wird bei der Streckung nach hinten eine Einengung verursacht.

Weitere Informationen zur Stabilität der Wirbelsäule erhalten Sie in dem Artikel Bänder der Wirbelsäule - Anatomie.

Zusammenfassung

Die Spinalkanalstenose der LWS beschreibt eine Einengung des rückenmarks führenden Kanals im Bereich des unteren Rückens mit unangenehmen Symptomen, wie ausstrahlenden Schmerzen, Sensibilitätsstörungen und schweren schwachen Beinen. Durch Krankengymnastik, entlastenden Übungen und viel Bewegungen lassen sich die Symptome meist gut verringern. Eigenübungen zur Kräftigung und Mobilisation sollten in den Alltag integriert werden. 

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